Abschlusserklärung Weltklimakonferenz: Staaten sollen Kohleausstieg einleiten

Das 1,5 Grad-Ziel ist bekräftigt, arme Staaten sollen Klimahilfen erhalten und erstmals ist die weltweite Abkehr von der Kohle beschlossen, wenn auch mit Abstrichen. Das sind die Beschlüsse der Weltklimakonferenz in Glasgow.

Glasgow, Scotland
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Beim Weltklimagipfel in Glasgow haben sich die Vertreterinnen und Vertreter von fast 200 Staaten auf eine gemeinsame Abschlusserklärung verständigt. Das Dokument formuliert deutlicher als das Pariser Klimaabkommen das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dazu soll der Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 um 45 Prozent im Vergleich zu 2010 gedrosselt werden.

Die Staaten werden aufgefordert, bereits 2022 neue nationale Klimaziele für 2030 auf den Tisch zu legen, drei Jahre früher als geplant.

Einigung auf Kohleausstieg - allerdings abgeschwächt

Erstmals werden die Staaten dazu aufgefordert, den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten. Zudem wird gefordert, "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Die Formulierung wurde allerdings in letzter Minute auf Druck von China und Indien abgeschwächt.

Sie war bereits in den vergangenen Tagen schrittweise verwässert worden und betrifft jetzt nur noch Kohle, bei der nicht mithilfe von CCS-Technologie CO2 gebunden werden kann.

Zugesagt werden mehr Finanzhilfen für arme Länder, damit diese sich an die Folgen der Klimakrise anpassen können. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 verdoppelt werden, also von aktuell etwa 20 auf rund 40 Milliarden US-Dollar.

Solidarischer Geldtopf gegen Klimakatastrophen

Erstmals wird die Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen Geldtopf für Hilfen bei Schäden und Verlusten einzurichten. Gemeint sind etwa Zerstörungen oder erzwungene Umsiedlungen nach Dürren, Sturmfluten oder Wirbelstürmen.

Wissenschaftlichen Modellierungen zufolge führt bereits ein Überschreiten des 1,5 Grad-Ziels zu einem deutlichen Anstieg des Meeresspiegels und zu katastrophalen Wetterextremen. Aktuelleren Berechnungen zufolge sind aber ohne drastische Gegenmaßnahmen deutlich höhere Temperaturanstiege zu erwarten. Jüngere Generationen von heute dürften demnach teils mehr als 2,5 Grad Erderwärmung erleben.

Guterres: Klimakatastrophe steht weiter vor der Tür

Die Beschlüsse stießen unmittelbar auf geteiltes Echo. Die geschäftsführende Bundesumweltministerin Svenja Schulze sprach von einem "historischen Moment". Es sei "etwas wirklich Weltbewegendes gelungen", sagte die SPD-Politikerin. Jetzt gehe es darum, regenerative Energien auszubauen, Moore wieder zu vernässen und Wälder wieder zu regenerieren. "Glasgow bringt eine deutliche Beschleunigung für den Klimaschutz, und mehr Tempo ist auch erforderlich", erklärte Schulze.

Auch EU-Kommissar Franz Timmermanns würdigte die Forderung zum Kohleausstieg als "historisch". Dennoch zeigte er sich enttäuscht über die Abschwächung im Beschluss.

Deutlich pessimistischer reagierte UN-Generalsekretär António Guterres auf die Einigung. Die erzielten Fortschritte seien nicht genug und voller Widersprüche. "Die Klimakatastrophe steht weiter vor der Tür." Klimaaktivistin Greta Thunberg drückte ihren Unmut über die Ergebnisse des Klimagipfels deutlicher aus: "Die COP26 ist vorbei. Hier ist eine kurze Zusammenfassung: Blah, blah, blah. Aber die echte Arbeit geht außerhalb der Hallen weiter. Wir werden niemals aufgeben, niemals", schrieb Thunberg auf Twitter.

Quelle: MDR, dpa, AFP, Reuters, epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. November 2021 | 21:00 Uhr

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