Weltklimagipfel in Glasgow Große Autobauer verabschieden sich vom Verbrennermotor

Mehrere große Konzerne wollen künftig keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr bauen und verkaufen. Eine entsprechende Erklärung wurde auf dem Weltklimagipfel in Glasgow abgegeben. Mercedes-Benz ist dabei, Volkswagen und BMW aber nicht. Auch andere Konzerne wie Toyota und Stellantis werden die Erklärung wohl nicht unterschreiben. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sprach sich ebenfalls dagegen aus.

Logo des Herstellers Mercedes Benz
Auch Mercedes-Benz will langfristig keine Autos mit Verbrennermotor mehr verkaufen. Bildrechte: dpa

Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow haben sechs große Autohersteller das Ende des Verbrennermotors angekündigt. Sie schlossen sich einer Initiative der britischen Regierung an, wonach der Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennermotoren spätestens 2040 enden soll – und das weltweit. Angestrebt werde, spätestens 2035 in führenden Märkten nur noch emissionsfreie Autos und Vans zu verkaufen. Bei den sechs Autobauern handelt es sich um Mercedes-Benz, Volvo, Ford, General Motors sowie die Tata-Tochter Jaguar/Land Rover und den chinesische BYD-Konzern.

Der Londoner Regierung zufolge werden auch zahlreiche Staaten die Erklärung unterzeichnen, darunter Großbritannien, Kanada, Mexiko und Indien. Die beteiligten Regierungen wollen demnach darauf hinarbeiten, dass alle Verkäufe von neuen Autos und leichten Nutzfahrzeugen bis zum Jahr 2040 weltweit emissionsfrei sind. Deutschland hat nicht unterschrieben.

Scheuer hält an Verbrennertechnologie fest

Der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte bereits im Vorfeld erklärt, die Verbrennertechnologie werde weiterhin gebraucht. Scheuer betonte: "Wir wollen sie mit synthetischen Kraftstoffen klimaneutral machen und die Vorteile der Technologie erhalten." Die geplante Erklärung berücksichtige den Antrieb mit synthetischen Kraftstoffen nicht. Deshalb sei sein Ministerium dagegen. Das sei auch Linie der amtierenden Bundesregierung.

Greenpeace: Erklärung überfällig

Greenpeace-Chef Martin Kaiser sagte der Nachrichtenagentur dpa, es wäre "megapeinlich, wenn Deutschland nicht dabei wäre". Eine solche Erklärung sei überfällig. Wichtig sei, dass große Autokonzerne wie VW, BMW und Daimler mitmachten.

Allerdings berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, dass die beiden weltweit führenden Automobilhersteller Volkswagen und Toyota die Selbst-Verpflichtung nicht unterzeichnen werden. Auch der Stellantis-Konzern mit Marken wie Peugeot, Citroën und Opel werde nicht mitmachen, ebenso wenig große Hersteller wie Honda, Nissan, Hyundai und BMW.

Reuters beruft sich auf Kreise der Autoindustrie. Demnach erklären die skeptischen Autokonzerne, dass sie sich zu einem kostspieligen Technologiewechsel verpflichten müssten, aber eine ähnliche Verpflichtung der Regierungen fehle, die notwendige Lade- und Netzinfrastruktur zur Unterstützung von Elektrofahrzeugen zu bauen.

BMW-Chef: Es fehlen Ladesäulen für E-Autos

BMW-Chef Oliver Zipse erklärte inzwischen, sein Konzern werde die Vereinbarung nicht unterschreiben. Er warnte davor, ein konkretes Datum für das Ende von Benzin- und Dieselfahrzeugen festzulegen. Bei einem Autoforum des Handelsblatts sagte Zipse, nicht einmal in Deutschland und Europa gebe es genug Ladesäulen für Elektroautos, und es gebe auch nicht genug Ökostrom. Bei einem Zulassungsverbot für neue Verbrenner würden alte Autos noch länger gefahren. Das wäre für das Klima schädlich. Hier seien die Dinge nicht zu Ende gedacht.

Zipse betonte, mangels Ladesäulen und Ökostrom würden neue Verbrenner aber auch noch in zehn Jahren gebraucht. Deshalb investiere BMW nicht nur in Batterie- und Wasserstofftechnik, sondern auch in bessere Benzin- und Dieselmotoren mit 20 Prozent geringerem CO2-Ausstoß.

Reuters, dpa (aju)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. November 2021 | 06:30 Uhr

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