Ryanairflug Gysi zu Zwangslandung in Minsk: "Zurückkehren zum Völkerrecht"

Linkenpolitiker Gysi spricht zur Zwangslandung in Minsk vom Bruch des Völkerrechts. Er kritisiert aber auch die USA für eine ähnliche Aktion und plädiert für eine Annäherung von Ost und West statt weiterer Sanktionen.

Eine Sicherheitskraft Spürhund inspiziert mit einem Spürhund das Gepäck eines Ryanair-Flugzeuges.
Belarus hat einen europäischen Linienflug von Ryanair zur Landung in Minsk gezwungen und einen Oppositionellen an Bord festgenommen. Bildrechte: dpa

Der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Gregor Gysi, hat die Zwangslandung der Ryanairmaschine im belarussischen Minsk als "Akt der Luftpiraterie" bezeichnet. Gysi sagte im Gespräch mit MDR AKTUELL, das seien indiskutable Verstöße gegen zahlreiche Luftverkehrsabkommen sowie das Völkerrecht. Das Vorgehen von Belarus sei scharf zu verurteilen und der Oppositionelle Roman Protasewitsch wieder freizulassen.

Gysi stellte wie viele andere in Frage, dass es tatsächlich Hinweise auf eine Bombe an Bord gegeben habe. "Wenn es tatsächlich eine Bombe gegeben hat – woran aktuell niemand glaubt – dann nimmt man aber keinen Passagier fest, sondern lässt alle weiterfliegen". Das Angebot aus Belarus, die Behauptung von internationalen Experten prüfen zu lassen, sollte jedoch angenommen werden, sagte Gysi.

Gysi kritisiert ähnliche Zwangslandung durch die USA

Der Linkenpolitiker betonte aber auch, dass er vor allem die USA in ihrer Kritik an dem osteuropäischen Land für wenig glaubwürdig halte. "Denn die ersten, die das gemacht haben, das waren die USA, als sie erzwungen haben, das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Morales in Wien zu landen, weil sie glaubten, Snowden sei an Bord, den sie dort festnehmen wollten." Gysi sagte weiter, der Westen liefere immer das Beispiel und der Osten ziehe nach. Die Sache mit dem bolivianischen Präsidenten sei als Bagatelle abgetan worden. So mache Völkerrecht Schule. "Ich möchte gerne, dass wir wieder zurückkehren zum Völkerrecht – aber dazu müsste die internationale Staatengemeinschaft sich aufraffen, der Westen muss aufhören, das Recht zu verletzen, dann kann man auch berechtigt von allen anderen fordern, es nicht zu tun."

Gysi sprach sich im Interview mit MDR AKTUELL für eine Annäherung von Ost und West aus. Sanktionen gegen Belarus "kann man alles machen, wenn man weiter zuspitzen will. Wenn man nicht weiter zuspitzen will, muss man einen anderen Weg gehen."

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Mai 2021 | 06:00 Uhr

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Rechte: CCTV

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