Rüstungsausgaben steigen weltweit Sipri-Bericht: USA und China dominieren den Waffenhandel

Chinesische und US-Unternehmen dominierten 2019 den globalen Waffenhandel. Das gab das Friedensforschungsinstitut Sipri bekannt. Erstmals war auch ein Hersteller aus dem Nahen Osten unter den größten Waffenproduzenten - Deutsche Firmen waren nicht unter den Top 25. Scharfe Kritik an den Rüstungsausgaben kommt von den Hilfswerken.

Ein Schützenpanzer vom Typ Puma
Der Schützenpanzer Puma ist ein gemeinsames Produkt der beiden deutschen Rüstungsfirmen Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall. Unter den größten Rüstungskonzernen befinden sich die beiden Unternehmen aber nicht. Bildrechte: dpa

Die US-Rüstungsindustrie hat auch im vergangenen Jahr den globalen Waffenmarkt dominiert. Wie das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri mitteilte, hatten die zwölf US-Hersteller unter den weltweit 25 größten Waffenproduzenten einen Marktanteil von 61 Prozent. Chinesische Hersteller belegten demnach Platz zwei mit einem Anteil von rund 16 Prozent.

Deutsche Produzenten nicht unter den Top 25

Der Umsatz der 25 größten Produzenten stieg laut der Sipri-Studie um 8,5 Prozent auf rund 298 Milliarden Euro. Die Summe entspricht dem 50-fachen des Jahresbudgets der weltweiten UN-Friedensmissionen.

Zu den zehn größten Rüstungsunternehmen gehörten dem Bericht nach sechs Hersteller aus den USA, drei aus China und einer aus Großbritannien. Unter den 25 größten Waffenherstellern waren insgesamt sechs westeuropäische Unternehmen, darunter der Flugzeugbauer Airbus (Platz 13). Deutsche Unternehmen waren nicht in den Top 25 vertreten.

Naher Osten will Unabhängigkeit von ausländischen Lieferanten

Der Umsatz chinesischer Waffenhersteller stieg dem Institut zufolge 2019 um fast fünf Prozent an. Diese Entwicklung falle mit den seit 2015 laufenden Modernisierungsmaßnahmen der chinesischen Armee zusammen, sagte ein Sprecher. Verkauft werde überwiegend im eigenen Land.

Drittgrößter Waffenhändler ist Russland mit einem Anteil von 3,9 Prozent. Auf Grund von Sanktionen konnten russische Rüstungshersteller weniger ins Ausland exportieren. Auch die Modernisierung des russischen Militärs hat sich einer Sipri-Sprecherin zufolge verlangsamt. Das führe zu einem Umsatzrückgang für die Rüstungsindustrie in Russland.

Mit dem Hersteller Edge aus den Vereinigten Arabischen Emiraten belegte erstmals ein Hersteller aus dem Nahen Osten einen Platz in den Top 25 (Platz 22). Das Unternehmen war 2019 durch einen Zusammenschluss von 25 kleinen Firmen gegründet worden, um weniger abhängig von ausländischen Lieferanten zu werden.

Kritik von Hilfswerken

Hilfsorganisationen sehen in der anhaltenden Militarisierung der Welt eine alarmierende Entwicklung.

Mathias Mogge
Bildrechte: dpa

Es ist ein Skandal, dass die Umsätze der 25 größten Rüstungsfirmen weltweit steigen, während das Geld für eine nachhaltige Bekämpfung des Hungers fehlt. (...) Aktuelle Studien zeigen, dass jährlich 40 bis 50 Milliarden Euro für die kommenden zehn Jahre ausreichen würden, um den Hunger in der Welt bis 2030 zu besiegen. Das heißt, dass der Jahresumsatz der 25 größten Firmen im Rüstungsgeschäft fast ausreichen würde, um keinen Menschen mehr hungern zu lassen.

Mathias Mogge Generalsekretär der Welthungerhilfe

Die Präsidentin des evangelischen Hilfswerkes "Brot für die Welt", Cornelia Füllkrug-Weitzel, sagte, es sei kein Anlass zur Beruhigung, wenn jetzt auch Unternehmen aus dem Mittleren Osten in den Top 25 der Waffenhersteller auftauchten: "Im Gegenteil: Es wird noch schwieriger werden, internationale Standards wie 'Keine Waffen in Konfliktgebiete' durchzusetzen". Rüstungsexporte in kriegsführende Länder oder Länder mit schweren Menschenrechtsverbrechen müssten verboten und verbindliche Endverbleibskontrollen festgeschrieben werden.

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte ein radikales Umdenken: "Die Sipri-Zahlen zeigen, wohin das knappe Geld nicht fließen sollte: immer weiter in die Taschen der internationalen Waffenindustrie."

Serie "Rüstungsschmiede Mitteldeutschland"

Ein deutscher Nahaufklärer (vorne) fliegt mit Jäger-Geleitschutz über den Kanal zwischen Frankreich und Großbritannien. mit Video
Ohne Benzin keine Luftwaffe: Im Zweiten Weltkrieg hielt unter anderem künstlich hergestelltes Benzin die Flieger am Himmel. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Dezember 2020 | 10:30 Uhr

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