Afghanistan US-Militär räumt Tötung von Zivilisten bei Drohnenangriff ein

Der Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan endete im Chaos. Kurz vor Schluss starteten US-Militärs zwei Drohnenangriffe – einen davon bezeichnen Verantwortliche nun als "tragischen Fehler".

US-Drohne auf dem Flughafen von Jalalabad, Afghanistan (Archivbild von 2015)
US-Drohne auf dem Flughafen von Jalalabad, Afghanistan (Archivbild von 2015) Bildrechte: dpa

Das US-Militär hat eingeräumt, dass bei einem Drohnenangriff in Kabul Ende August auch Zivilisten getötet wurden. Der Leiter des US-Zentralkommandos, General Frank McKenzie, sagte, unter den Opfern seien bis zu zehn Zivilisten gewesen, davon bis zu sieben Kinder. "Das war mein Fehler, und ich möchte mich dafür aufrichtig entschuldigen", sagte McKenzie. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass der Angriff ein "tragischer Fehler" gewesen sei.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin sprach den Familien der Getöteten sein Beileid aus und erklärte, man bemühe sich, daraus zu lernen. Er habe angeordnet, zu untersuchen, inwiefern Abläufe bei künftigen Drohnenangriffen womöglich geändert werden müssten.

Wir entschuldigen uns und werden uns bemühen, aus diesem schrecklichen Fehler zu lernen.

Lloyd Austin US-Verteidigungsminister

Entschädigungszahlungen an Hinterbliebene im Gespräch

McKenzie betonte zugleich, man sei davon ausgegangen, dass mit dem Angriff am 29. August ein unmittelbar bevorstehender Anschlag auf US-Truppen am Kabuler Flughafen vereitelt würde. Ziel sei ein Fahrzeug gewesen, mit dem IS-Kämpfer möglicherweise einen Selbstmordanschlag verüben wollten. Inzwischen glaube er, dass es unwahrscheinlich sei, dass die bei dem Angriff Getöteten tatsächlich Kämpfer des IS gewesen seien.

General McKenzie erklärte am Freitag auf Nachfrage, das US-Verteidigungsministerium erwäge Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen der Todesopfer. Konkreter wurde er nicht.

Drohnenangriff erfolgte kurz vor Abzug der letzten US-Truppen

Der Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan war nach der Machtübernahme der Taliban Mitte August in chaotische Evakuierungsmissionen gemündet. Ende August waren bei einer Terrorattacke vor dem Flughafen von Kabul Dutzende Afghanen und 13 US-Soldaten getötet worden. Zu der Tat bekannte sich der mit den Taliban verfeindete IS.

Das US-Militär reagierte umgehend mit Luftangriffen und nahm IS-Kämpfer ins Visier. Zunächst wurden bei einem Drohnenangriff in der afghanischen Provinz Nangarhar nach US-Angaben zwei ranghohe Vertreter des IS getötet. In Kabul griff das US-Militär zudem am 29. August nahe des Flughafens ein Auto mit einer Drohne an. Medien hatten bereits kurz danach von getöteten Zivilisten berichtet. Die USA hatten das nicht direkt zurückgewiesen, sondern eine Prüfung angekündigt. Generalstabschef Mark Milley verteidigte den Angriff aber zunächst noch. Die letzten US-Truppen hatten Kabul Ende August – kurz nach dem Drohnenangriff – verlassen.

dpa(rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. September 2021 | 11:00 Uhr

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