Soziale Medien Scharfe Kritik an Elon Musks Twitter-Übernahme

Am Montag hat der reichste Mensch der Welt, Elon Musk, den Kurznachrichtendienst Twitter übernommen. In Deutschland mehrt sich scharfe Kritik am Twitter-Verkauf. Digitaljournalist Markus Beckedahl wirft Musk ein falsches Verständnis von Pressefreiheit vor. Auch Jan Böhmermann meldete sich zu Wort.

Die Bildkombo zeigt das Logo von Twitter auf einem Mobiltelefon und den Tesla-Chef Elon Musk
Bildrechte: dpa

Musk hatte Mitte April in einem Interview mit bei der Konferenz-Reihe TED erklärt, dass er die Meinungsfreiheit auf Twitter stärken wolle. "Ein gutes Zeichen, ob Meinungsfreiheit besteht ist: Darf jemand, den du nicht magst, etwas sagen, das du nicht magst?", sagte Musk.

Zweifel an Musks Motiven

Der Digitaljournalist Markus Beckedahl bezweifelte bei MDR AKTUELL, dass es Musk bei der Übernahme von Twitter wirklich um Meinungsfreiheit gehe. Bisher habe der Unternehmer mehr Wert darauf gelegt, seine eigene Person und Marke bestmöglich zu inszenieren. "Also wenn Journalistinnen kritisch über sein Unternehmen Tesla berichten, dann bekommen die einfach keine Antworten mehr. Das ist sein Verständnis von Pressefreiheit", sagte Beckedahl.

Beckedahl warnte davor, dass Musk durch die Übernahme zu viel gesellschaftlichen Einfluss gewinne. "Der gesellschaftliche Einfluss von Twitter ist viel größer als die Nutzerbasis im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken." Es bestehe die Gefahr, dass Musk Twitters Infrastruktur in seinem Sinne und nicht im Sinne der Öffentlichkeit verändere.

Auch Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, kritisierte die Twitter-Übernahme. Schneider fragte in einem Tweet öffentlich, warum kein "demokratisch kontrollierter Staat" das soziale Netzwerk übernommen habe anstelle der Privatperson Elon Musk.

Satiriker Jan Böhmermann rief per Tweet dazu auf, Twitter, wie auch Meta und Google, unter öffentliche Kontrolle zu bringen. In einem weiteren Tweet forderte Böhmermann den "Aufbau einer paneuropäischen öffentlich-rechtlichen Körperschaft zur Substituierung der kritischen Kernfunktionalität von Twitter, damit Bürger*innen, Behörden, Institutionen, Unternehmen und Medien über einen freien öffentlichen Ort des digitalen Austauschs verfügen." Böhmermann gehört mit seinem 2,5 Millionen Twitter-Followern zu den einflussreichsten Twitter-Nutzern in Deutschland.

Demgegenüber äußerte sich Twitters Gründer Jack Dorsey optimistisch zur Twitter-Übernahme. Dorsey schrieb, dass Musks Ziel, Twitter zu einer "maximal vertrauenswürdigen und inklusiven Plattform" zu machen, das richtige sei.

Elon Musk hat den Elektroautohersteller Tesla und das Raumfahrtunternehmen SpaceX gegründet. Außerdem war er Mitgründer des Bezahldienstes PayPal. Das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt sein Vermögen auf über 200 Milliarden US-Dollar.

MDR AKTUELL(tys)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. April 2022 | 16:52 Uhr

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