Nach Nowitschok-Vergiftung Dritter Tatverdächtiger im Fall Skripal

Gut dreieinhalb Jahre nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter in England haben die britischen Ermittler einen dritten Tatverdächtigen offiziell beschuldigt. Eine Auslieferung in Moskau beantragen wollen sie aber nicht – weil Russland seine Bürger generell nicht ausliefert.

Sergej Skripal während seines Spionage-Prozesses 2006 in Moskau.
Sergej Skripal während eines Prozesses gegen ihn 2006 in Moskau. 2018 wurde er Opfer eines Giftanschlags. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Die britische Polizei hat einen dritten Verdächtigen wegen des Giftanschlags auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia ausgemacht. Wie es aus London hieß, handelt es sich um den russischen Bürger Denis Sergejew, der auch unter dem Namen Sergej Fedotow bekannt sei.

Ihm werde versuchter Mord sowie der Besitz und die Verwendung einer chemischen Waffe vorgeworfen. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft sind die Beweise ausreichend, um Anklage wegen Verschwörung zur Ermordung Skripals zu erheben. Ein Auslieferungsersuchen werde aber mangels Aussicht auf Erfolg nicht gestellt. Nach Angaben der britischen Anklagebehörde erlaubt die russische Verfassung die Auslieferung von Russen grundsätzlich nicht.

Mordanschlag vor drei Jahren

Skripal und seine Tochter waren am 4. März 2018 mit schweren Vergiftungserscheinungen auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury entdeckt worden. Wie sich später herausstellte, waren sie mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden. Sie kamen nur knapp mit dem Leben davon.

Eine Frau, die später in der benachbarten Stadt Amesbury mit dem als Parfümflasche getarnten Giftbehälter in Kontakt kam, starb. Ihr Freund und ein Polizist erlitten ebenfalls Vergiftungen, überlebten aber.

Russland bestreitet jegliche Verwicklung

Die britischen Ermittler hatten bereits die beiden Russen Alexander Mischkin und Anatoli Tschepiga alias Alexander Petrow und Ruslan Boschirow als Tatverdächtige identifiziert, die von Journalisten als Agenten des russischen Militärgeheimdiensts enttarnt wurden. Im russischen Fernsehen beteuerten sie, als Touristen in Salisbury gewesen zu sein, um die "die schöne Stadt" zu besuchen.

Die britische Regierung macht jedoch den russischen Geheimdienst für den Anschlag verantwortlich, was Moskau nach wie vor zurückweist. Der Fall führte zu einer schweren Krise zwischen beiden Ländern, die gegenseitig die Ausweisung Dutzender Diplomaten veranlassten.

Fedotow war den britischen Ermittlern zufolge am 2. März in London gelandet, wenige Stunden vor Petrow und Boschirow. Die drei Männer trafen sich demnach mehrmals in London, bevor Fedotow am 4. März wieder nach Moskau flog.

Litwinenko: Europäisches Gericht beschuldigt Moskau

Unterdessen machte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte nun Russland für den Tod des Regimekritikers Alexander Litwinenko verantwortlich. Litwinenko war 2006 in London mit dem seltenen radioaktiven Stoff Polonium-210 vergiftet. Die britischen Ermittlungen kamen 2016 zu dem Schluss, dass Russlands Präsident Wladimir Putin eine Geheimdienstoperation zu dem Mord wahrscheinlich genehmigt hatte. Moskau hatte das stets zurückgewiesen. Litwinenko, ebenfalls ein ehemaliger russischer Agent, war Kritiker des Präsidenten und sechs Jahre vor seinem Tod nach Großbritannien gegangen.

Quellen: dpa / AFP (ksc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. September 2021 | 13:30 Uhr

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