Diplomatie Frankreich ruft Botschafter aus USA und Australien zurück

Australiens Pläne für atombegriebene U-Boote stoßen international auf Kritik. Besonders verärgert ist Frankreich. Das Land verlor dadurch einen milliardenschweren Deal. Nun setzt Paris ein deutliches diplomatisches Zeichen.

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian hat seine Botschafter aus Australien und den USA für Beratungen zurückgerufen. Das teilte das französische Außenministerium am Freitagabend mit. Dieser außergewöhnliche Schritt geschehe auf Wunsch von Präsident Emmanuel Macron, hieß es. In der Geschichte der amerikanisch-französischen Beziehungen ist es das erste Mal, dass Paris seinen Botschafter aus Washington zurückruft. Hintergrund ist ein Streit über ein geplatztes Milliarden-Rüstungsgeschäft.

Indopazifisches Sicherheitsbündnis ließ Deal platzen

Frankreich sollte Australien Material und Technologie für den U-Boot-Bau in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar liefern. Dieser Deal war geplatzt. Grund dafür war, dass die USA, Großbritannien und Australien ihrerseits ein neues Sicherheitsbündnis für den Indopazifik bekannt gegeben haben. Sicherheitsfachleuten zufolge richtet sich die Allianz gegen die militärische Bedrohung durch China im Indopazifik.

Wir prüfen alle Hypothesen und Szenarien, wir werden unsere Interessen schützen und verteidigen.

Florence Parly Französische Verteidigungsministerin

Australien will U-Boote mit Atomantrieb bauen. Die Technik dafür kommt nun von den beiden Partnerländern. Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly sagte mit Blick auf mögliche Entschädigungen, man prüfe alle Hypothesen und Szenarien, um die französischen Interessen zu schützen und zu verteidigen.

USA und Australien wollen beschwichtigen

Die USA und Australien zeigten sich betroffen über Frankreichs Reaktion auf den geplatzten Rüstungsdeal. "Frankreich ist ein wichtiger Partner und unser ältester Verbündeter und wir legen größten Wert auf unsere Beziehungen", erklärte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Man hoffe, die Diskussion über das Thema in den kommenden Tagen fortsetzen zu können. Ähnlich äußerte sich das australische Außenministerium.

Internationale Kritik an geplanten Atom-U-Booten für Australien

Auch China hatte empört auf den Sicherheitspakt reagiert. Australien sei ein Staat ohne Atomwaffen, der jetzt plötzlich nuklear angetriebene U-Boot-Technologie mit strategischem militärischen Wert importieren könne, hieß es. Dies könne andere Staaten dazu bewegen, ihr Engagement für die Nichtverbreitung von Atomwaffen infrage zu stellen.

Neuseeland zeigte sich ebenfalls kritisch. Ministerpräsidentin Jacinda Ardern kündigte an, dem Nachbarn mit solchen U-Booten keinen Zutritt den eigenen Gewässern zu gewähren. Der Pazifikstaat lehnt Atomkraft strikt ab.

dpa/AFP/Reuters(rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. September 2021 | 08:30 Uhr

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