Diplomaten als "unerwünscht" erklärt Soylu: Botschafter der ganzen Welt könnten dem türkischen Volk kein Haar krümmen

Die Türkei hat das Vorgehen gegen den deutschen Botschafter und neun weitere Diplomaten verteidigt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu sagte Innenminister Soylu, die Botschafter der ganzen Welt könnten dem türkischen Volk kein Haar krümmen. Präsident Erdogan hatte zuvor das Außenministerium angewiesen, die Botschafter zu unerwünschten Personen zu erklären.

Türkische Flagge
Türkei verteidigt Vorgehen gegen Botschafter Bildrechte: colourbox

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu hat das Vorgehen seines Landes gegen den deutschen Botschafter und neun weitere Diplomaten verteidigt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu sagte Soylu, die Botschafter der ganzen Welt könnten dem türkischen Volk kein Haar krümmen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor das Außenministerium angewiesen, die Botschafter von zehn Staaten zur unerwünschten Person zu erklären. Darunter ist neben dem deutschen Botschafter auch der Vertreter der USA.

Ich habe unserem Außenminister den Befehl gegeben. Ich sagte, kümmern Sie sich darum, diese zehn Botschafter so schnell wie möglich zur 'Persona non grata' zu erklären.

Recep Tayyip Erdogan Präsident der Türkei

Streit um Haft von Osman Kavala

Hintergrund des Streits ist eine Erklärung der Botschafter von Anfang der Woche. Darin fordern sie die Freilassung des türkischen Unternehmers und Kulturförderers Osman Kavala. Der 64-Jährige sitzt seit 2017 in Istanbul in Untersuchungshaft, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte 2019 seine Freilassung angeordnet hatte. Kavala und einer Gruppe von Bürgerrechtsaktivisten war vorgeworfen worden, die Proteste im Istanbuler Gezi-Park im Sommer 2013 organisiert und so den "Umsturz" der Regierung angestrebt zu haben.

Ihm wird außerdem "politische und militärischen Spionage" im Zusammenhang mit dem Putschversuch von 2016 vorgeworfen. Kritiker sehen die Vorwürfe als politisch motiviert, Beweise für ein illegale Aktivitäten gibt es nicht.

Die größte Oppositionspartei CHP kritisierte das Vorgehen Erdogans und warnte vor einer Isolation der Türkei auf internationaler Ebene. Der CHP-Politiker und Ex-Botschafter Ünal Ceviköz forderte Außenminister Mevlüt Cavusoglu dazu auf, den "Fehler" zu korrigieren.

Quelle: dpa, epd (isc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Oktober 2021 | 16:00 Uhr

12 Kommentare

Thommi Tulpe vor 4 Wochen

Ich weiß nicht, woher Sie Ihre Informationen zum "fröhlichen Fährverkehr" beziehen. Ansonsten kann man diese Thematik auch "nur" unter: Real existierender Kapitalismus/ Imperialismus "verbuchen".

Thommi Tulpe vor 4 Wochen

Herr Wachtmeister. Ich antwortete lediglich auf die fast flehende Forderung des Husaren: "Hoffentlich schickt Herr Erdogan bald die 5 Millionen Flüchtlinge die in seinem Land sind, nach Deutschland, ...".
Ich denke nicht, dass das eine Sache des politischen Standpunktes ist.
Es ist meiner Meinung nach "einfach" eine Sache politischer Logik.
Das scheint selbst Herr Erdogan so zu sehen!? Noch droht er nur.

Harka2 vor 4 Wochen

Erdogan muss von seiner von ihm maßgeblich mitverursachten gewaltigen Wirtschaftskrise ablenken. Aus dem F-35 - Flugzeugprogramm ist er auch schon rausgeflogen. Die NATO braucht die Türkei nicht mehr als Aufmarschraum gegen die Sowjetunion, denn die gibt es nicht mehr. Ein EU-Beitritt ist mit ihm ausgeschlossen. Erdogan hat nicht mehr viel in der Hand, womit er seinen Landsleuten mal positive Schlagzeilen liefern könnte. Das Fethullah Gülen hinter dem Putsch steckt, hat er bis heute nie bewiesen.

Die Flüchtlinge sind sein einziger Trumpf, den er der EU gegenüber noch hat und sie sichern Arbeitsplätze für Türken in der Türkei, welche die EU zudem auch noch bezahlt. Wenn er sich um diese Einnahmequelle bringt, kann er nur verlieren.

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