Proteste gegen Putin Tausende Oppositionelle in Russland festgenommen

Bei landesweiten Protesten der russischen Opposition sind mehr als 5.000 Menschen festgenommen worden - darunter auch die Ehefrau von Putin-Kritiker Alexej Nawalny. Auch Journalisten sollen festgenommen worden sein.

Proteste in Russland nach Nawalny-Aufruf
Auch in St. Petersburg protestierten hunderte Menschen gegen Präsident Putin. Örtlichen Medien zufolge setzte die Polizei Tränengas und Elektroschocker gegen die Demonstranten ein. Bildrechte: dpa

Im Zuge der landesweiten Proteste gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin sind mehr als 5.000 Demonstranten in mehr als 50 Städten festgenommen worden. Das berichtet die Nichtregierungsorganisation Owd-Info. Allein in Moskau sollen mehr als 1.600 Menschen in Gewahrsam genommen worden sein. Reporter berichteten, dass Sicherheitskräfte Demonstranten in Polizeibusse getragen hätten. Mehr als 860 Festnahmen listete Owd-Info für St. Petersburg im Norden des Landes auf. Dort soll die Polizei auch Tränengas und Elektroschocker eingesetzt haben.

Unter den Festgenommenen war auch Nawalnys Ehefrau Julia Nawalnaja. Sie kam am Abend wieder auf freien Fuß. Medienberichten zufolge soll sie an diesem Montag vor Gericht, weil sie an den nicht genehmigten Aktionen teilgenommen hatte. Ihr drohen demnach eine mehrtägige Haftstrafe. Ähnlich wie in Moskau gingen die Behörden im ganzen Land massiv gegen die Kundgebungen vor. Die Stadtzentren der Metropolen wurden abgeriegelt, teilweise wurden die U-Bahn-Stationen geschlossen.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell beklagte Massenverhaftungen und die "unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt" gegenüber Demonstranten und Journalisten. Borrell erklärte, die Menschen müssten in der Lage sein, ohne Angst vor Unterdrückung zu demonstrieren. Er forderte Russland auf, seine internationalen Verpflichtungen einzuhalten.

Demo-Aufruf aus dem Gefängnis

Alexej Navalny sitzt an einem Tisch in einer kleinen Zelle. Das Bild stammt offenbar von einer Überwachungskamera.
Für 30 Tage soll Alexej Nawalny in Haft bleiben, weil er gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll. Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Die Opposition in Russland geht bereits das zweite Wochenende in Folge auf die Straße, um gegen Putin und für die Freilassung des inhaftierten Kreml-Kritikers Nawalny zu demonstrieren. Nawalny war direkt nach seiner Rückkehr aus Deutschland in Moskau festgenommen und im Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden. Aus dem Gefängnis heraus hatte er seine Anhänger zu den Kundgebungen aufgerufen.

Streit zwischen Washington und Moskau

Das massive Vorgehen der russischen Sicherheitskräfte gegen oppositionelle Demonstranten hat einen heftigen diplomatischen Streit zwischen Moskau und Washington ausgelöst. Der Kreml warf den USA "grobe Einmischung" in die inneren Angelegenheiten Russlands vor. Zuvor hatte US-Außenminister Antony Blinken die "harte" Reaktion der russischen Behörden auf die vom inhaftierten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny initiierten Proteste verurteilt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Januar 2021 | 12:00 Uhr

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