Grenze überrannt Tausende Migranten erreichen spanische Exklaven Ceuta und Melilla

Tausende Migranten haben am Montag und Dienstag die beiden spanischen Territorien Ceuta und Melilla in Afrika erreicht. Marokkanische Sicherheitskräfte ließen sie anscheinend durch. Hintergrund könnte ein diplomatischer Streit zwischen Madrid und Rabat wegen des Westsahara-Konflikts sein.

Migranten schwimmen von der marokkanischen Stadt Fnideq aus die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta.
Migranten erreichen von Marokko kommend die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta. Bildrechte: dpa

Eine Rekordzahl von etwa 6.000 Migranten hat seit Montag von Marokko aus die spanische Afrika-Exklave Ceuta erreicht. Die Menschen kamen von marokkanischen Stränden südlich von Ceuta und erreichten spanisches Territorium schwimmend, in kleinen Schlauchbooten oder bei Ebbe auch zu Fuß. Andere schafften es über die Befestigungen an der Landgrenze auch in die zweite spanische Exklave Melilla.

Nach Angaben spanischer Behörden ließen marokkanischen Sicherheitskräfte die Leute offenbar passieren. Demnach kamen innerhalb eines Tages noch nie so viele Migranten auf dem spanischen Territorium an der nordafrikanischen Küste an wie jetzt. Unter ihnen waren den Angaben zufolge auch rund 1.000 Minderjährige.

Hoffnung auf besseres Leben 

Migranten nach der Erstürmung der Exklave Ceuta Spanien Marokko
Migranten nach der Erstürmung der Exklave Ceuta im Sommer 2018 Bildrechte: IMAGO

Ceuta und Melilla haben die einzigen Landgrenzen der EU mit Afrika. Sie sind deshalb regelmäßig das Ziel von Menschen aus Afrika, die in Europa auf ein besseres Leben hoffen.

Die Migranten wurden in ein Auffanglager gebracht und nach Angaben des spanischen Innenministers Fernando Grande-Marlaska 1.500 bereits wieder zurück nach Marokko geschickt. Er kündigte die Stationierung zusätzlicher Polizisten zur Absicherung der Grenze an. Regierungschef Pedro Sánchez sagte eine für Dienstag geplante Reise zu einer Afrika-Hilfskonferenz in Paris ab. Aus Marokko gab es noch keine Reaktion.

Möglicher Hintergrund: Der Westsahara-Konflikt

Normalerweise kooperieren Marokko und Spanien gegen illegale Einwanderung. Die Beziehungen sind aber angespannt, weil Spanien dem an Covid-19 erkrankten Führer der in der Westsahara aktiven Widerstandsbewegung Frente Polisario im April eine Behandlung in einem Krankenhaus in Madrid gewährt hatte.

Spaniens Außenministerin Arancha González Laya sagte am Montag zwar, dass marokkanische Regierungsvertreter ihr versichert hätten, die jüngsten Ereignisse in Ceuta hätten nichts mit der Aufnahme von Brahim Ghali in Spanien zu tun. Dabei habe es sich nur um eine humanitäre Geste gehandelt. Eine andere Erklärung für die plötzliche Durchlässigkeit der marokkanischen Grenze blieb bisher aber aus.

Der Konflikt um die westliche Sahara hatte zuletzt auch zu Spannungen zwischen Deutschland und Marokko geführt. Marokko rief Anfang Mai seine Botschafterin in Deutschland zu Konsultationen zurück, wegen "feindlicher Aktionen" Deutschlands: Als im Dezember 2020 der damalige US-Präsident Donald Trump die Souveränität von Marokko über die Westsahara anerkannte, hatte Berlin das kritisiert.

Das an der Atlantikküste gelegene Gebiet war bis 1975 spanische Kolonie und wurde dann von Marokko besetzt. Die Frente Polisario, die dagegen kämpft, rief 1976 mit Unterstützung von Algerien und Libyen die Demokratische Arabische Republik Sahara aus. Marokko will begrenzte Autonomie gewähren, die Polisario aber ein Unabhängigkeitsreferendum, wie es ein UNO-Friedensplan vorsieht.

Quellen: AFP, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Mai 2021 | 06:00 Uhr

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