Investitionen weltweit G7 wollen China mit Infrastruktur-Programm Konkurrenz machen

Als Gegengewicht zum wachsenden Einfluss Chinas in der Welt haben die G7-Staaten eine globale Initiative für Infrastrukturprojekte gestartet. Die Staats- und Regierungschefs sieben führender Industrienationen beschlossen am Samstag bei ihrem Gipfeltreffen in Cornwall, ärmeren Ländern dabei "werteorientierte, hochwertige und transparente" Partnerschaften anzubieten, wie das Weiße Haus mitteilte.

Staatschefs bei dem G7 Gipfel sitzen zusammen
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Die Industrienationen der G7 planen eine Milliarden-Initiative zum Aufbau von Infrastruktur in armen Ländern. Das Vorhaben soll eine Alternative zum chinesischen Multi-Milliarden-Projekt der "Neuen Seidenstraße" bieten, wie US-Regierungsbeamte am Rande des G7-Gipfels im englischen Carbis Bay berichteten.

Es gebe laut Schätzungen eine Lücke von benötigter Infrastruktur in Teilen der Welt in Höhe von 40 Billionen US-Dollar, die durch die Pandemie noch größer geworden sei, wurde hervorgehoben. Die Initiative, die von US-Seite "Build Back Better World" (B3W) genannt wurde, soll im Abschlusskommuniqué stehen, das zum Abschluss des dreitägigen Gipfels am Sonntag vorgesehen ist.

Keine Details, aber umweltfreundlich und sozial

Der Umfang des Programms ist noch unklar. Wie ein US-Beamter sagte, wollen die USA mit den G7-Partnern, dem privaten Sektor und anderen Teilhabern aber "bald" kollektiv Hunderte Milliarden für Infrastruktur-Investitionen in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen mobilisieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Joe Biden (2.v.l.) sitzen zu Beginn ihres Gesprächs am Rande des G7-Gipfels mit ihren außenpolitischen Beratern Jan Hecker (2.v.r.) und Jake Sullivan (l) zusammen.
Kanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit US-Präsident Joe Biden während des G7-Gipfels. Bildrechte: dpa

Die Umsetzung solle "auf transparente und nachhaltige Weise – finanziell, umweltfreundlich und sozial – erfolgen", teilte die US-Seite mit. Der US-Beamte sagte: "Es geht nicht darum, dass die Länder zwischen uns und China wählen müssen". Vielmehr solle "eine positive, alternative Vision" geboten werden, für die sich Länder entscheiden könnten.

Er warf Peking einen "Mangel an Transparenz, schlechte Umwelt- und Arbeitsstandards" und ein Vorgehen vor, das viele Länder am Ende schlechter dastehen lasse.

Chinas "Seidenstraße"-Initiative ist umstritten. Mit Investitionen in Straßen, Bahnstrecken, Häfen und andere Infrastrukturprojekte baut China neue Handelswege nach Europa, Afrika, Lateinamerika und in Asien. Dabei investiert China auch in Staaten, die sonst nur schwer internationale Hilfe bekommen würden. Kritiker warnen arme Länder vor einer Schuldenfalle, politischen Abhängigkeiten und mangelndem Umweltschutz. Oft kommen auch nur chinesische Unternehmen zum Zuge.

Beratungen gehen im größeren Kreis weiter

Nach den Beratungen im G7-Format ist der Gipfel der sieben führenden Industrieländer um einige Gastländer erweitert worden. Der britische Premierminister Boris Johnson begrüßte am Abend im südenglischen Carbis Bay die Staatschefs von Südafrika und Südkorea, Cyril Ramaphosa und Moon Jae-in, sowie den australischen Regierungschef Scott Morrison. Indiens Regierungschef Narendra Modi sollte per Video zugeschaltet werden. Zudem traf UN-Generalsekretär António Guterres zu den Beratungen in Cornwall ein.

Zentrale Themen des dreitägigen G7-Gipfels sind der Kampf gegen die Corona-Pandemie und ihre Folgen, Klima- und Artenschutz sowie die Stärkung westlicher Werte. Das Treffen, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnimmt, endet am Sonntag.

Quelle: MDR,dpa,AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Juni 2021 | 15:00 Uhr

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