Afghanistan Weitere Bundeswehr-Maschine fliegt Menschen aus Kabul aus

Vom Flughafen in Kabul ist jetzt eine zweite Bundeswehr-Maschine nach Taschkent geflogen. Sie hatte 125 Menschen an Bord. In der Nacht war ein erstes Flugzeug in der afghanischen Hauptstadt, um Schutzsuchende abzuholen. Auch sein Ziel war die Hauptstadt des Nachbarlands Usbekistan. Weil zuvor Tausende am Flughafen die Rollfelder blockiert hatten, mussten die Maschinen zunächst Schleifen fliegen, bevor sie in Kabul landen konnten.

Airbus A400M am Fliegerhorst Wunstorf.
Airbus A400M – mehrere Bundeswehr-Maschinen sollen Deutsche und afghanische Ortskräfte in Sicherheit bringen (Archivbild). Bildrechte: IMAGO

Vom Hamid-Karsai-Flughafen in Kabul ist am Dienstag eine zweite Bundeswehr-Maschine nach Taschkent geflogen, um nach der Machtübernahme der Taliban weitere Menschen aus Afghanistan auszufliegen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte: "Wir nehmen alles mit, was in unsere Flugzeuge passt", Deutsche, gefährdete Afghanen und Bürger verbündeter Nationen. Laut Außenministerium waren an Bord der zweiten Maschine 125 Menschen.

Zuvor war in der Nacht bereits ein A400M-Transportflugzeug von Kabul nach Taschkent in Usbekistan geflogen. Kramp-Karrenbauer erklärte, damit seien nur sieben Menschen ausgeflogen worden. Zur Begründung sagte sie, es sei nur ganz wenig Zeit gewesen. Deswegen seien nur die mitgenommen worden, die vor Ort gewesen seien. Wegen der chaotischen Situation an dem Flughafen habe keine größere Zahl an Menschen zu dem Flugzeug gebracht werden können.

Die Lage auf dem Flughafen Kabul mit Tausenden Menschen, die auf die Rollfelder strömten und versuchten, an Bord von Flugzeugen zu gelangen, hatte dazu geführt, dass die deutschen Maschinen zuvor mehrere Stunden nicht landen konnten und im aserbaidschanischen Baku und in Taschkent warten mussten.

600 deutsche Soldaten in Afghanistan

Nach Ministeriumsangaben sind Bundeswehrsoldaten vor Ort in Kabul geblieben, um weitere Evakuierungsflüge vorzubereiten. Kramp-Karrenbauer sagte, es gebe nun zwei Szenarien. Das eine sei, dass der Flughafen nur über kürzere Zeit offen gehalten werden könne. Dafür seien "sehr robuste Kräfte" vor Ort. Das zweite Szenario, was man sich wünsche, sei, dass man über die nächsten Tage eine richtige Luftbrücke aufbauen könne. Man wolle dabei auch Hilfestellung für andere Nationen geben, die Bürger evakuieren wollten.

Der Auftrag der Bundeswehr ist klar: Solange es irgendwie geht so viele wie möglich rausholen.

Annegret Kramp-Karrenbauer Bundesverteidigungsministerin

Die Evakuierungsmission der Luftwaffe soll von bis zu 600 deutschen Soldaten abgesichert werden. Kramp-Karrenbauer zufolge sollen neben speziell ausgebildeten Fallschirmjägern auch Feldjäger und Sanitäter nach Afghanistan geschickt werden.

Luftbrücke über Usbekistan

Die Bundeswehr will neben deutschen Staatsbürgern auch afghanische Ortskräfte und besonders gefährdete Personengruppen wie Menschenrechtler und Journalisten außer Landes fliegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel geht davon aus, dass bis zu 10.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden müssen.

Geplant ist eine Luftbrücke zwischen Kabul und Taschkent. Die Menschen sollen zunächst nach Usbekistan ausgeflogen und später mit Charterflügen nach Deutschland gebracht werden.

Am Mittwoch will die Bundesregierung den Mandatsentwurf beschließen. Der Bundestag soll dann nächste Woche in einer Sondersitzung darüber entscheiden. Alle bewaffneten Auslandseinsätze der Bundeswehr müssen vom Bundestag gebilligt werden. Eine Zustimmung erst nach Beginn des Einsatzes ist in Ausnahmefällen möglich.

Ex-Nato-General erschüttert über schnelle Machtübernahme

Unterdessen hat sich der frühere deutsche Nato-General Hans-Lothar Domröse erschüttert über die schnelle Rückkehr der Taliban an die Macht gezeigt. Der Ex-Militär sagte MDR AKTUELL, die Entwicklung in Afghanistan habe die schrecklichsten Befürchtungen überstiegen. Dass die Regierung gewissermaßen wie Eis in der Sonne geschmolzen sei, habe alle überrascht.

Domröse meinte, die Nato habe die Sache völlig falsch eingeschätzt. Man hätte nie gedacht, dass die afghanische Regierung so wenig Gefolgschaft habe und dass die Armeegeneräle als erste abhauen würden. Die Soldaten hätten dann offensichtlich nicht gewusst, wofür sie eigentlich kämpfen sollten. Eine große Mitschuld an dem Chaos wies Domröse den USA zu. Sie hätten den Verhandlungsprozess mit den Taliban nicht zu Ende gebracht, sondern einfach ihren Abzug eingeleitet.

Die Krise in Afghanistan ist in erster Linie der Politik von US-Präsident Biden geschuldet, meint auch Klaus Brinkbäumer. Der MDR-Programmdirektor arbeitete mehrere Jahre als Korrespondent in den USA.

Die Entwicklung in Afghanistan im Überblick:

Quelle: MDR, dpa, AFP, Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. August 2021 | 06:00 Uhr

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