Reaktionen auf Wahl in Frankreich Aufatmen in Europa

Europas Spitzenpolitiker gratulieren dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zur Wiederwahl. Viele europäische Staats- und Regierungschefs reagierten mit Erleichterung auf das Ergebnis – auch wenn der Abstand der beiden Kandidaten deutlich knapper als vor fünf Jahren ist.

Eine Multimediatafel zeigt President Macron in Paris
Frankreichs Präsident Macron trat am Abend vor dem Eiffelturm vor seine Anhänger. Viele ausländische Politiker reagierten mit Erleichterung auf die Wiederwahl. Bildrechte: IMAGO/Le Pictorium

Nach der Wiederwahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hat die EU-Spitze gratuliert. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, sie freue sich auf die Fortsetzung der "ausgezeichneten Zusammenarbeit" mit Macron. "Gemeinsam werden wir Frankreich und Europa voranbringen", betonte sie.

EU-Ratspräsident Charles Michel schrieb auf Twitter, in diesen stürmischen Zeiten brauche man ein starkes Europa und ein Frankreich, das sich voll und ganz für eine souveränere und strategischere Europäische Union einsetze. Die EU könne nun fünf weitere Jahre auf Frankreich zählen.

Erleichterung in Deutschland

Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte, Macrons Wählerinnen und Wähler hätten auch ein starkes Bekenntnis zu Europa gesendet. Er freue sich auf eine weitere gute Zusammenarbeit. In einem ungewöhnlichen Schritt hatte Scholz am Donnerstag gemeinsam mit den Regierungschefs Spaniens und Portugals die Franzosen zur Wiederwahl Macrons aufgerufen.

Am Abend rief Scholz dann Macron an und gratulierte ihm nach Angaben der Bundesregierung "als erster ausländischer Regierungschef persönlich" zu seinem Wahlsieg.

Auch FDP-Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner gratulierte Macron und zeigte sich erleichtert über das Wahlergebnis: "Es ging um grundsätzliche Wertefragen. Entschieden haben sich die Französinnen und Franzosen für Macron. Damit ist das vereinte Europa die größte Gewinnerin dieser Wahl."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb an Macron: "Ihre Wiederwahl ist auch für uns Deutsche eine gute Nachricht." Macron habe Kurs gehalten und sei einer zunehmend komplexen wirtschaftlichen und internationalen Lage nicht mit vermeintlich einfachen Antworten begegnet. "Damit haben Sie der Demokratie in Frankreich und in Europa einen großen Dienst erwiesen", schrieb Steinmeier.

CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich ebenfalls erleichtert. Er twitterte, auch Europa habe gewonnen. Jetzt sei ein neuer Anlauf für deutsch-französische Zusammenarbeit möglich und nötig.

Die AfD gratulierte der unterlegenen Kandidatin Le Pen. Parteichef Tino Chrupalla sagte: "Ich gratuliere unserer Partnerin Marine Le Pen zu ihrem starken Ergebnis." Macron habe nur einen "Scheinsieg errungen". Chrupalla betonte, Ungarns Regierungschef "Victor Orban und Marine Le Pen stoßen in ihren Ländern auf enorme Zustimmung". "Gemeinsam werden wir den Kontinent Europa verändern", fügte er hinzu.

Erleichterung bei europäischen Regierungschefs

Unterdessen wurde das Ergebnis auch in zahlreichen anderen europäischen Hauptstädten mit Erleichterung aufgenommen. Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi erklärte, Macrons Sieg sei eine "großartige Nachricht für ganz Europa".

Der belgische Regierungschef Alexander De Croo twitterte, die Franzosen hätten sich mit Macron "für die Werte der Aufklärung" entschieden. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sprach von "einem wichtigen Sieg für Frankreich, für Europa, für die Demokratie".

Der britische Premierminister Boris Johnson bezeichnete Frankreich als engen Partner seines Landes. "Ich gratuliere zur Wiederwahl als Präsident Frankreichs, Emmanuel Macron", schrieb Johnson am Sonntagabend auf Twitter und hängte seine Glückwünsche auch in französischer Sprache an.

USA kündigen engere Zusammenarbeit an

Auch die US-Regierung hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zur Wiederwahl gratuliert und eine enge Zusammenarbeit versprochen. "Ich freue mich darauf, unsere enge Zusammenarbeit fortzusetzen – insbesondere bei der Unterstützung der Ukraine, der Verteidigung der Demokratie und der Bekämpfung des Klimawandels", erklärte US-Präsident Joe Biden und bezeichnete Frankreich als "Schlüsselpartner".

Joe Biden
US-Präsident Biden hat Macron zur Wiederwahl gratuliert und will mit ihm "die Demokratie verteidigen". Bildrechte: IMAGO/UPI Photo

Biden und Macron waren in den vergangenen Monaten allerdings nicht immer einer Meinung. So hatte die Entscheidung Australiens, Atom-U-Boote aus den USA zu beziehen und dafür einen Liefervertrag mit Paris aufzukündigen, die Beziehungen mit Washington schwer belastet.

Erste Wiederwahl seit 20 Jahren

Amtsinhaber Emmanuel Macron konnte sich am Sonntag in der Stichwahl um das Amt des französischen Präsidenten durchsetzen. Der liberale Politiker lag laut Hochrechnungen deutlich vor der rechtsnationale EU-Kritikerin Marine Le Pen.

Es ist das erste Mal seit der Wiederwahl des Konservativen Jacques Chirac 2002, dass ein französischer Präsident im Amt bestätigt wurde. Chiracs Nachfolger Nicolas Sarkozy und François Hollande waren nur für eine Amtszeit gewählt worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. April 2022 | 23:00 Uhr

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