Messe in Mossul Papst Franziskus predigt im Irak "Geschwisterlichkeit"

Papst Franziskus hat am dritten Tag seiner Irak-Reise im sunnitischen Mossul die Gewalt der IS-Terrormilizen beklagt. Gott sei der des Lebens, sagte er. Deshalb sei es nicht erlaubt, Menschen in seinem Namen zu töten. Zuvor hatte sich das Oberhaupt der katholischen Kirche auch mit dem höchsten schiitischen Geistlichen im Land getroffen. Nach der Messe in Mossul im Norden des Iraks gab es eine zweite im nahe gelegenen kurdischen Erbil, wohin viele Christen vor dem IS geflohen waren.

Papst Franziskus nimmt auf dem Hosh al-Bieaa Kirchenplatz zwischen von Granaten zerstörten Gebäuden an einem Gebet für die Opfer des Krieges teil
Franziskus in Mossul vor einer zerschossene Kirche: Die christliche Gemeinde im Irak ist in den vergangenen Jahren von rund 1,5 Millionen auf etwa 300.000 Menschen geschrumpft. Viele sind vor dem "Islamischen Staat" geflohen, nicht wenige getötet worden. Bildrechte: dpa

Papst Franziskus hat im Irak an die Opfer der Terrormiliz IS erinnert und Gewalt im Namen der Religion abgelehnt. Vor einer Kirchenruine in der einstigen Terroristen-Hochburg Mossul im Norden des Landes betete er für die Opfer und sagte, Gott sei der Gott des Lebens. Deshalb sei es nicht erlaubt, in seinem Namen zu töten.

Der Besuch in Mossul war von großer symbolischer Bedeutung. Die Stadt in der Ninive-Ebene war 2014 vom IS überrannt worden und zeitweise die Hauptsatdt ihres "Kalifats". Im Jahr 2016 wurde sie unter großen Zerstörungen vom IS befreit.

Barham Salih (l), Präsident des Irak, begrüߟt Papst Franziskus im Präsidentenpalast.
Iraks Präsident Barham Salih mit Papst Franziskus in Bagdad am Freitag. Bildrechte: dpa

Am Sonntagmorgen war der Papst in Erbil, in der Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan, von deren Präsident Nechirvan Barsani und Regierungschef Masrur Barsani begrüßt worden. Von dort war er in das nur 40 Kilometer entfernt liegende Mossul geflogen.

Auch dort hatte er das Modell "Geschwisterlichkeit" vorgeschlagen und den von Spaltungen geprägten Irak zu Zusammenhalt in Vielfalt ermutigt, um damit zu einem Beispiel im Nahen Osten zu werden. Am Nachmittag kehrte er zu einer Messe im Fußballstadion von Erbil in die Kurden-Region zurück, dem Schlusspunkt seiner viertägigen Irak-Reise. Am Montag geht es wieder nach Rom.

In Erbil scharten sich trotz Ausgangssperre viele Menschen meist ohne Maske an Straßenrändern und im Stadion um den Papst, um ihn zu berühren und ihm die Hand zu küssen. Der 84 Jahre alte Franziskus ist gegen das Coronavius geimpft.

Erbil war für viele Christen zum Zufluchtsort gewoden, als der IS im Nordirak immer mehr Städte einnahm. Mit Hilfe einer Allianz aus kurdischen Kämpfern und den USA hatte Erbil damals aber standhalten können.

Gebete für "Geschwisterlichkeit" im Nahen Osten

Am Sonnabend, am zweiten Tag seiner Irak-Reise, hatte Franziskus den höchsten schiitischen Geistlichen des Landes getroffen. Der 90 Jahre alte Ayatollah Al-Sistani empfing den Papst in seinem kleinen Haus in einer Gasse in Nadschaf. Er sieht – anders als die schiitischen Geistlichen im Iran – die Rolle von Religion als orientierende Stimme in einem zivilen und pluralen Staat. Eine gemeinsame Botschaft blieb aber aus.

Papst Franziskus (M) nimmt an einem interreligiösen Gebet in Ur teil.
Franziskus beim interreligiösen Gebet in Ur - nur Juden waren nicht dabei. Bildrechte: dpa

Nach dem Treffen hatte Franziskus die Ebene von Ur besucht. Die antike Stadt gilt als Geburtsort von Abraham, den die Juden, die Christen und die Muslime als Stammvater verehren. Dort betete der Papst bei einem interreligiösen Treffen für "Frieden und Geschwisterlichkeit" im Nahen Osten und verurteilte religiösen Extremismus.

Der irakische Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi hatte die künftigen Jahrestage des Papst-Besuchs am 6. März als nationalen "Tag der Toleranz und des Zusammenlebens" ausgerufen. Staatspräsident Barham Salih betonte bei einem Treffen, die Christen seien "angestammte Bewohner dieses Landes".

Monatelange, in Gewalt eskalierende Proteste gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und die Einmischung fremder Kräfte hatten im Frühjahr 2020 in Bagdad zur Errichtung der aktuellen Übergangsregierung geführt. Im Oktober sollen Neuwahlen stattfinden.

Christen sind Minderheit

Kinder stehen zwischen von Granaten zerstörten Gebäuden und winken in ihrer festlichen Kleidung mit irakischen Fahnen
Kinder stehen zwischen zerstörten Gebäuden begrüßen den Papst. Bildrechte: dpa

Christen bilden im Irak eine kleine Minderheit, für die sich Franziskus bei seinem Besuch einsetzte. Rund 97 Prozent der Iraker sind Muslime, wobei Schiiten mit 60 Prozent stärker vertreten sind als die Sunniten mit 37 Prozent. Ansonsten bilden Schiiten die weltweit zweitgrößten Strömung im Islam.

Nur drei Prozent der irakischen Bevölkerung gehören anderen Religionen an: Christen, Jesiden und Aleviten. Die jüdische Gemeinde zählt nur noch wenige Personen in Bagdad und einige Familien im Norden. Als eigenständige Minderheit können sie kaum mehr gelten.

Der Besuch von Franziskus war der erste eines Oberhaupts der katholischen Kirche überhaupt im Irak und die erste Auslandsreise des Papstes seit Beginn der Coronavirus-Pandemie. Lange war offen, ob sie wegen steigender Infektionszahlen und Attentaten im Irak überhaupt stattfindet. So gab es auch bei bisher keiner Reise von Franziskus so hohe Sicherheitsvorkehrungen. Militär sicherte seine Fahrten in gepanzerten Autos. Für die Ausgangssperren hatte die Regierung allerdings die Pandemie als Grund genannt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. März 2021 | 12:30 Uhr

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