US-Geheimdienste Saudi-Kronprinz soll Khashoggi-Operation genehmigt haben

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman soll die Operation, die 2018 zur Ergreifung und Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi führte, genehmigt haben. Zu dieser Einschätzung kommt ein US-Geheimdienstbericht, der von Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines veröffentlicht wurde. Saudi-Arabien hat den Bericht "komplett" zurückgewiesen.

Video-Bild aus Überwachungskamera zeigt Ankunft von Jamal Khashoggi im Konsulat von Saudi-Arabien
Das Video-Bild aus einer Überwachungskamera zeigt Khashoggis Ankunft im saudischen Konsulat in Istanbul 2018. Bildrechte: imago/Depo Photos

Die US-Geheimdienste machen den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman für die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi verantwortlich. Laut einem von Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines am Freitag in Washington veröffentlichten Bericht "genehmigte" Bin Salman die Operation zur Ergreifung und Tötung des saudi-arabischen Regierungskritikers im Oktober 2018 in Istanbul.

Unserer Einschätzung zufolge genehmigte der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman einen Einsatz in Istanbul, Türkei, um den saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi zu ergreifen oder zu töten.

Von US-Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines veröffentlichter Geheimdienstbericht

Einsatz ohne Genehmigung des Kronprinzen unwahrscheinlich

In dem teilweise geschwärzten US-Geheimdienstbericht heißt es : "Seit 2017 hat der Kronprinz die absolute Kontrolle über die Sicherheits- und Geheimdienstorganisationen des Königreichs. Das macht es höchst unwahrscheinlich, dass saudi-arabische Vertreter einen solchen Einsatz ohne die Genehmigung des Kronprinzen ausgeführt hätten." Der Kronprinz habe Khashoggi als Bedrohung für das Königreich angesehen und gewaltsame Mittel unterstützt, um ihn zum Schweigen zu bringen. Unklar sei aber, inwieweit saudi-arabische Vertreter im Voraus geplant hätten, dem regierungskritischen Journalisten Gewalt anzutun.

US-Einreisebeschränkungen gegen 76 Saudis

An dem Einsatz gegen Khashoggi sollen dem US-Bericht zufolge auch Mohammed bin Salmans enger Berater Saud al-Kahtani und sieben Angehörige der Leibgarde des Kronprinzen, der sogenannten Schnellen Eingreiftruppe, beteiligt gewesen sein.

Nach der Veröffentlichung des US-Geheimdienstberichts hat das US-Außenministerium Einreisebeschränkungen gegen 76 Bürger Saudi-Arabiens verhängt. Von ihnen werde angenommen, "dass sie an der Bedrohung von Dissidenten im Ausland" wie Khashoggi beteiligt gewesen seien, teilte US-Außenminister Antony Blinken am Freitag mit.

Riad weist US-Bericht "komplett" zurück

Saudi-Arabien hat den US-Geheimdienstbericht unterdessen "komplett" zurückgewiesen. Die Einschätzungen der US-Geheimdienste, welche die saudi-arabische Führung beträfen, seien "falsch und inakzeptabel", teilte das Außenministerium in Riad am späten Freitagabend mit. Es sei bedauerlich, dass der US-Bericht mit seinen "ungerechtfertigten und unrichtigen Schlussfolgerungen" veröffentlicht worden sei, "während das Königreich dieses abscheuliche Verbrechen klar verurteilt" und man die notwendigen Schritte unternommen habe, "um sicherzustellen, dass eine solche Tragödie nie wieder stattfinden kann".

Von 15-köpfigem Spezialkommando getötet

Donald Trump mit Prinz Mohammed bin Salman
Prinz Mohammed bin Salman (links) mit US-Prädident Donald Trump im Jahr 2018. Bildrechte: IMAGO

Khashoggi war am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul von einem 15-köpfigen Spezialkommando aus Riad getötet worden. Seine Leiche wurde zerstückelt und beseitigt. Der gegenüber der saudischen Regierung kritische Journalist, der der islamistischen Muslimbruderschaft nahe stand, lebte im Exil in den USA und schrieb für die "Washington Post". Er wollte im saudischen Konsulat Unterlagen für seine Heirat mit seiner türkischen Freundin abholen.

Verwicklung des Kronprinzen stets zurückgewiesen

Nach Khashoggis Verschwinden erklärte Saudi-Arabien auf internationalen Druck hin nach wochenlangen Dementis, dass der regierungskritische Journalist "bei einem missglückten Einsatz zu seiner Festnahme" getötet worden sei. Eine Verwicklung des Kronprinzen wies das Königreich aber entschieden zurück. Die US-Geheimdienste waren schon kurz nach Khashoggis Ermordung zu dem Schluss gekommen, dass Mohammed bin Salman vermutlich hinter der Gewalttat steckt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Februar 2021 | 20:30 Uhr

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