Nach Kapitol-Stürmung Twitter löscht 70.000 Konten von "QAnon"-Anhängern

In den USA hat sich in den vergangenen Jahren die "QAnon"-Verschwörungsideologie verbreitet. Die Anhänger der Gruppe waren auch an der Stürmung des US-Kapitols beteiligt. Twitter hat deshalb nun 70.000 Konten gelöscht.

Ein Mann hält ein Schild mit der Aufschrift "Impeach! Remove! Today!" (Amtsenthebung! Entfernen! Heute!) bei einem Protest gegen den scheidenden US-Präsidenten Trump vor einem Gebäude des Nachrichtendienstes Twitter.
Protest gegen Donald Trump vor dem Twitter-Gebäude. Bildrechte: dpa

Nach dem Sturm auf das US-Kapitol hat der Kurznachrichtendienst Twitter mehr als 70.000 Konten von Anhängern der Verschwörungsideologie "QAnon" gelöscht. In einer Mitteilung des Kurznachrichtendienstes hieß es, nach den "gewalttätigen Ereignissen in Washington" habe man Konten gesperrt, die "QAnon"-nahe Inhalte im großen Umfang geteilt hätten, und in erster Linie zur Verbreitung von Verschwörungsideologien dienten. In vielen Fälle habe eine Person mehrere Konten verwaltet.

QAnon "QAnon" ist eine Verschwörungsideologie, die ihren Ursprung in Internetforen hat und auf kryptischen Botschaften eines angeblichen Politik-Insiders beruht. Anhänger glauben etwa, dass der noch amtierende US-Präsident Trump einen geheimen Kampf gegen einen "Staat im Staate" führt und angeblichen systematischen Kindesmissbrauch unter anderem durch Politiker der Demokraten aufzudecken versucht.

Auch Trumps Falschbehauptungen über angeblichen Wahlbetrug wurden in der Szene aufgegriffen und weitergesponnen. Das "Q" findet sich bei vielen Kundgebungen des Präsidenten auf Fahnen und Bannern.

Auch in Deutschland gibt es Anhänger der Gruppe, sichtbar waren sie etwa bei "Querdenker"-Demos in Berlin.

Bei der Erstürmung des Kapitols durch Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump, waren nach ersten Erkenntnissen auch "QAnon"-Anhänger beteiligt. Mehrere Menschen waren bei der Erstürmung gestorben– eine Trump-Anhängerin wurde im Kapitol von der Polizei erschossen, ein Polizist erlag am Tag danach seinen während der Ausschreitungen erlittenen Verletzungen. Weitere Menschen starben in Folge von medizinischen Notfällen.

Trump gesperrt

Das persönliche Konto Trumps hatte Twitter bereits am Wochenende dauerhaft gesperrt. Als Grund gab das Unternehmen "das Risiko weiterer Anstiftung zur Gewalt" an. Der US-Präsident hatte dort 89 Millionen Follower.

Der Twitter Account realDonaldTrump des amerikanischen Präsidenten Donald J. Trump wurde dauerhaft gesperrt.
Der Twitter-Account von Donald Trump wurde dauerhaft gesperrt. Bildrechte: imago images/Rüdiger Wölk

In Europa sorgte die Sperrung für Kritik: Bundeskanzlerin Angela Merkel halte es für "problematisch", wenn solche Schritte nicht innerhalb eines gesetzlichen Rahmens erfolgten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagte, derartige Entscheidungen dürften nicht den Digitalunternehmen selbst überlassen werden.

Twitter-Alternative vom Netz

Am Montag war zudem die vor allem in rechten US-amerikanischen Kreisen beliebte Twitter-Alternative "Parler" nicht mehr erreichbar. Zuvor hatte Amazon als technischer Dienstleister die Zusammenarbeit eingestellt. Die noch verhältnismäßig kleine Plattform Parler verzichtete auf jegliche Regulierung von Inhalten und unternahm damit auch nichts gegen Hassrede, Drohungen und die Verbreitung falscher Informationen. Angesichts eines zunehmend härteren Vorgehens von Twitter und Facebook gegen Gewaltaufrufe und Verschwörungstheorien waren zuletzt zunehmend Trump-Anhänger zu Parler abgewandert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Januar 2021 | 07:00 Uhr

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