Mutmaßliche Vergiftung Schwer erkrankter Nawalny soll in Berlin behandelt werden

Bundeskanzlerin Merkel hat eine Behandlung des lebensgefährlich erkrankten Kreml-Kritikers Nawalny in Deutschland angeboten. Die Charité soll sich schon bereiterklärt haben, den möglicherweise vergifteten Nawalny aufzunehmen.

Der Oppositionellen Alexej Nawalny nimmt am 26.02.2017 an einer Demonstration in Moskau (Russland) teil.
Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny liegt im Koma. Er soll offenbar zur Behandlung nach Deutschland gefolgen werden. Bildrechte: dpa

Der lebensgefährlich erkrankte russische Regierungskritiker Alexej Nawalny wird möglicherweise nach Deutschland gebracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihm eine Behandlung in einem deutschen Krankenhaus angeboten. Merkel sagte bei einem Treffen mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, Deutschland sei zu aller gesundheitlichen Hilfe für Nawalny bereit. Beide äußerten Sorge über den Gesundheitszustand Nawalnys. Merkel sprach von einem "sehr besorgniserregenden Zustand".

Charité zur Behandlung bereit

Nach Angaben von Nawalnys Unterstützern könnte der Kreml-Kritiker bereits am Freitag nach Berlin geflogen werden. Die Initiative "Cinema for Peace" teilte mit, ein Rettungsflieger werde in der Nacht zu Freitag nach Russland fliegen, um den 44-Jährigen nach Deutschland zu holen.

Der Filmproduzent Jaka Bizilj sagte, falls Nawalny transportfähig sei, solle das Flugzeug mit Nawalny an Bord schon am Freitag wieder in Deutschland landen. Nawalny solle in der Charité behandelt werden, sagte Bizilj. Von der Klinik gebe es bereits eine Zusage. Kosten für Flug und Behandlung würden von Privatleuten bezahlt.

Ärzte: Nawalny kämpft um sein Leben

Nawalny liegt derzeit in einer Klinik in der sibirischen Großstadt Omsk im Koma. Seine Sprecherin Kira Jarmysch erklärte, es gebe Hinweise auf eine Vergiftung. Nawalny sei bewusstlos gewesen und an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden.

Anatoliy Kalinichenko, stellvertretender Chefarzt eines Omsker Krankenhauses, spricht bei einer Pressekonferenz.
Nawalnys Ärzte gaben bislang keine Diagnose bekannt. Bildrechte: dpa

Seine behandelnden Ärzte bestätigten, dass Nawalny um sein Leben kämpft. Zur genauen Diagnose nannten sie keine Details, erklärten aber, Vergiftung sei eine Möglichkeit. Am Abend erklärten sie der Agentur Interfax zufolge lediglich, dass es keine Hinweise auf einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder eine Infektion etwa mit dem Coronavirus gebe.

Sprecherin: Tee war wohl vergiftet

Jarmysch zufolge war Nawalny in Sibirien auf einer politischen Rundreise gewesen. Auf dem Rückflug nach Moskau habe er sich nicht wohl gefühlt und sei bewusstlos geworden. Das Flugzeug sei deshalb in Omsk notgelandet. Jarmysch geht davon aus, dass Nawalny vergifteten Tee getrunken hat. Tee sei das einzige gewesen, was er zu sich genommen habe.

Der in Russland bekannte Blogger Ilya Varlamov veröffentlichte bei Twitter ein Video aus dem Flugzeug, in dem man Nawalny vor Schmerzen schreien hört. Freunde des Oppositionspolitikers teilten das Video im Netz, was für seine Echtheit spricht.

Kreml wünscht gute Besserung

Der Chef der Justizabteilung von Nawalnys Stiftung, Wjatscheslaw Gimadi, schrieb auf Twitter, es gebe "keine Zweifel", dass Nawalny "wegen seiner politischen Standpunkte und Aktivitäten vergiftet" wurde. Seine Anwälte forderten laut Gimadi deshalb Ermittlungen wegen versuchten Mordes. Nach Angaben von Nawalnys Sprecherin Jarmysch befragten Ermittler am Donnerstag einen Arzt in der Klinik in Omsk. Journalisten berichteten, es seien auch Agenten des Geheimdienstes FSB vor Ort.

Der Kreml betonte, dass es eine Untersuchung durch die Polizei geben werde, sollte sich der Verdacht auf eine Vergiftung bestätigen. Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte: "Wir wissen, dass er sich in einem ernsten Zustand befindet.". "Wie jedem Bürger der Russischen Föderation wünschen wir ihm eine schnelle Genesung."

Nawalny mehrfach verurteilt

Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker des russischen Staatschefs Wladimir Putin. Der 44-Jährige wurde schon mehrfach festgenommen und zu Haftstrafen verurteilt. Im vergangenen Jahr musste er während einer Haftstrafe in einem Krankenhaus behandelt werden, angeblich wegen eines Allergieschocks. Nawalny betonte aber damals, dass er vergiftet worden sein könnte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. August 2020 | 08:00 Uhr

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