Geldpolitik EZB beschließt historische Leitzinserhöhung

Mit einer historischen Erhöhung des Leitzinses will die EZB gegen die Rekordinflation vorgehen. Das Plus um 0,75 Prozentpunkte ist die stärkste Anhebung seit Einführung des Euro. Das Geldinstitut war wegen steigender Teuerungsraten zuletzt immer mehr unter Druck geraten.

Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB).
Der Rat der Europäischen Zentralbank hat einstimmig eine Erhöhung des Leitzines beschlossen. Bildrechte: dpa

Die Europäische Zentralbank hat erstmals in der Geschichte der Notenbank eine Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte beschlossen. Das entschied der EZB-Rat, um gegen die Inflation im Euroraum vorzugehen. Damit wird der Refinanzierungssatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen können, von 0,5 auf 1,25 Prozent erhöht – es ist die stärkste Erhöhung seit der Einführung des Euro.

Lagarde: Einstimmige Entscheidung

EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte, die Entscheidung zur Zinserhöhung sei einstimmig gefallen. "Wir hatten unterschiedliche Ansichten am Tisch, eine gründliche Diskussion, aber das Ergebnis unserer Diskussionen war eine einstimmige Entscheidung", sagte die 66-Jährige. Auch der Einlagensatz wurde von der EZB um 0,75 Prozentpunkte auf künftig 0,75 Prozent erhöht.

Höhere Zinsen können steigenden Teuerungsraten entgegenwirken. Bereits bei seiner Sitzung im Juli hatte der EZB-Rat erstmals seit elf Jahren die Zinsen im Euroraum wieder angehoben und damit die Ära der Negativzinsen beendet. Vor der jetzigen Sitzung war bereits eine Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte in Aussicht gestellt worden. Weil die Inflation zuletzt aber weiter anzog, nahm der Druck auf die Währungshüter zu, einen größeren Schritt zu beschließen. Das Geldinstitut erklärte, die Inflation sei weiterhin "viel zu hoch" und werde voraussichtlich länger auf hohem Niveau bleiben. Eine weitere Erhöhung der Zinssätze sei daher angemessen.

Zustimmung von Lindner, Kritik von Linkspartei und Grünen

Wirtschaft und Ökonomen forderten die EZB nach ihrer Entscheidung zur Zinserhöhung bereits zum Nachlegen auf. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Helmut Schleweis, sagte: "Weitere Zinsanhebungen müssen folgen, damit die Menschen der EZB und ihrem Versprechen stabiler Preise auch weiter glauben können."

Der Bundesverband Deutscher Banken lobte die Entscheidung der Europäischen Zentralbank. Diese habe "ein Ausrufezeichen gesetzt" und kämpfe entschlossen gegen die Inflation, sagte Vize-Hauptgeschäftsführerin Henriette Peucker. Bundesfinanzminister Christian Lindner erklärte, die Erhöhung sei "ein starker Zinsschritt". Er verdeutliche, "dass alle sich der Herausforderung stellen müssen, die Inflation zu bekämpfen", sagte der FDP-Politiker.

Kritik kam von den Grünen aus aus der Linkspartei. Linken-Finanzpolitiker Christian Görke sprach von einem "Akt der Verzweiflung" und einer "schlechten Nachricht für Beschäftigte, Betriebe und Häuslebauer". Grünen-Europapolitiker Rasmus Andresen äußerte sich ebenfalls skeptisch: "Die weitere Anhebung des Leitzins birgt große Risiken einer tiefen Rezession."

dpa, AFP, Reuters (fef)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 08. September 2022 | 14:30 Uhr

Mehr aus Politik

Mehr aus der Welt

zerstörtes Haus von Drohne aufgenommen 1 min
Bildrechte: MDR
1 min 07.02.2023 | 12:22 Uhr

Noch immer suchen Retter verzweifelt nach Überlebenden des Erdbebens im türkisch-syrischen Grenzgebiet. Nachbeben und eisige Temperaturen erschweren die Suche.

Di 07.02.2023 11:58Uhr 01:09 min

https://www.mdr.de/nachrichten/welt/panorama/video-erdbeben-tuerkei-syrien-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Grammy Gewinner 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Haus stürzt ein Menschen rennen weg 1 min
Schweres Erdbeben Bildrechte: MDR