Nach dem Brexit Handel mit Großbritannien lässt nach

Seit zwei Monaten gehört Großbritannien nicht mehr zum europäischen Binnenmarkt. Seit 1. Januar ist der Brexit quasi besiegelt. In letzter Minute hatten sich die Briten mit der EU noch auf ein Handelsabkommen geeinigt, um die Folgen des Austritts abzufedern. Wie geht es mitteldeutschen Unternehmen heute damit? Läuft es noch, das Großbritannien-Geschäft?

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Der Warenaustausch zwischen Deutschland und Großbritannien ist seit dem Brexit deutlich weniger geworden. Bildrechte: dpa

Tobias Ahrens hätte sich mehr Zeit gewünscht. Ein paar mehr Wochen, um zu verstehen, was wirklich drin steht im Deal zwischen Europa und Großbritannien. Ahrens leitet im sächsischen Großpösna eine Außenstelle von Brian James Trailors. Die Firma baut Autoanhänger für verschiedene Zwecke. Doch mit dem EU-Austritt der Briten, sagt Ahrens, sei das Geschäft kompliziert geworden. Schlussendlich stand erst am 24. Dezember der Handelspakt fest, der eine Woche später begann. "Da hat man der Industrie natürlich sehr wenig Zeit gegeben, sich darauf vorzubereiten, personelle Veränderungen herbeizuführen etc. Und das merkt man jetzt in den letzten Monaten verstärkt, dass die Abläufe völlig unklar sind und dass ganz viele offene Fragen da sind."

Großbritannien-Geschäft: Steigende Bürokratie

So wie Ahrens geht es auch anderen. Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Leipzig mehren sich seit Jahresanfang die Anfragen zum Großbritannien-Geschäft. IHK-Präsident Kristian Kirpal ist zwar froh, dass durch den Deal mit den Briten Zölle verhindert wurden, dennoch müssen die Exporteure und Importeure Zollformalitäten beachten. Es gebe keine gemeinsamen Produktvorschriften mehr, in denen die Vorgaben des Zielmarktes erfüllt werden. Außerdem bestehen Import- und Exportverbote für bestimmte Güter. Ein weiteres wichtiges Thema sei, dass es bei Handelsbeziehungen zwischen Unternehmen keine Umsatzsteuerfreiheit mehr gebe.

Die Bürokratie sei mal wieder gewachsen, klagt Kirpal. Das kritisiert auch Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Für einfache Massengüter sei der Aufwand des Großbritannien-Handels überschaubar geblieben, sagt er. Schwierig werde es bei Spezialgütern: "Es gibt Schätzungen für einzelne Gütergruppen, die darauf hinauslaufen, dass auf den regulären Güterpreis nochmal der gleiche Betrag an Bürokratiekosten obendrauf kommt."

Weniger Warenaustausch mit Großbritannien

Schon seit dem Brexit-Votum wenden sich deutsche Firmen vom britischen Markt ab. Besonders ernüchternd sind die neusten Zahlen. Laut Statistischem Bundesamt wechselten im Januar 30 Prozent weniger Waren zwischen Deutschland und Großbritannien hin und her als noch vor einem Jahr. Immerhin: Oliver Holtemöller rechnet mit einer Erholung: "Aber es wird eben nicht mehr das Niveau erreicht werden, das wir vor dem Brexit-Votum hatten. Die Bedeutung Großbritanniens als Handelspartner für die EU wird aus geographischen Gründen weiter hoch bleiben. Aber eben nicht mehr zu dem alten Niveau zurückkehren."

Stabilisierung in Sicht?

Ein bisschen normalisiert sich der Handel schon. Das sagt zumindest Dietrich von zur Wense. Seine Firma Innospec stellt in Leuna Zusätze für Dieselkraftstoffe her. Diese verkauft er auch nach Großbritannien. "Jetzt ist es nach wie vor so, dass es mit den Zollformalitäten etwas hapert und wir uns hier und da ein bisschen behelfen müssen. Da ist noch nicht alles so, wie es sein soll. Das wird sicher noch eine Weile dauern. Aber im Prinzip funktioniert es für uns gut."

Das kann von der Wense auch deshalb sagen, weil er sich vor dem Brexit Lagerbestände in England aufgebaut hat. Vorsorglich, um in den Wirren nach dem Austritt zuverlässig liefern zu können. Diese Strategie ist aufgegangen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. März 2021 | 06:17 Uhr

7 Kommentare

Wessi vor 5 Wochen

@ REXt ...na dann glauben Sie mal.Zumindest wir im Westen nach meiner Meinung nach nicht.Ja, aber in einem haben Sie Recht...Raffkes wie Orbán oder der Mann von der PIs werden es sich überlegen.Diese "ichich"-Leute.Sehr viele EU-Bürger denken antinational, selbst in Frankreich (da kenn' ich mich aus) rücken sehr viele von "La France" so à la De Gaulle, mit viel Pathos, ab.Ich fände übrigens gut, wenn EU-Feindlichkeit Straftatbestand würde.Was glauben Sie wohl, warum Menschen wie ich sich '89 gefreut haben...na, damit die DDR aus ihrem Eingeschlossensein herauskommt.Hin zu "VereinigtenStaaten von Europa". Wir werden uns unsere EU nicht kaputt machen lassen, durch Leute die sich zurücksehnen nach "Ihrem Käfig"...!

wer auch immer vor 5 Wochen

Schon seltsam in der EU - Alle sollen an einem "Strick ziehen" um Wohlstand für Alle in dieser Zone zu ermöglichen. Ein Land ist ausgeschieden das nicht mehr will, auch andere Sitten und Bräuche hat, wie links fahren, Meilen messen, Pint saufen usw.
Vielleicht gehörten sie nie zur EU und wollten es auch nie?

Dreibeiner vor 6 Wochen

Ab dem 1. Oktober 2021 benötigt man für die Einreise einen Reisepass. Nur wenn man zu einer der folgenden Gruppen gehört, kann man noch mindestens bis zum 31. Dezember 2025 mit dem Personalausweis einreisen:

Personen mit dauerhaftem Status aufgrund des EU Settlement Scheme
Personen mit Grenzarbeitergenehmigung
S2 Healthcare Visitor
Swiss Service Provider

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