Sassoli-Nachfolge Metsola zur neuen EU-Parlamentspräsidentin gewählt

Kurz vor Ende seiner Amtszeit ist EU-Parlamentspräsident Sassoli vergangene Woche gestorben. Nun steht seine Nachfolgerin fest. Die Malteserin Roberta Metsola ist die dritte Frau auf dem Posten und bisher jüngste Amtsinhaberin.

Roberta Metsola (Partit Nazzjonalista), Fraktion EVP, steht im Europäischen Parlament und spricht.
Metsola ist die dritte Frau im Amt der EU-Parlamentspräsidentschaft. Bildrechte: dpa

Die christdemokratische Malteserin Roberta Metsola ist die neue Präsidentin des EU-Parlaments. Die 43-jährige Abgeordnete der EVP-Fraktion erhielt am Dienstag im ersten Wahlgang eine deutliche Mehrheit von 458 der 616 abgegebenen Stimmen. Die EVP verfügt im Parlament über 177 von 705 Sitzen.

Dritte Frau und jüngste Amtsinhaberin

Metsola ist die bisher jüngste Präsidentin des EU-Parlaments und die dritte Frau auf dem Posten. "Es wird nicht nochmal zwei Jahrzehnte dauern, bis wieder eine Frau an der Spitze des Parlaments steht", versprach die vierfache Mutter nach ihrer Wahl kämpferisch. Zuletzt hatte mit der Französin Nicole Fontaine 1999 bis 2002 eine Frau das Amt inne.

Metsola ist promovierte Juristin und sitzt seit 2013 für die maltesische Nationalistische Partei in der EVP-Fraktion im EU-Parlament. Seit November 2020 ist sie dessen erste Vizepräsidentin. Einen Namen machte sie sich als Kämpferin gegen Korruption. Sie bezeichnet sich selbst als fortschrittliche Befürworterin von LGBTQ- und Frauenrechten. Für Kritik sorgte allerdings, als sie vergangenen Sommer gegen einen Bericht stimmte, der alle Mitgliedsstaaten aufforderte, sicheren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen anzubieten.

Metsola setzte sich an ihrem Geburtstag gegen die Linke Sira Rego aus Spanien und die schwedische Grüne Alice Bah Kuhnke durch. Wegen einer Absprache zwischen EVP und Sozialdemokraten galt ihre Wahl als sichere Sache. Pandemiebedingt fand die Wahl als Fernabstimmung statt.

Vorgänger Sassoli noch im Amt gestorben

Metsola folgt dem Sozialdemokraten David Sassoli nach. Der gebürtige Italiener war am 11. Januar kurz vor Ende seiner regulären Amtszeit im Alter von 65 Jahren gestorben. Bereits nach der Europawahl 2019 war vereinbart worden, dass nach zweieinhalb Jahren mit einem Sozialdemokraten als Parlamentspräsident ein Christdemokrat folgen soll.

Zu den Aufgaben der Parlamentspräsidentin gehört, im Plenum den Rednerinnen und Rednern das Wort zu erteilen und Gesetze zu unterzeichnen. Letzter deutscher Amtsinhaber war der SPD-Politiker Martin Schulz von 2012 bis 2017.

Quelle: MDR, dpa, KNA, AFP (rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Januar 2022 | 11:30 Uhr

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