Afghanistan Bundeswehr beendet Evakuierungsmission in Kabul

Die Evakuierungsmission der Bundeswehr in Afghanistan ist zu Ende. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer sagte, alle Soldaten und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts seien aus Kabul rausgeflogen. Die etwa 600 Soldatinnen und Soldaten, die am Einsatz beteiligt waren, werden am Nachmittag am Militärflugplatz in Wunstorf empfangen. Kanzlerin Merkel sagte angesichts der Entwicklungen in Afghanistan eine am Wochenende geplante Reise nach Israel ab.

Ein US-Soldat (M) hält ein rotes Schild, mit der Aufschrift «Gate closed» (Gate geschlossen), hoch während sich Hunderte von Menschen in der Nähe eines Evakuierungskontrollpunkts auf dem Gelände des internationalen Flughafens Hamid Karzai mit ihren Dokumenten in der Hand versammeln. Westliche Staaten warnten vor einem möglichen Angriff auf den Flughafen von Kabul und Großbritannien erklärte, ein Angriff könne innerhalb weniger Stunden erfolgen.
Tausende Menschen hoffen am Kabuler Flughafen darauf, einen Evakuierungsflug zu bekommen. Doch die meisten Länder haben die Evakuierungsflüge bereits eingestellt, darunter Deutschland. Bildrechte: dpa

Die deutsche Evakuierungsmission in Afghanistan ist beendet. Das verkündete am Donnerstagabend Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bei einer Pressekonferenz. Nach ihren Worten sind alle deutschen Soldaten und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts ausgeflogen worden. Das gelte auch für zwei Bundeswehrsoldaten, die zunächst hätten zurückgelassen werden müssen. Sie seien aber bei den US-Einheiten in Sicherheit gewesen und am Abend mit einem Krankenhaus-Airbus ausgeflogen worden. Dieser Airbus werde auch noch einmal nach Kabul zurückkehren, falls er dort gebraucht werde.

Tausende Menschen ausgeflogen

Kramp-Karrenbauer zufolge hat die Bundeswehr seit dem 16. August gut 5.300 Menschen aus 45 Nationen aus Afghanistan rausgeholt, unter ihnen 500 Deutsche und mehr als 4.000 Afghanen. Schon vor dem Abzug der Bundeswehr seien 2.000 Ortskräfte und Angehörige nach Deutschland gebracht worden.

Die CDU-Politikerin sagte weiter, auch nach dem Abzug aus Kabul stehe man in der Verantwortung für die Ortskräfte und deren Familien. Sie versicherte, alle erteilten Ausreisezusagen blieben bestehen und würden als Einreisebestätigung nach Deutschland gelten.

Maas: Visaverfahren in Nachbarländern beschleunigen

Bundesaußenminister Heiko Maas erklärte, die Bundesregierung arbeite daran, Ausreisemöglichkeiten für verbliebene Ortskräfte und besonders gefährdete Menschen zu schaffen. Ab Sonntag werde er nach Tadschikistan, Usbekistan und Pakistan reisen. Es gehe darum, schnell Vereinbarungen mit Nachbarländern zu Afghanistan zu treffen. So solle sichergestellt werden, dass Afghanen schnell und sicher von der Grenze zu den deutschen Botschaften gelangen können.

Auch andere Länder beenden Flüge

Auch andere europäische Länder stehen vor dem Ende der Evakuierungsaktionen. Frankreich will nach Aussage von Ministerpräsident Jean Castex bis Freitagnachmittag damit fertig sein. Ungarn hat seine zwei Militärmaschinen nach Angaben aus Budapest bereits abgezogen.

Die niederländische Regierung erwartete das Ende der Flüge im Laufe des Donnerstags, Belgien hat seine Evakuierungen nach Angaben von Regierungschef Alexander De Croo bereits eingestellt. Gleiches gilt auch für Dänemark. In Kopenhagen sagte die Verteidigungsministerin Tine Bramsen, es sei jetzt nicht mehr sicher, vom Flughafen in Kabul zu fliegen. Die norwegische Außenministerin Ine Eriksen Søreide sagte am Donnerstagabend, man trete in eine neue Phase der Evakuierung ein. Nun könne nur noch ausgeflogen werden, wer sich bereits auf dem Flughafengelände befinde. Es gebe keinen Grund, "unrealistische Erwartungen zu wecken".

Merkel sagt Israel-Reise wegen Afghanistan ab

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte eine Israel-Reise wegen der Entwicklung in Afghanistan ab. Ursprünglich wollte Merkel diesen Samstag bis einschließlich Montag nach Israel reisen. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte am Donnerstag, beide Seiten seien sich einig, dass der Besuch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden sollte.

Quellen: reuters, RBB, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. August 2021 | 10:00 Uhr

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