Energiekrise Dänemark und Frankreich verlängern Betrieb von Kraftwerken

Die Energiekrise sorgt dafür, dass einige Länder ihre Pläne für die Energiewende ändern. Frankreich nimmt ein Kohlekraftwerk wieder in Betrieb, das vor einem halben Jahr geschlossen worden war. Dänemark verschiebt die Abschaltung von Kraftwerken.

Das Kohlekraftwerk Boxberg (R) und das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe (L).
Dänemark und Frankreich lassen Kohlekraftwerke länger am Netz. Bildrechte: IMAGO / photothek

Angesichts der Energie-Krise und des Ausfalls vieler Atomkraftwerke nimmt Frankreich an diesem Wochenende das Kohlekraftwerk in Saint-Avold bei Saarbrücken wieder in Betrieb. Das Kraftwerk "Emile-Huchet" war erst Ende März vom Netz gegangen, nun soll es zunächst befristet bis Ende 2023 wieder Strom produzieren, hatte das Energieministerium in Paris beschlossen. Umweltschützer protestierten mehrfach gegen den Neustart.

Frankreich: 70 entlassene Mitarbeiter wiedereingestellt

Rund 70 entlassene Beschäftigte wurden mit Lohnaufschlägen zur Rückkehr an ihren alten Arbeitsplatz bewegt und das zuletzt nur wenig gewartete Kraftwerk in aller Eile mit Millionen-Aufwand wieder fitgemacht. Bis auf ein Reservekraftwerk ist das Werk in Lothringen das letzte seiner Art in Frankreich.

Bereits in den Wochen vor seiner Schließung hatte das Kraftwerk auf Hochtouren russische Importkohle verfeuert, um den Strombedarf zu decken. Nun wurde Kohle vor allem aus Kolumbien, den USA und Südafrika herbeigeschafft, um das Kraftwerk anzufeuern. Frankreich droht in diesem Winter bei der Stromversorgung in die Klemme zu geraten, weil die Hälfte der 56 Atomkraftwerke wegen Wartungen und Inspektionen vom Netz sind. Die Regierung hat dem Stromkonzern EDF zwar Druck gemacht, möglichst alle Meiler bis zum Winter zum Laufen zu bringen. Ob das gelingt, ist offen.

Dänemark verschiebt Abschaltung von Kraftwerken

Dänemark will indes die endgültige Abschaltung dreier Kraftwerke bis in den Sommer 2024 verschieben. Dies sei eine Maßnahme, um die Energiesicherheit im Land in den kommenden beiden Wintern abzusichern, teilte das Klima- und Energieministerium in Kopenhagen am Samstag mit. Die Kraftwerke werden mit Gas, Öl und Kohle beziehungsweise Biomasse betrieben und sollen als Reserve zur Verfügung stehen, falls der ansonsten zur Verfügung stehende Strom im Winter nicht ausreicht.

Die Verschiebung soll nach Angaben des Ministeriums jedoch nicht Dänemarks Klimaziele gefährden. Zwei der Kraftwerke wurden nach Angaben des Senders DR bereits vom Netz genommen, beim dritten sollte dies ursprünglich im nächsten Frühjahr passieren.

EU-Kommission genehmigt Hilfe für deutsche Reservekraftwerke

Auch Deutschland bereitet sich darauf vor, dass Kraftwerke gegebenenfalls länger in Betrieb bleiben müssen. Die Europäische Kommission hat deutsche Staatshilfen für fünf Kohlekraftwerke genehmigt, die für den Fall einer Mangellage bei Gas in Bereitschaft gehalten werden sollen.

Die Brüsseler Behörde gab am Montag grünes Licht für die Pläne der Bundesregierung in Kostenhöhe von 450 Millionen Euro. "Diese Übergangsmaßnahme wird es Deutschland ermöglichen, die wirtschaftlichen Auswirkungen von Putins Krieg gegen die Ukraine abzufedern", da so im Falle von Engpässen Gas ersetzt werden könne, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Mit den genehmigten Beihilfen sollen nach Angaben der Kommission die Kraftwerksbetreiber RWE und Leag für die Bereithaltung der Kraftwerke entschädigt werden. Im Juli hatten Bundestag und Bundesrat Gesetzesänderungen beschlossen, mit denen Kohlekraftwerke aus der Reserve geholt werden und zur Verstromung eingesetzt werden können, um so Gas zu sparen. Befristet ist diese Maßnahme bis spätestens Ende März 2024. Die EU-Kommission ist zuständig für die Kontrolle von staatlichen Beihilfen, die Unternehmen in den Mitgliedsländern gewährt werden.

dpa,AFP(kar)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 03. Oktober 2022 | 15:30 Uhr

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