Belarus-Präsident Geheimdienste: Anschlag auf Lukaschenko vereitelt

Russische und belarussische Geheimdienste haben ihren Angaben zufolge einen Anschlag auf Belarus-Präsident Lukaschenko vereitelt. Dieser selbst sprach von einem vereitelten "Putschversuch", bei dem auch seine Familie getötet werden sollte. Zwei Oppositionelle wurden in Moskau festgenommen, von denen einer auch US-Bürger sein soll. Oppositionsführerin Tichanowskaja bezeichnete die Vorfälle als "Provokation".

Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, nimmt während der andauernden Proteste der Demokratiebewegung an einem Treffen mit dem nationalen Sicherheitsrat teil.
Nach russischen und belarussischen Angaben wurde ein Anschlag auf Belarus-Präsident Lukaschenko vereitelt. Bildrechte: dpa

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat nach eigenen Angaben einen Putschversuch vereitelt, bei dem er und seine Familie umgebracht werden sollten. In einem vom Präsidialamt in Minsk verbreiteten Video machte Lukaschenko ausländische Geheimdienste, "wahrscheinlich die CIA und den FBI" aus den USA, dafür verantwortlich.

"Bewaffneter Aufstand vorbereitet"

Die belarussischen Geheimdienste hatten zuvor mitgeteilt, sie hätten bei einem "Sondereinsatz" eine "Gruppe mit terroristischer Ausrichtung" zerschlagen, die mit "gewalttätigen Mitteln die Macht ergreifen" wollte. Der Chef des belarussischen Geheimdienstes KGB, Iwan Tertel, sagte in einem Video, es sei ein bewaffneter Aufstand vorbereitet worden, bei dem die Führung hätte gestürzt, der Präsident, seine Familie und hochrangige Beamte hätten getötet werden sollen. Zudem sollten wichtige Gebäude in der ehemaligen Sowjetrepublik besetzt werden.

Zwei Festnahmen in Moskau

Der russische Präsident Wladimir Putin und Belarus Präsident Alexander Lukashenko geben sich die Hand. Putin hatte ihn für den 24. Juni 2020 nach Moskau zur Siegesparade eingeladen
Russlands Präsident Putin (links) ist Lukaschenkos wichtigster Verbündeter (Archivbild). Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Bereits am späten Freitagabend hatte der russische Inlandsgeheimdienstes FSB mitgeteilt, dass man einen Anschlag auf Präsident Lukaschenko verhindert habe. Laut FSB wurden in Zusammenarbeit mit den belarussischen Behörden in Moskau zwei Männer festgenommen. Einer der Oppositionellen habe auch die US-Staatsbürgerschaft.

Nach Angaben des belarussischen KGB handelt es sich bei den festgenommenen Belarussen um den Politikwissenschaftler Alexander Feduto und der Anwalt Juri Senkowitsch, der auch die US-Staatsbürgerschaft hat.

Oppositionsführerin spricht von "Provokationen"

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja erklärte aus ihrem Exil in Litauen, bei den von den belarussischen Behörden gemeldeten Vorfällen handle es sich um eine "Provokation der russischen und belarussischen Sicherheitskräfte", in die auch Bürger von Belarus und aus den USA verwickelt worden seien.

Lukaschenko hatte der Opposition in seinem Land immer wieder vorgeworfen, einen gewaltsamen Umsturz zu planen. Mit Blick auf die andauernden Massenproteste gegen seine Person hatte er auch gesagt, es sei eine Revolution wie im Nachbarland Ukraine verhindert worden.

Massenproteste nach umstrittener Präsidentenwahl

Nach der aus Sicht der Opposition und der EU gefälschten Präsidentenwahl am 9. August des vergangenen Jahres hatten zeitweise Hunderttausende Menschen in Belarus den Rücktritt Lukaschenkos und Neuwahlen gefordert. Im Zuge der Proteste waren auch Menschen getötet und hunderte zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Lukaschenko war 2020 mit 80,1 Prozent der Stimmen offiziell zum Wahlsieger erklärt worden. Die EU erkannte die Wahl jedoch nicht an und verhängte Sanktionen gegen Minsk. Russland hingegen ist nach wie vor Lukaschenkos wichtigster Verbündeter.

Belarusische Flagge
Das Symbol der Revolution - die Flagge der Unabhängigkeit von 1917 und des post-sowjetischen Belarus - bis Lukschenko sie Mitte der 1990er Jahre abschaffen ließ. Bildrechte: IMAGO / Ukrinform

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. April 2021 | 06:30 Uhr

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Rechte: CCTV

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