Militärbündnis Finnland für "unverzüglichen" Nato-Beitritt

Lange pflegten Finnland und Schweden einen Status quo zwischen Nato und Russland. Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wechselte schnell die Stimmung in den beiden skandinavischen Ländern. Nun werden die Beitrittspläne in Finnland konkreter. Der Kreml wertet einen solchen Beitritt als Bedrohung Russlands.

Sanna Marin und Sauli Niinistö während einer Pressekonferenz
Finnlands Regierungschefin Sanna Marin und Ministerpräsident Sauli Niinistö (Archivbild) - der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat in dem skandinavischen Land ein grundlegendes Umdenken zu einer Nato-Mitgliedschaft befördert. Bildrechte: dpa

In Finnland haben sich Präsident Sauli Niinistö und Ministerpräsidentin Sanna Marin für einen Nato-Beitritt ihres Landes ausgesprochen. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, man sei für eine unverzügliche Mitgliedschaft in dem Militärbündnis. Dies würde die Sicherheit Finnlands und das gesamte Bündnis stärken.

Schlagartig gestiegene Zustimmung für Nato-Beitritt in der Bevölkerung

Es wird damit gerechnet, dass sich das Land noch in dieser Woche zu einem formellen Beitrittsantrag entschließt. Einer am Montag veröffentlichten Umfrage zufolge befürworten inzwischen 76 Prozent der Finninnen und Finnen eine Mitgliedschaft in der Nato. Vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine waren es lange Zeit lediglich 20 bis 30 Prozent.

Finnland hat eine 1.300 Kilometer lange Grenze und eine schwierige Vergangenheit mit Russland. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Land neutral, um die Beziehungen zur damaligen Sowjetunion und dann Russland nicht zu belasten. Als EU-Mitglied ist Finnland aber bereits in einige gemeinsame militärische Strukturen eingebunden.

Auch im benachbarten Schweden steht die Entscheidung über einen Nato-Beitritt kurz bevor. Russland hatte die beiden skandinavischen Länder vor diesem Schritt gewarnt.

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Beitritt der Skandinavier wäre ein Gewinn für das Militärbündnis

MDR AKTUELL Do 12.05.2022 09:18Uhr 03:26 min

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Moskau sieht möglichen Nato-Beitritt als Bedrohung

Nach der aktuellen Ankündigung Finnlands reagierte der Kreml in Moskau umgehend. Sprecher Dmitri Peskow sagte in Moskau, eine Ausweitung des Militärbündnisses an die russischen Grenzen würde die Welt nicht sicherer machen.

Dmitri Peskow
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow Bildrechte: imago images/SNA

Der von Finnland angekündigte Schritt sei bedauerlich und ein Grund für eine entsprechende Reaktion. "Alles wird davon abhängen, wie dieser Prozess vonstatten geht, wie weit die militärische Infrastruktur an unsere Grenzen heranrücken wird", fügte er hinzu.

Niiniströ hatte bereits am Mittwoch betont, ein Nato-Beitritt wäre gegen niemanden gerichtet. Der finnische Präsident galt lange als Vermittler zwischen Moskau und dem Westen.

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Ein Kommentar von Stephan Überbach

MDR AKTUELL Do 12.05.2022 20:35Uhr 02:34 min

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Stoltenberg verspricht reibungslosen und zügigen Beitrittsprozess

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg stellte Finnland eine rasche Aufnahme in Aussicht. Der Beitrittsprozess würde reibungslos und zügig verlaufen. Auch die baltischen Staaten sehen einen möglichen Nato-Beitritt Finnlands positiv. Lettlands Staatspräsidents Egils Levits betonte, ein solcher Schritt würde die Nord- und Ostflanke der Nato stärken. Auch die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen schrieb bei Twitter, man werde Finnland "natürlich herzlich willkommen heißen in der Nato".

MDR, dpa, AFP, Reuters (rnm)

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Mai 2022 | 09:30 Uhr

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