USA beenden Einsatz US-Truppen und Botschafter aus Afghanistan abgezogen

Die US-Truppen haben sich nach 20 Jahren Einsatz vorerst aus Afghanistan verabschiedet. Auch der US-Botschafter hat mit der letzten Maschine Kabul verlassen. Die Taliban erklärten unmittelbar nach dem Abzug, sie wollten gute und diplomatische Beziehungen auch mit den USA.

Auf diesem Bild, das durch ein Nachtsichtgerät aufgenommen wurde, besteigt Generalmajor Chris Donahue ein C-17-Frachtflugzeug auf dem Hamid Karzai International Airport in Kabul
Auf diesem Bild, das durch ein Nachtsichtgerät aufgenommen wurde, besteigt Generalmajor Chris Donahue ein C-17-Frachtflugzeug auf dem Hamid Karzai International Airport in Kabul. Er ist der letzte US-Soldat auf afghanischem Boden. Bildrechte: dpa

Die US-Armee hat mit dem Abzug ihrer Truppen in der Nacht zum Dienstag ihren Afghanistan-Einsatz nach fast 20 Jahren beendet. Ein letztes US-Militärflugzeug hob vom Flughafen der Hauptstadt Kabul ab. Auch der Botschafter der USA verließ nach Angaben von US-Außenminister Antony Blinken mit dieser Maschine das Land.

Evakuierungen beendet

Auf diesem Bild, das durch ein Nachtsichtgerät aufgenommen wurde, besteigt Generalmajor Chris Donahue ein C-17-Frachtflugzeug auf dem Hamid Karzai International Airport in Kabul
Last man walking: Generalmajor Donahue auf dem Weg zum Flugzeug Bildrechte: dpa

Das US-Zentralkommando für die Region veröffentlichte zudem ein Nachtsicht-Bild, das zeigt, wie der letzte US-Soldat auf afghanischem Boden, Generalmajor Chris Donahue, ein Transportflugzeug besteigt.

Damit endete auch die militärisch abgesicherte Evakuierungsmission. Zurück blieben aber Tausende von Einheimischen, die als Ortskräfte die internationalen Einheiten unterstützt hatten und nun um ihr Leben und das ihrer Angehörigen fürchten. Blinken sagte jedoch, man werde ausreisewilligen US-Bürgern, von denen sich noch etwa 100 im Land aufhalten sollen, Afghanen und anderen Menschen weiter helfen.

Die USA und ihre Verbündeten hatten zuvor nach den Angaben des US-Außenministers mehr als 123.000 Zivilisten außer Landes gebracht. Es sei aber nicht gelungen, alle auszufliegen, die man habe herausbringen wollen.

US-Armee lässt Raketenabwehr zurück

Auch militärisches Material wurde zurückgelassen. Kenneth McKenzie, Chef des zuständigen US-Regionalkommandos, erklärte kurz nach dem Abzug, auf dem Flughafen seien unter anderem 73 Jets und 70 gepanzerte Fahrzeuge geblieben, aber unbrauchbar gemacht worden, auch das Raketenabwehrsystem des Flughafens. Es hatte noch am Montag einen Raketenbeschuss abgewehrt, der vermutlich vom afghanischen Ableger der Terrormiliz "IS" gekommen war.

Taliban wollen gute diplomatische Beziehungen

Die Taliban wollen nun "gute" Beziehungen mit den USA. "Wir wollen gute Beziehungen zu den USA und der ganzen Welt", sagte ihr Sprecher Sabihullah Mudschahid auf der Landebahn des Flughafens nach dem Abzug der US-Truppen: "Wir begrüßen gute diplomatische Beziehungen", versicherte Mudschahid und beglückwünschte die Afghanen zu "ihrem Sieg" über ausländischen Mächte.

Die diplomatische Präsenz der USA sei bis auf weiteres ausgesetzt, das Personal abgezogen, hieß es aus Washington. Die US-Botschaft sei von Kabul nach Doha im Emirat Katar verlegt. Ohne Einzelheiten zu nennen, sagte Außenminister Blinken auch, die USA würden nach dem Abzug ihrer Truppen weiter "solide" Möglichkeiten zur Terrorismusbekämpfung in der Region haben. Gleichzeitig schloss Blinken eine Zusammenarbeit mit einer neuen afghanischen Regierung nicht aus.

Eine Regierung unter Führung der Taliban müsse sich aber internationale Legitimität und Unterstützung verdienen, sagte Blinken. "Die Taliban können das", sie müssten ihre Zusagen zur Reisefreiheit einhalten, Grundrechte respektieren, eine inklusive Regierung bilden und Terroristen keine Zuflucht gewähren.

Blinken kündigte auch an, dass die USA weiter humanitäre Hilfe leisten werden. Diese solle allerdings nicht über die Taliban erfolgen, sondern über unabhängige Organisationen wie die UNO und Hilfsorganisationen: "Wir erwarten, dass diese Bemühungen nicht durch die Taliban behindert werden."

Quellen: Reuters, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. August 2021 | 02:00 Uhr

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