USA Biden sagt Wiederbelebung der transatlantischen Beziehungen zu

Der gewählte US-Präsident Joe Biden will die schwer angeschlagenen transatlantischen Beziehungen wiederbeleben. Das sagte er mehreren Staats- und Regierungschefs. Das Verhalten des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump in Bezug auf die Wahlniederlage bezeichnete Biden als "Peinlichkeit".

Joe Biden bei einer Ansprache vor Anhängern auf der Bühne in Wilmington, USA
Der gewählte US-Präsident Joe Biden hat mit europäischen Staats- und Regierungschefs telefoniert. Bildrechte: dpa

Der gewählte US-Präsident Joe Biden will die schwer angeschlagenen transatlantischen Beziehungen wiederbeleben. Das sagte der Demokrat bei Telefonaten mit verschiedenen Staats- und Regierungschef. Unter ihnen war neben Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Boris Johnson und der irische Ministerpräsident Micheál Martin.

Zunächst einmal lasse ich sie wissen, dass Amerika zurück ist. Wir werden wieder im Spiel sein. Es geht nicht nur um Amerika.

Joe Biden Gewählter US-Präsident

Damit grenzte er sich in aller Klarheit von Donald Trumps außenpolitischem Grundsatz "Amerika zuerst" ab. Der noch amtierende US-Präsident hatte in den vergangenen Jahren unter anderem mit einem Rückzug der USA aus der Nato gedroht, internationale Verträge wie das Pariser Klimaschutzabkommen gekündigt und Verbündete wie Deutschland immer wieder scharf angegriffen.

Positive Reaktionen auf Wahlausgang

Biden sagte nun, die Reaktionen, die er auf der ganzen Welt von Verbündeten und Freunden bekommen habe, seien positiv gewesen. Er sei zuversichtlich, dass es gelingen werde, die USA wieder zu einem respektierten Partner zu machen.

Biden war am Samstag nach Erhebungen und Prognosen von US-Medien zum Sieger erklärt worden. Trump weigert sich bislang, seine Niederlage einzugestehen. Er spricht von Wahlbetrug und klagt in mehreren US-Bundesstaaten. Beweise für seine Behauptungen hat Trump bisher nicht vorgelegt.

Biden: Trumps Verhalten ist "Peinlichkeit"

Biden bezeichnete die Weigerung Trumps, den Wahlausgang anzuerkennen, als Peinlichkeit. "Wie kann ich das taktvoll sagen: Ich denke, dass es dem Vermächtnis des Präsidenten nicht helfen wird." Zugleich betonte Biden, er bereite ungeachtet der fehlenden Kooperation der Trump-Regierung die Übernahme der Amtsgeschäfte vor. Er plane derzeit keine Rechtsmittel, um die Trump-Regierung zur Zusammenarbeit mit seinem Übergangsteam zu zwingen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel schlägt an einem Rednerpult eine Mappe auf.
Merkel: "Wünsche enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Biden sagte nach Angaben seines Teams während des Telefonats mit Bundeskanzlerin Merkel, er wolle die Beziehungen zu Deutschland stärken und eng mit ihr zusammenarbeiten. Zu den gemeinsamen Herausforderungen gehörten die Bekämpfung der Corona-Pandemie, der Klimaschutz und die Wiederbelebung der globalen Wirtschaft.

In der Erklärung des Biden-Teams hieß es, er habe auch die Möglichkeit begrüßt, mit der EU an einer gemeinsamen Agenda zu arbeiten. Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, Merkel habe sich in dem Telefonat mit Biden eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit gewünscht. Beide seien sich einig gewesen, "dass der transatlantischen Zusammenarbeit angesichts der Vielzahl globaler Herausforderungen eine hohe Bedeutung zukommt".

Brexit bleibt unerwähnt

Boris Johnson
Johnson: "Freue mich, die Zusammenarbeit zu vertiefen". Bildrechte: dpa

Nach dem Telefonat zwischen Johnson und Biden teilte der britische Premier auf Twitter mit, er freue sich darauf, "die Partnerschaft zwischen unseren Ländern zu vertiefen und an gemeinsamen Zielen zu arbeiten - etwa den Klimawandel zu bekämpfen, die Demokratie zu stärken und besser aus der Pandemie herauszukommen." Den Brexit ließ Johnson unerwähnt.

Derzeit wird noch gerätselt, welche Auswirkung die US-Wahl für die weiteren Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien haben könnte. Biden hatte im Herbst verlauten lassen, der Frieden zwischen Irland und Nordirland dürfe nicht zum "Opfer des Brexits" werden. Dass der irische Ministerpräsident zu den vier Europäern zählte, die er zuerst anrief, könnte auch ein Zeichen in diesem Sinne sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. November 2020 | 23:00 Uhr

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