Zum Ende des Ramadans Mehr als 200 Verletzte bei Zusammenstößen in Jerusalem

Bei schweren Zusammenstößen zwischen der israelischen Polizei und palästinensischen Jugendlichen in Ost-Jerusalem sind mehr als 200 Menschen verletzt worden. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Blendgranaten ein. Die Palästinenser protestierten gegen geplante Zwangsräumungen.

Menschen rennen, nachdem israelische Sicherheitskräfte während einer Demonstration gegen den geplanten Räumungsprozess im Stadtteil Scheich Dscharrah Tränengas eingesetzt haben
Israelische Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Gummigeschosse ein. Bildrechte: dpa

In Ost-Jerusalem hat es schwere Zusammenstöße zwischen der israelischen Polizei und palästinensischen Jugendlichen gegeben. Vor der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg attackierten Gläubige am Freitag die Sicherheitskräfte mit Steinen, während die Polizei mit Gummigeschossen, Blendgranaten und Wasserwerfern gegen die Angreifer vorging. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond sprach von mindestens 205 verletzten Palästinensern. Die Helfer richteten ein Feldlazarett am Tempelberg ein. Nach Angaben der israelischen Polizei wurden 17 Beamte verletzt.

Seit Tagen Proteste gegen Zwangsräumung

Am letzten Freitag des islamischen Fastenmonats Ramadans hatten sich vor der Moschee tausende Gläubige zum Gebet versammelt. Nach Angaben der israelischen Polizei, die mit rund 700 Einsatzkräften die Zugänge zu dem Areal bewacht, wurden die Beamten anschließend von "hunderten Randalierern" mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen.

Die Proteste richteten sich gegen die drohende Räumung von palästinensischen Familien in Ost-Jerusalem. Bereits seit Tagen kommt es deshalb zu gewaltsamen Protesten.

Palästinensische Gläubige beten beim letzten Freitagsgebet des Ramadan am Felsendom auf dem Gelände der al-Aqsa-Moschee in der Altstadt Jerusalems
Tausende Gläubige beim Freitagsgebet am Tempelberg. Bildrechte: dpa

Räumungen wegen umstrittener Besitzansprüche

Anfang des Jahres hatte das Jerusalemer Bezirksgericht entschieden, dass die Häuser der palästinensischen Familien rechtmäßig jüdischen Familien gehörten. Nach israelischem Recht können jüdische Israelis vor Gericht Besitzanspruch auf Häuser in Ost-Jerusalem anmelden, wenn ihre Vorfahren vor dem arabisch-israelischen Krieg (1948/49) dort im Besitz von Grundstücken waren. Israel hatte den Ostteil Jerusalems im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und 1980 annektiert. Die Annexion wird international nicht anerkannt.

Quelle: dpa/AFP/MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 08. Mai 2021 | 08:00 Uhr

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