CDU-Kanzlerkandidatur EU-Parlament: EVP-Fraktion zwischen Hoffnung und Furcht

Hinter der Union liegt eine turbulente Woche. Der Kampf um die K-Frage und die damit verbundenen Grabenkämpfe zwischen CDU und CSU haben auch im Europaparlament für Aufsehen gesorgt.

Eine EU-Fahne weht vor dem Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg
Europas Konservative und Christdemokraten der EVP-Parteienfamilie haben mit Spannung auf die Entscheidung zur CDU-Kanzlerkandidatur geschaut. Bildrechte: dpa

Die Deutschen stellen mit 29 Parlamentariern die mit Abstand meisten Abgeordneten in der EVP-Fraktion. Deren Stärke ist damit zum guten Teil auch die Stärke von CDU und CSU. Viele der europäischen Christdemokraten verfolgten deshalb mit einiger Sorge, wie sich die beiden Parteien in Grabenkämpfen erschöpften.

Das hätte sicher besser laufen können, meint Othmar Karas von der ÖVP. Der Österreicher ist auch Vizepräsident des Europaparlaments: "Die Kür und der Prozess sind nicht ganz ideal verlaufen. Es ist natürlich eine Ausnahmesituation, wenn in einer großen Volkspartei nach so langer Zeit mit so einschneidenden Herausforderungen und Veränderungen die Führung in neue Hände gegeben wird."

K-Frage ist auch bedeutsam für Europa

Das sieht der spanische Abgeordnete Antonio López-Istúriz ähnlich. Er sitzt für den spanischen Partido Popular im EU-Parlament und ist Generalsekretär der Europäischen Volkspartei: "Ich denke, dass es diese Debatte zwischen den Führungen der beiden Parteien gab, ist am Ende eine gute Sache. Wir haben das hier mit Interesse und Spannung verfolgt. Das ist ja logisch, bei der Bedeutung, die die Wahlen im September in Deutschland auch für die Zukunft des europäischen Projekts haben."

Daniel Caspary am Rednerpult.
Daniel Caspary, Vorsitzender der deutschen CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament Bildrechte: imago images/Sven Simon

In vielen Landesgruppen der EVP-Fraktion war man zumindest etwas verunsichert angesichts des Geschehens bei den Deutschen. Das nahm auch Daniel Caspary wahr. Er ist Chef der CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament: "Die Kolleginnen und Kollegen haben in den vergangenen Tagen schon teilweise auch staunend geschaut, wie wir zwischen den beiden Schwesterparteien in Deutschland miteinander umgegangen sind. Einige Kollegen kennen Armin Laschet noch aus seiner Zeit im Europäischen Parlament und ich spüre, dass die Kollegen und Kolleginnen sehr optimistisch sind, dass wir mit Armin Laschet auch die Bundestagswahl gewinnen und weiter eine wichtige Rolle – sei es in Deutschland oder der Europäischen Union – spielen."

Laschets Beziehungen in Brüssel

In der EVP-Familie stehen die deutschen Unionsparteien traditionell für Stabilität. In der Parlamentsfraktion hofft man sehr, dass dies auch so bleiben wird. Noch einmal Othmar Karas von der Österreichischen Volkspartei: "Die Union ist und bleibt ein Hort der Stabilität und Verlässlichkeit. Das hat sich durch die Wahl von Armin Laschet nicht geändert. Im Gegenteil: Er ist von seiner ganzen Geschichte und Einstellung her ein überzeugter Europäer."

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU, h.l) hält eine Rede.
Einige Europapolitiker kennen Armin Laschet noch aus seiner Zeit im EU-Parlament. Bildrechte: dpa

Der Österreicher kennt Armin Laschet noch aus dessen Zeit in Brüssel. Genauso wie EVP-Generalsekretär Antonio López-Istúriz: "Armin Laschet ist hier in Brüssel ja überall gut bekannt. Er war Parlamentsabgeordneter und wir in der EVP sehen ihn auch als Garantie, dass CDU und CSU ihre europafreundliche Politik der vergangenen Jahre prinzipiell beibehalten. Aber klar, erst mal muss sich unser Wunsch erfüllen, dass Armin Laschet ab September auch deutscher Bundeskanzler ist."

Anderenfalls könnten auch Europas Konservative und Christdemokraten der EVP-Parteienfamilie vor schwierigen Zeiten stehen. Auch weil sich um den kürzlich aus der EVP ausgetretenen ungarischen Fidesz und der polnischen PiS-Partei sowie der italienischen Lega ein neues rechtes Parteienbündnis etablieren könnte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 25. April 2021 | 08:05 Uhr

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