Nahostkonflikt Dutzende Tote nach Angriffen in Israel und im Gazastreifen

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern eskaliert weiter. Israel steht ausdauernd unter Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Die israelische Armee bombardierte dort feindliche Ziele. Auf beiden Seiten wurden inzwischen mehrere Menschen getötet und hunderte verletzt.

Ein Mann inspiziert die Schäden an einem Haus, das von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde.
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Militante Palästinenser im Gazastreifen haben nach Angaben der israelischen Armee bislang mehr als 1.000 Raketen auf Israel abgefeuert. Rund 850 Raketen seien abgefangen worden oder in Israel niedergegangen, etwa 200 weitere seien noch im Gazastreifen niedergegangen, sagte ein Militärsprecher am Mittwochmorgen. Den Angaben zufolge starben in Israel bislang fünf Menschen durch den Raketenbeschuss. Mehr als 200 weitere seien verletzt worden.

Umfangreiche Bombardements

Israels Luftwaffe reagierte nach eigenen Angaben mit dem umfangreichsten Bombardement des Gazastreifens seit dem Gaza-Krieg von 2014. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza stieg die Zahl der seit Montag getöteten Palästinenser auf 35, darunter zwölf Kinder und drei Frauen. 233 Menschen seien verletzt worden. Nach Berichten von örtlichen Medien und Augenzeugen wurden einige Kinder durch israelische Luftangriffe getötet, andere durch fehlgeleitete Raketen der Extremisten.

Ein Sprecher des von der islamistischen Hamas geführten Innenministeriums teilte mit, alle Polizeigebäude im Gazastreifen seien bei israelischen Luftangriffen zerstört worden. Die israelische Armee sprach in der Nacht hingegen davon, sie habe "eine Reihe wichtiger Terrorziele und Terroraktivisten im Gazastreifen getroffen". 20 Mitglieder der islamistischen Hamas und des militanten Islamischen Dschihads seien getötet worden.

Rauch und Feuer dringt aus Wohngebäude im Gazastreifen.
Rauch und Feuer im Gazastreifen nach einem Angriff der israelischen Luftwaffe. Bildrechte: dpa

Weitere Angriffe angekündigt

Beide Konfliktparteien zeigten sich kompromisslos. Die Hamas werde keinen Rückzieher machen, sagte ein Sprecher der militanten Islamisten im Gazastreifen: "Wenn Israel zuschlägt, schlägt der bewaffnete Widerstand zurück." Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, die militanten Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad würden einen hohen Preis für die jüngsten Angriffe auf Israel bezahlen. "Diese Operation wird Zeit brauchen, aber wir werden den Bürgern Israels die Sicherheit zurückbringen." Generalstabschef Aviv Kochavi sagte, man sei fest entschlossen, den militanten Gruppierungen einen harten Schlag zu versetzen.

Der internationale Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv wurde wegen der Angriffe zeitweise für Landungen und Abflüge geschlossen. Die Flüge wurden nach Zypern umgeleitet. In zahlreichen Ortschaften im Großraum Tel Aviv sowie im Umkreis des Gazastreifens sollten am Mittwoch die Schulen geschlossen bleiben.

Sicherheitskräfte liegen auf dem Boden, um sich zu schützen, nachdem die Stadt Ashkelon von Raketen aus dem Gazastreifen beschossen wurde.
Israelische Sicherheitskräfte liegen in der Stadt Ashkelon am Boden, um sich vor Raketenbeschuss zu schützen. Bildrechte: dpa

Internationale Besorgnis

Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilte die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf Israel scharf. "Dass es jetzt noch eine derartige Eskalation der Gewalt gibt, ist weder zu tolerieren noch zu akzeptieren", sagte Maas bei einem Besuch in Rom. Israel habe in dieser Situation das Recht auf Selbstverteidigung. Russland und die USA riefen alle Seiten zur Zurückhaltung auf.

In New York zeigte sich UN-Generalsekretär António Guterres einem Sprecher zufolge sehr besorgt und "zutiefst traurig über die zunehmende Zahl von Opfern". Angesichts der Gewalt in Nahost soll der UN-Sicherheitsrat am Mittwoch zum zweiten Mal binnen weniger Tage zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

Die Raketenangriffe begannen am Montagabend. Militante Palästinenser beschossen zunächst Israel. Israels Armee reagiert darauf mit Angriffen auf Ziele im Gazastreifen, vor allem durch die Luftwaffe.

Konflikte in mehreren Städten

Der Konflikt hatte sich seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte April zugespitzt. In den vergangenen Tagen hatte es zunächst vor allem in Jerusalem heftige Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gegeben. Auslöser waren unter anderem Polizei-Absperrungen in der Altstadt sowie drohende Zwangsräumungen von palästinensischen Familien im Viertel Scheich Dscharrah.

In der Stadt Lod bei Tel Aviv, in der Juden und Araber gemeinsam leben, kam es dann am Dienstagabend zu schweren Ausschreitungen. Nach Medienberichten schändeten arabische Einwohner eine Synagoge und setzten sie in Brand. Außerdem seien Dutzende Autos in Brand gesetzt und Fenster von Geschäften eingeworfen worden. Der Bürgermeister von Lod sprach im Fernsehen von einem "Bürgerkrieg" in der Stadt und forderte eine sofortige Ausgangssperre. Um für Ruhe zu sorgen, wurden zahlreiche weitere Polizeitruppen in die Stadt geschickt. Auch in den arabisch geprägten Orten Akko im Norden des Landes und in Jaffa bei Tel Aviv kam es zu schweren Zusammenstößen.

Quelle: MDR/dpa

Dieses Thema im Programm: 12. Mai 2021 | 08:00 Uhr

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