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In Indien (Bild) sind etwa 30 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen Covid geimpft. In Südafrika, wo die neueste Variante zuerst nachgewiesen wurde, sind es noch weniger. Bildrechte: IMAGO / Hindustan Times

PandemieImpfallianz: Omikron ist Zeichen ungerechter Impfstoff-Verteilung

von MDR AKTUELL

Stand: 27. November 2021, 20:28 Uhr

In Deutschland wurden im Sommer Covid-Impfdosen wegen geringer Nachfrage weggeworfen. In anderen Erdteilen haben Menschen kaum Zugang zu den Impfungen. Die Impfallianz Gavi sieht in der globalen Impfstoffverteilung eine grundlegende Ungerechtigkeit, die aber letztlich allen schadet: Mit weiteren Virus-Mutationen könne sich die Pandemie verlängern.

Die neue Corona-Variante Omikron unterstreicht aus Sicht der globalen Impf-Allianz Gavi den Mangel an Impfdosen in vielen Teilen der Welt. Gavi-Chef Seth Berkley sagte, solange Teile der Weltbevölkerung ungeimpft blieben, könne das Virus mutieren und sich so die Pandemie verlängern. "Wir werden die Entstehung von Varianten nur verhindern können, wenn wir alle Menschen auf der Welt schützen, und nicht nur die Reichen."

Bildrechte: dpa

Wir werden die Entstehung von Varianten nur verhindern können, wenn wir alle Menschen auf der Welt schützen, und nicht nur die Reichen.

Seth Berkley | Chef der Impfallianz Gavi

Omikron wurde im November erstmals in Südafrika nachgewiesen. Dort sind nach Daten des Statistischen Bundesamtes derzeit 24 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. In Deutschland liegt die Quote derzeit bei 68 Prozent, leicht unter dem EU-Schnitt. Unter anderem in Portugal sind es sogar deutlich über 80 Prozent. Doch ist der vergleichsweise niedrige Wert in Deutschland vor allem der geringen Impfbereitschaft geschuldet, ist in anderen Erdteilen die Verfügbarkeit von Impfstoffen das Problem.

Ungebremste Virus-Ausbreitung erhöht Risiko für Mutationen

Auch Fachleute wie der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin warnen seit längerem, dass sich weitere Mutationen bilden, je ungebremster sich das Virus ausbreiten kann.

Covid-19Warum Delta so infektiös ist

Mit jeder Mutation steigt auch das Risiko für ansteckendere oder potentiell tödlichere Virus-Varianten. So hat die Delta-Variante auch in Deutschland bereits im Sommer den Wildtyp des Coronavirus abgelöst. Für die Eindämmung sind damit deutlich stärkere Maßnahmen nötig.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte am Freitag die neue Omikron-Variante als besorgniserregend eingestuft - wie zuvor unter anderem auch die Delta-Variante. Noch ist allerdings unklar, wie gut oder schlecht die bisherigen Impfstoffe gegen Omikron schützen. Der Pharmakonzern Biontech kündigte bereits an, sollten Anpassungen seines mRNA-Impfstoffes erforderlich sein, könne man das innerhalb von sechs Wochen realisieren. Erste Chargen könnten dann innerhalb von 100 Tagen ausgeliefert werden.

Covax-Initiative erhält deutlich weniger Impfstoff als erhofft

Gavi ist eine im Jahr 2000 gegründete öffentlich-private Partnerschaft mit Sitz in Genf. Sie finanziert und organisiert Impfprogramme auf der ganzen Welt. Ihr selbst erklärtes Ziel ist, alle Menschen vor vermeidbaren Krankheiten zu schützen, insbesondere Kinder. Bei der internationalen Covax-Initiative zur Vermittlung von Covid-Impfstoff ist Gavi federführend. Die Initiative hatte für dieses Jahr auf zwei Milliarden Impfdosen gehofft, doch bislang konnte nur ein Viertel davon an bedürftige Länder geliefert werden.

Quelle: MDR AKTUELL, dpa / (rnm)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 27. November 2021 | 12:00 Uhr