Nach Gipfeltreffen USA und Russland vereinbaren Rückkehr ihrer Botschafter

Die beiden Großmächte USA und Russland wollen wieder Botschafter ins jeweils andere Land entsenden. Das verabredeten die beiden Präsidenten Putin und Biden bei einem Gipfeltreffen in Genf.

US Präsident Joe Biden and Russlands Präsident Vladimir Putin
"Intensiv und konstruktiv": Der neue US-Präsident Joe Biden (re.) traf seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin erstmals seit seiner Amtsübernahme. Bildrechte: dpa

US-Präsident Joe Biden und der russische Staatschef Wladimir Putin haben sich auf eine Rückkehr ihrer Botschafter nach Moskau und Washington geeinigt. Das sagte Putin am Mittwoch nach einem Gipfeltreffen in Genf. Die Diplomaten waren im Frühjahr im Zuge wachsender Spannungen zwischen beiden Ländern jeweils in ihre Heimat zurückgekehrt. Der Schritt gilt als Zeichen der Deeskalation.

Zuspitzung nach Biden-Interview

US Präsident Joe Biden and Russlands Präsident Vladimir Putin
Bild mit Symbolcharakter: Zwei Weltmächte sprechen miteinander. Bildrechte: dpa

Russlands Botschafter Anatoli Antonow war vor drei Monaten aus Washington zu Konsultationen in die Heimat zurückgerufen worden. Zuvor hatte US-Präsident Joe Biden in einem Interview die Frage bejaht, ob er Putin für einen "Killer" halte. Zudem verhängte die US-Regierung damals neue Sanktionen gegen Russland wegen eines Cyberangriffs und wegen der Einmischung in Wahlen. Beide Staatschefs haben sich nun auch darauf geeinigt, Konsultationen zum Thema Cybersicherheit aufzunehmen.

Moskau wies die Anschuldigungen stets zurück und bezeichnete die verhängten Strafmaßnahmen als Verstoß gegen internationales Recht. Im Gegenzug verhängte auch die russische Regierung Sanktionen und wies unter anderem US-Diplomaten aus. Außenminister Sergej Lawrow legte zudem dem US-Botschafter John Sullivan nahe, Moskau zu verlassen. Im April reiste Sullivan aus der russischen Hauptstadt ab.

Sommerliches Treffen am Genfersee

Putin und Biden kamen bei hochsommerlichem Wetter in der Villa La Grange aus dem 18. Jahrhundert mit Blick auf den Genfersee zusammen. Das Treffen dauerte drei Stunden und zwanzig Minuten und hatte eine ganze Palette an Themen: von Fragen der atomaren Rüstungskontrolle über Menschenrechte bis hin zu Regionalkonflikten in Afghanistan, Syrien und Libyen.

Putin bezeichnete das Treffen mit Biden als "intensiv" und "konstruktiv". Es habe keine Feindseligkeiten gegeben. Beide Seiten hätten gezeigt, dass ihnen daran gelegen sei, einander zu verstehen, sagte Putin auf einer Pressekonferenz nach dem Gipfel. Es sei über eine ganze Reihe von Themen gesprochen worden, darunter die Lage in der Ukraine und die nukleare strategische Stabilität.

Putin verteidigt Nawalny-Inhaftierung

Putin verteidigte unter anderem die Inhaftierung des Kremlgegners Alexej Nawalny. Der Oppositionelle habe bewusst russische Gesetze ignoriert, sagte Putin. Nach seinem Krankenhausaufenthalt in Deutschland habe der 45-Jährige Videos im Internet veröffentlicht und sei den russischen Meldeauflagen nicht nachgekommen. Auch die EU und die USA haben wegen der Verurteilung Nawalnys bereits Sanktionen gegen Russland verhängt.

Biden warnt Putin vor Einmischung in US-Wahlen

In einer Pressekonferenz am Abend nach dem Treffen mit Putin warnte der US-Präsident Putin vor einer Einmischung in die US-Wahlen. Die USA würden eine Verletzung ihrer demokratischen Souveränität und eine Destabilisierung ihrer Wahlen nicht tolerieren. Biden sagte weiter, er habe Putin außerdem zu verstehen gegeben, dass man Menschenrechtsverletzungen in Russland weiter anprangern werde. Es gehe darum, demokratische Werte zu verteidigen.

Biden betonte, es habe bei dem Treffen keine Drohungen gegeben. Es gehe nicht um Vertrauen, es gehe um Selbstinteresse. Zudem sei das Letzte, was Putin wolle, ein Kalter Krieg mit den USA. Es gehe nicht darum, sich zu umarmen und zu lieben. Es sei aber in niemandes Interesse, wenn sich beide Länder wieder in einer Situation befänden, "in der wir in einem neuen Kalten Krieg sind".

Quellen: dpa/Reuters/AFP (pfh)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 16. Juni 2021 | 19:30 Uhr

9 Kommentare

Anni22 vor 5 Wochen

Herr Biden und Herr Putin scheinen sich gut verstanden zu haben. Vielleicht sollte die EU sich anschließen....
Sollte es jemals zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Russland und USA kommen, wären nämlich die EU ein mögliches Spielfeld. Zur Zeit hat die USA mehr China im Blick, was auch nicht ungefährlich für uns ist.

kleinerfrontkaempfer vor 5 Wochen

Muß es denn den Säbelrasselnd sein? Das es primär wirtschaftlich haben die in Staaten Fernost/Ozeanien gerade mit der Gründung einer Wirtschaftunion bewiesen.
Und was ist mit OSZE? Weiter ausbauen und Nutzen? Am Wollen liegt es sicher nicht.
Der russische Bär lebt mit einem gewissen Sicherheitskorridor besser. Siehe Nordkorea oder Türkei. Wer ihm auf die Pelle rückt muß das wissen.

Stefan Der vor 5 Wochen

@kleinerfrontkaempfer: Ich gebe zu bedenken, dass die Staaten, welche der NATO in Osteuropa beigetreten sind, sich in den letzten Jahren sehr stabil entwickelt haben. Die Länder, welche nicht in der NATO sind wurden mit und durch Russland destabilisiert. Beispiel sind hier Moldavien und natürlich die Ukraine. Es ist eine Behauptung von mir, dass sich Russland/ Putin ärgert, dass ihre/ seine Einflusssphäre in den baltischen Staaten abhanden gekommen ist. Dennoch begreife ich Russland als Partner und nicht als Gegner. Auch wenn es manchmal schwer fällt.

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