Entscheidung Raisi gewinnt Präsidentschaftwahl im Iran

Im Iran ist wie erwartet der erzkonservative Kleriker und Justizchef Raisi zum Präsidenten gewählt worden. Außenminister Sarif hält ihn für einen "vernünftigen Mann" und glaubt an eine Zukunft des Atomabkommens.

Ebrahim Raisi
Ebrahim Raisi wird der nächste Präsident im Iran. Bildrechte: dpa

Im Iran hat der erzkonservative Kandidat Ebrahim Raisi die Präsidentschaftswahl gewonnen. Das teilte das Innenministerium in Teheran mit. Demnach kommt der 60 Jahre alte Justizchef Raisi nach der Auszählung von einem Großteil der Stimmen auf mehr als 62 Prozent der Stimmen.

Zuvor hatte bereits der amtierende Präsident Hassan Ruhani in einer Fernsehansprache erklärt, es sei bereits im ersten Wahlgang ein neuer Staatschef gewählt worden. Den Namen des Wahlsiegers nannte Ruhani zwar nicht. Raisi galt allerdings schon im Vorfeld als klarer Favorit. Auch seine drei Mitbewerber gratulierten Raisi schon vor Bekanntgabe des Teilergebnisses zum Sieg.

Wunschkandidat der Eliten

Raisi galt als Wunschkandidat der politischen Elite in Teheran und als enger Vertrauter von Ajatollah Ali Chamenei, dem geistlichen und politischen Oberhaupt der Islamischen Republik. Raisi ist Kleriker und war in den vergangenen drei Jahrzehnten in der Justizbehörde tätig, zunächst als Staatsanwalt, später als Richter. Seit 2019 ist er Justizchef. Schon vor vier Jahren bewarb sich Raisi um das Präsidentenamt, scheiterte aber damals am aktuellen Amtsinhaber Ruhani.

Außenminister: Raisi ist vernünftig

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bezeichnete Raisi als vernünftigen Mann, der den Iran gut führen werde. Raisi hatte bereits im Vorfeld erklärt, dass er die Gespräche zur Wiederbelebung des Atomabkommens von 2015 unterstützt. Sarif erklärte nun, er hoffe auf eine Einigung noch vor August. Die Schwierigkeiten seien nicht unüberwindbar.

Wohl relativ niedrige Wahlbeteiligung

Eine Wählerin gibt ihren Stimmzettel für die Präsidentschaftswahlen in einem Wahllokal in Tehran ab
Eine Wählerin gibt ihren Stimmzettel für die Präsidentschaftswahlen in einem Wahllokal in Teheran ab. Bildrechte: dpa

Bei der Abstimmung am Freitag waren gut 59 Millionen Iraner aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Die Höhe der Wahlbeteiligung war zunächst unklar. Es wurde jedoch mit einer niedrigen Beteiligung gerechnet. Die Öffnung der Wahllokale war deshalb um zwei Stunden verlängert worden.

Der scheidende iranische Präsident Ruhani wird voraussichtlich am 3. August die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger übergeben. Ruhani selbst durfte nach zwei Amtszeiten nicht wieder antreten.

Quelle: MDR, dpa, AFP, Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Juni 2021 | 10:00 Uhr

3 Kommentare

H.E. vor 6 Wochen

Ich hoffe nur, daß Bundespräsident Steinmeier und Außenminister Maas nicht Hardliner RAISI zur Wahl gratulieren.
Im Iran gibt es bei den Mullahs keinen Funken Demokratie, sondern nur lupenreine Diktatur.
Außerdem wollen sie lieber heute als morgen Israel vernichten, viele in ihrer Bevölkerung müssen hungern u. Homosexuelle werden zum Tode verurteilt. Ebenso werden zum Tode verurteilt, wer vom Islam zum Christentum konvertiert. Und die Frauen sind gezwungen, auch noch Kopftücher überall zu tragen, auch diejenigen die Ausländerinnen sind und in keinster Weise etwas mit dem Islam zu tun haben.
Aber für Forschung an Atomwaffen ist Geld ohne Ende da, auch für die linientreue HAMAS im Gazastreifen, die ständig Israel angreifen.
Der Iran gehört auch zu den Staaten mit den weltweit höchsten Todesurteilen, besonders aus religiösen Gründen.

kleinerfrontkaempfer vor 6 Wochen

Das wäre doch mal ein Anlaß eine Annäherung der Verantwortlichen zu wagen. Mehr als schief gehen kann es nicht.
Frank-Walter wird doch einigermaßen neugierig auf seinen Amtskollegen sein. Möglich das es auch erstmal abwartet, bevor er was neben der offiziellen Linie Liegendes tut.

Blumenfreund vor 6 Wochen

Trotzdem, wie der Iran sein Leben gestalltet muss uns absolut gleichgültig sein. Es gibt keinen Zwang zur Demokratie !

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