Jahrespressekonferenz in Moskau Putin sieht Deutschland als Ursache für Preisanstieg bei Gas

Russlands Präsident Putin sieht Deutschland als einen Verursacher des Preisanstiegs bei Gas. Statt das aus Russland ankommende billige Gas nach Europa weiterzuleiten, pumpe es dieses nach Polen und in die Ukraine zurück. Zudem hätten deutsche und französische Unternehmen nicht mehr Gas bestellt, als das was bislang vertragsgerecht geliefert wurde.

Wladimir Putin, Präsident von Russland, gestikuliert während seiner jährlichen Pressekonferenz
Putin: "Gazprom liefert alle Mengen, die unter bestehenden Verträgen
angefordert wurden."
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Der russische Präsident Wladimir Putin hat Deutschland als Verursacher steigender Gaspreise in Europa ausgemacht. Der Kreml-Chef sagte bei seiner Jahrespressekonferenz in Moskau, der russische Staatskonzern Gazprom liefere derzeit nicht über die Jamal-Pipeline, weil deutsche und französische Unternehmen keine Bestellungen aufgegeben hätten. Europa habe sich die Gas-Probleme selbst eingebrockt und sollte diese nun selbst lösen.

Putin bekräftigte Liefertreue

Putin unterstrich, dass Gazprom aktuell alle Mengen liefere, die unter bestehenden Verträgen angefordert wurden. Dies wurde so auch durch die Gazprom-Kunden RWE und Uniper bestätigt. "Wir liefern Gas an Deutschland unter langfristigen Verträgen, und der Preis ist drei bis vier, sogar sechs bis sieben Mal billiger als am Spotmarkt", sagte der russische Präsident.

Gas für Polen und die Ukraine

Putin hielt Deutschland in dem Zusammenhang vor, die niedrigeren Preisen aus den langfristigen Lieferverträgen zu nutzen, um das Gas mit Gewinn an seine Nachbarländer zu verkaufen. Eine Milliarde Kubikmeter könne so eine Milliarde Dollar einbringen.

Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich dazu nicht. Experten bestätigten aber, dass in Deutschland ankommendes russisches Gas zurück nach Polen gepumpt wird, weil polnische Kunden entsprechende Verträge mit deutschen Händlern haben. Putin fragte in dem Zusammenhang, ob es nicht besser wäre, das Gas lieber nach Europa weiter zu liefern und so den Spotpreis für Gas zu beeinflussen?

Gasexporte nach Europa gestiegen

Der Kreml-Chef rechnete vor: Gazprom habe von Januar bis November sieben Prozent mehr als im Vorjahr nach Europa exportiert. Aus Deutschland seien 5,6 Milliarden Kubikmeter mehr gekauft worden. Das werde an Polen verkauft, und davon landeten jeden Tag drei Millionen Kubikmeter in der Ukraine.

Die Gaslieferungen über die durch Belarus und Polen laufende Jamal-Pipeline sind in dieser Woche zum zweiten Mal seit November versiegt. Zwar verbilligte sich der Gaspreis mittlerweile wirder, nachdem er in den Tagen zuvor aufgrund des Lieferstopps auf ein Rekordhoch gestiegen war. Der Preis ist aber noch immer sieben Mal so hoch wie zu Jahresbeginn.

Quelle: MDR/Reuters/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Dezember 2021 | 14:00 Uhr

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