Sipri-Bericht Weltweite Militärausgaben erstmals über zwei Billionen US-Dollar

Die weltweiten Militärausgaben sind laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri im vergangenen Jahr erstmals über die Marke von zwei Billionen US-Dollar gestiegen. Am meisten für Verteidigung gaben dem Bericht zufolge die USA aus, gefolgt von China. Deutschland lag auf Platz sieben, allerdings noch ohne das angekündigte Sondervermögen für die Bundeswehr.

Ein Soldat steht auf einem Panzer.
Nato-Militärübung im slowakischen Lest. Die Rüstungsausgaben sind 2021 laut dem schwedischen Friedensfoschungsinstitut SIPRI auf ein Rekordniveau gestiegen. Bildrechte: dpa

Die weltweiten Ausgaben für Rüstung sind stark angestiegen und haben 2021 die Grenze von zwei Billionen US-Dollar überschritten. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri mitteilte, betrugen die Militär-Ausgaben der Staaten im vergangenen Jahr 2,1 Billionen Dollar. "Das ist der höchste Wert, den wir je hatten", sagte der SIPRI-Aufrüstungsexperte Diego Lopes da Silva. Die weltweiten Aufwendungen für Rüstung stiegen damit im siebten Jahr in Folge, inflationsbereinigt um 0,7 Prozent.

USA bei Rüstungsausgaben an der Spitze

An der Spitze bei den Ausgaben stehen die USA, die rund 800 Milliarden US-Dollar in Verteidigung investierten. Der Anteil der Vereinigten Staaten an den weltweiten Militärausgaben betrug damit rund 38 Prozent. Die USA geben etwa so viel für Rüstung aus wie die folgenden zehn Länder zusammen. Gleichzeitig sank der Anteil der USA an den globalen Rüstungsausgaben im Vergleich zum Vorjahr leicht um einen Prozentpunkt, denn Staaten wie China und Indien steigern ihren Anteil seit Jahren.

China steht dabei an zweiter Stelle. Es investierte 293 Milliarden Dollar in Rüstung und kommt damit auf einen Anteil von 14 Prozent. Die Militärausgaben Russlands stiegen um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – auf 65,9 Milliarden Dollar (60,9 Milliarden Euro). Die Verteidigungsausgaben machten 4,1 Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus, was "viel höher als der Weltdurchschnitt" sei, betonte Lopes da Silva.

Die Militärausgaben der Ukraine sind seit der Annexion der Krim 2014 um 72 Prozent gestiegen. Im Jahr 2021 gingen die Ausgaben zwar um über acht Prozent auf 5,6 Milliarden Euro zurück, machten aber immer noch 3,2 Prozent des ukrainischen BIP aus. 

Deutsche Ausgaben dürften steigen

Deutschland investierte 2021 rund 56 Milliarden Dollar in Militärausgaben und lag damit auf Rang sieben. Allerdings dürften Deutschlands Militärausgaben ab diesem Jahr deutlich steigen: Als Reaktion auf Russlands Angriffskrieg in der Ukraine hatte Bundeskanzler Olaf Scholz im März ein Sondervermögen für die Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro angekündigt. Damit würde Deutschland das von der Nato ausgegebene Ziel von Verteidigungsausgaben in Höhe von mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den kommenden Jahren überschreiten.

Über das Gesetz soll in der kommenden Woche abgestimmt werden. Da es sich um eine Änderung des Grundgesetzes handelt, ist die Regierung allerdings auf eine Zweidrittelmehrheit und damit auf Stimmen der Union angewiesen. Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz drohte in der "Bild am Sonntag" mit einer Ablehnung. Seine Partei werde sich nicht nur fertige Ergebnisse vorlegen lassen: "Wenn der Kanzler uns für eine Änderung des Grundgesetzes und für 100 Milliarden Euro neuer Schulden gewinnen möchte, dann muss er mit uns reden."

Greenpeace nennt Aufrüstung gefährlich

Die Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete die weltweite Tendenz zur Aufrüstung als "höchst gefährlichen Weg". Offenbar hätten die Staaten vergessen, dass mehr Waffen nicht mehr Sicherheit brächten, erklärte Greenpeace-Abrüstungsexperte Alexander Lurz: "Sicherheit wird auch durch Investitionen in zivile Krisenprävention, globalen Klimaschutz, Bildung und Soziales geschaffen."

AFP/dpa/KNA (jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. April 2022 | 08:00 Uhr

Mehr aus Politik

Mehr aus der Welt