Russland Nawalny: "Komme zurück, heißt mich willkommen!"

Seit Ende August 2020 befindet sich Alexej Nawalny in Deutschland. Nach seiner Vergiftung mit dem chemischen Kampfstoff "Novitschok" auf einer politischen Reise nach Sibirien, ist er auf Wunsch seiner Frau mit einem Spezialflugzeug aus Omsk in die Berliner Charité ausgeflogen worden. Nun hat der Oppositionelle in einem Instagram-Post seine Rückkehr nach Russland angekündigt.

Dieses Foto, das der russische Oppositionsführer am Mittwoch, 23. September 2020 auf seinem Instagram-Account veröffentlicht hat, zeigt Alexej Nawalny auf einer Parkbank sitzen.
Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny im Oktober 2020 in Berlin, kurz nachdem er aus dem Koma erwacht ist. Bildrechte: dpa

"Die Frage, ob ich zurückkehren soll oder nicht, hat sich mir nie gestellt. Einfach deswegen, weil ich nie weggefahren bin. Ich bin nach Deutschland in einer Reanimations-Box gebracht worden, und das aus einem einzigen Grund: Man hat versucht, mich zu töten", schrieb Alexej Nawalny heute Morgen auf Instagram. Mittlerweile fühle er sich jedoch fit genug, so der Politiker weiter, wieder nach Moskau zurückzukehren und seine Reha-Maßnahmen dort zu beenden. Also habe er spontan ein Ticket der russischen Airline "Pobeda" nach Moskau gekauft. Für den kommenden Sonntag, 17. Januar.

Nervengift nachgewiesen

Nawalny war am 20. August 2020 während eines Fluges von Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Nur der schnellen Reaktion des Piloten, der auf dem nächsten Flughafen in Omsk landete sowie der Professionalität der Rettungssanitäter ist es zu verdanken, dass Nawalny am Leben blieb. Sein Umfeld vermutete sofort eine Vergiftung. Die Ärzte in Omsk jedoch beteuerten stets, dass sie kein Gift hätten finden können. Erst als Nawalny zur Behandlung nach Deutschland ausgeflogen wurde, konnten an ihm Spuren des chemischen Kampfstoffs Nowitschok festgestellt werden. Die erste Analyse deutscher Spezialisten wurde später von drei unabhängigen Labors in Europa bestätigt.

Youtubevideo: Nawalny spricht telefonisch mit russischem Geheimdienstmitarbeiter
In einer gemeinsamen Untersuchung mit der Recherchgruppe Belingcat konnte Nawalny seine mutmaßlichen Vergifter identifizieren und am 21. Dezember 2020 sogar mit einem von ihnen telefonieren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Kreml und der russische Präsident Wladimir Putin persönlich haben stets bestritten, etwas mit dem Anschlag auf Nawalny zu tun zu haben. Eine unabhängige Untersuchung der Recherchegruppe Belingcat hat jedoch ergeben, dass Nawalny auf seinen Reisen durch Russland systematisch vom Inlandsgeheimdienst FSB beschattet und mutmaßlich von dessen Agenten in Omsker Hotelzimmer vergiftet wurde.

Ambivalente Reaktion

Die Reaktion auf die Rückkehr Nawalnys dürfte in Russland indessen ambivalent ausfallen. Während ihn seine Anhänger in sozialen Medien unterstützen und sich auf seine Rückkehr freuen, reagiert der Kreml gereizt. Erst gestern haben Moskauer Justizbehörden wieder gefordert, Nawalnys Bewährungsstrafe, zu der er 2014 wegen eines angeblichen Finanzbetrugs verurteilt wurde und die am 30. Dezember 2020 abgelaufen war, in eine reale Haftstrafe umzuwandeln.

Als Grund geben die Behörden an, Nawalny sei am 28. Dezember nicht bei seiner Bewährungsstelle erschienen. Außerdem wird Nawalny seit Kurzem vorgeworfen, er habe Spendengelder an seinen Antikorruptionsfonds für persönliche Zwecke veruntreut. Der Oppositionspolitiker bezeichnete die Vorwürfe als grund- und haltlos. Sie würden nur dem Zweck dienen, ihn an einer Rückkehr nach Russland zu hindern.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Januar 2021 | 12:00 Uhr

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