Naher Osten Unruhen in israelischen Städten nehmen zu

Die jüngste Eskalation des Nahost-Konflikts hat zu schweren Auseinandersetzungen zwischen jüdischen und arabischen Israelis geführt. In mehreren israelischen Städten kam es zu Auseinandersetzungen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. Auch die gegenseitigen Angriffe zwischen der israelischen Armee und radikalen Palästinensern gehen weiter.

Auseinandersetzungen in Israel
In der israelische Stadt Lod waren jüdische Demonstranten mit Menschen arabischer Herkunft in der Nähe einer Moschee zusammengestoßen. Bildrechte: dpa

In Israel wächst die Angst vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Grund sind schwere Unruhen zwischen jüdischen und arabischen Siedlern.

Polizeisprecher: Pogrome verhindert

Ein Polizeisprecher sagte, die Gewalt innerhalb Israels habe ein Ausmaß erreicht, wie man es seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen habe. Polizeibeamte würden "buchstäblich Pogrome verhindern".

In der arabisch-israelischen Stadt Kfar Kassem im Zentrum Israels hatten nach Angaben des Sprechers hunderte Demonstranten Autoreifen und Polizeiautos angezündet. Mehr als 400 Menschen seien festgenommen worden.

Auseinandersetzungen in Israel
Jüdische Demonstranten wurden während der Unruhen in Lod mit Brandsätzen beworfen. Bildrechte: dpa

Am Mittwochabend hatte es in mehreren israelischen Städten Zusammenstöße zwischen ultranationalistischen Juden und arabischen Israelis sowie der Polizei gegeben. In Bat Yam im Süden von Tel Aviv prügelte eine Menge einen mutmaßlich arabischen Mann bewusstlos.

Im zentral-israelischen Lod gilt seit Montag der Notstand. Er war ausgerufen worden, nachdem ein arabischer Israeli erschossen und eine Synagoge in Brand gesteckt worden waren.

Israel verstärkt Sicherheitskräfte im Land

Angesichts der Unruhen kündigte Verteidigungsminister Benny Gantz an, die Sicherheitskräfte im ganzen Land massiv verstärken zu wollen. Reservisten der Grenzpolizei sollen in den israelischen Städten die Gewalt eindämmen und Recht und Ordnung durchzusetzen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die Gewalt durch Juden und Araber. Er sagte, nichts rechtfertige das Lynchen von Arabern durch Juden und nichts rechtfertige das Lynchen von Juden durch Araber. Präsident Reuven Rivlin rief zu einem Ende der Gewalt auf. Er warnte, die gewaltsamen Unruhen seien eine Bedrohung für die israelische Souveränität.

Weitere Raketenangriffe auf Tel Aviv

Auch der gegenseitige Beschuss zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern geht weiter. Erstmals heulten am Donnerstag in der Metropole Tel Aviv am Tag die Raketen-Warnsirenen. Explosionen waren zu hören.

Raketen werden aus dem Gaza-Streifen in Richtung Israel abgefeuert.
Bildrechte: dpa

Die radikal-islamische Hamas feuerte zudem eine Rakete auf den israelischen Flughafen des Ferienortes Eilat am Roten Meer ab. Sie forderte zudem internationale Fluggesellschaften auf, ihre Flüge nach Israel einzustellen. Die Lufthansa kündigte an, zunächst bis Freitag alle Flüge nach Tel Aviv auszusetzen.

Israelische Armee greift Hamas-Kämpfer an

Die israelische Armee meldete, sie habe mehrere Gruppen von Hamas-Kämpfern beschossen, die Panzerabwehrraketen abfeuern wollten. Zudem seien Vorrichtungen zum Abschuss von Panzerabwehrraketen auf einem Gelände der Hamas getroffen worden.

Nach israelischen Angaben feuerten militante Palästinenserorganisationen wie die Hamas und der Islamische Dschihad seit Montagabend mehr als 1.600 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel ab. Die israelische Armee habe mit rund 600 Angriffen auf Ziele im Gazastreifen geantwortet.

Tote und Verletzte auf beiden Seiten

Durch die Angriffe aus dem Gazastreifen wurden nach israelischen Angaben in Israel sieben Menschen getötet, darunter ein sechsjähriges Kind sowie ein Soldat.

Drei israelische Soldaten halten sich die Ohren zu, während ein Artilleriegeschütz auf Ziele im Gazastreifen feuert
Die israelische Armee feuerte auch mit Artilleriegeschützen auf Ziele im Gazastreifen. Bildrechte: dpa

Im Gazastreifen wurden nach neuen palästinensischen Angaben mehr als 100 Menschen getötet, darunter 17 Kinder. Zudem meldeten die palästinensischen Gesundheitsbehörden knapp 500 Verletzte. Die Hamas bestätigte den Tod mehrerer ihrer militärischen Anführer, darunter auch der Chef ihres bewaffneten Arms im Gazastreifen, Bassem Issa.

Drohende Zwangsräumung löste jüngste Gewalt aus

Ausgelöste wurde die jüngste Gewalt durch die drohende Zwangsräumung von rund 30 Palästinensern aus ihren von jüdischen Israelis beanspruchten Wohnungen in Ost-Jerusalem. Dadurch war es auch zu den heftigsten Zusammenstößen seit Jahren zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern in Ost-Jerusalem gekommen. Dabei waren in den vergangenen Tagen hunderte Palästinenser und dutzende Polizisten verletzt worden.

Quelle: MDR/dpa, AFP

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