Vorwurf der Geheimdiensttätigkeit Tschechien weist 18 russische Diplomaten aus

Wegen des Vorwurfs der Geheimdiensttätigkeit hat Tschechien 18 russische Diplomaten ausgewiesen. Außerdem sollen russische Agenten hinter der Explosion in einem Munitionsdepot vor knapp sieben Jahren stecken. Moskau reagierte sofort und verwies 20 tschechische Botschaftsmitglieder des Landes.

Ein Polizist geht an einem Plakat vorbei, das von Demonstranten an einem Tor der russischen Botschaft in Prag angebracht wurde.
Ein Polizist geht an einem Plakat vorbei, das von Demonstranten an einem Tor der russischen Botschaft in Prag angebracht wurde. Bildrechte: dpa

Wegen mutmaßlicher Spionagetätigkeit hat Tschechien 18 russische Diplomaten ausgewiesen. Wie Interims-Außenminister Jan Hamacek am späten Samstagabend mitteilte, müssen die betreffenden Personen Tschechien binnen 48 Stunden verlassen. Die 18 Russen seien vom tschechischen Geheimdienst als Agenten der russischen Dienste SWR und GRU enttarnt worden. Darüber habe er den russischen Botschafter persönlich informiert, sagte Hamacek.

Vorwurf im Zusammenhang mit Explosion in Munitionsdepot

Hintergrund des neusten diplomatischen Eklats zwischen einem Nato-Land und Russland ist der Vorwurf Tschechiens, wonach russische Geheimdienstmitarbeiter hinter den Explosionen in einem tschechischen Munitionsdepot vor knapp sieben Jahren stecken sollen. Ministerpräsident Andrej Babis sagte, es gebe "klare Beweise" dafür, dass Angehörige der Einheit 29155 des russischen Militärgeheimdienstes GRU in die Explosion in einem Munitionslager nahe dem Dorf Vrbetice 2014 verwickelt waren.

Fahndung nach zwei mutmaßlichen GRU-Agenten

Bei der Explosion in dem Lager mit 58 Tonnen Munition waren am 16. Oktober 2014 zwei Menschen ums Leben gekommen. Die tschechische Polizeieinheit gegen organisiertes Verbrechen NCOZ teilte mit, im Zusammenhang mit der Explosion werde nach zwei verdächtigen mutmaßlichen GRU-Agenten gefahndet. Die gleichen Personen würden auch wegen des Giftanschlags auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal 2018 in Großbritannien gesucht.

Moskau schickt tschechische Botschaftsmitarbeiter heim

Als Reaktion auf die Ausweisung von 18 russischen Diplomaten aus Tschechien verweist Russland 20 tschechische Botschaftsmitarbeiter des Landes. Das gab das russische Außenministerium am Sonntagabend in Moskau bekannt. Laut tschechischer Seite sind es 16 Diplomaten und vier Mitarbeiter ohne Diplomatenstatus. Sie müssen bis Montagabend Russland verlassen.

Es handelt sich um den schwersten diplomatischen Konflikt zwischen Tschechien und Russland seit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989.

Ganze Folge diplomatischer Eklats

Der jüngste Fall reiht sich ein in eine Folge diplomatischer Eklats zwischen der Nato und Russland. So hatten die USA am Donnerstag zehn russische Diplomaten ausgewiesen, nachdem man Russland einen Hackerangriff und die Einmischung in die US-Wahl vorwarf. Deutschland und die anderen Nato-Staaten erklärten daraufhin ihre uneingeschränkte Solidarität mit den USA. Polen wies noch am selben Tag drei russische Diplomaten aus. Russland verwies einen Tag später 13 Diplomaten aus den USA und aus Polen des Landes.

Der Kreml wies bislang alle Spionagevorwürfe als Teil einer von den USA oder Großbritannien gesteuerten "russlandfeindlichen Kampagne" zurück.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. April 2021 | 06:00 Uhr

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