Strukturwandel "Leipziger Erklärung" zur Zukunft der europäischen Automobilindustrie verabschiedet

Die im Sommer 2022 gegründete Allianz europäischer Automobilregionen hat heute auf ihrem ersten Treffen über den Wandel in der Autobranche diskutiert. Nicolas Schmit, EU-Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte, hat gemeinsam mit deutschen und spanischen Politikern die "Leipziger Erklärung" verabschiedet.

Roboter messen die Lackdicke an einer Karosserie im BMW-Werk Leipzig.
Derzeit gehören der "Automotive Regions Alliance" 29 Regionen in Europa an. Bildrechte: dpa

Leipzig ist Gastgeber des ersten Arbeitstreffens der neuen europäischen Allianz

In Leipzig hat die erste Konferenz der "Automotive Regions Alliance" stattgefunden. Die Allianz europäischer Automobilregionen wurde im Sommer dieses Jahres aus der Taufe gehoben. Gemeinsam sollen damit Schritte im Strukturwandel angegangen werden. "Europa braucht mehr denn je eine wettbewerbsfähige, nachhaltige Autoindustrie!", ist eine der zentralen Aussagen des Treffens auf der Leipziger Messe gewesen.

Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung Thomas Schmidt (CDU) betonte, welche große Ehre es für sein Bundesland sei, Gastgeber des ersten Arbeitstreffens der internationalen Allianz zu sein: "Wir als Automobilregionen Europas wollen die Politik beeinflussen – aber indem wir uns einbringen und auf die regionalen Herausforderungen hinweisen und das im engen Austausch mit der EU-Kommission und dem europäischen Parlament."

Mann vor sächsischer Staatskanzlei
Thomas Schmidt, Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung, betont den nötigen engen Austausch mit der EU-Kommission und dem europäischen Parlament. Bildrechte: Fotoatelier Klemm

Wir als Automobilregionen Europas wollen die Politik beeinflussen. Aber indem wir uns einbringen und indem wir auf die regionalen Herausforderungen hinweisen.

Thomas Schmidt, Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung

Hohe Beschäftigtenzahlen sorgen für große Herausforderungen

Den Stellenwert der Automobilbranche für Europa mit rund 1,8 Millionen Unternehmen mit mindestens 16 Millionen Beschäftigten schätzte EU-Kommissar Nicolas Schmit als gigantisch ein. Und als ebenso gigantisch bezeichnete er die Herausforderungen, vor denen man nun stehe: "Wir als Kommission haben ein ambitioniertes Ziel vorgegeben. Europa soll CO2-neutral werden. Und die Automobilindustrie muss ihren Beitrag dazu leisten."

Mann im Anzug vor grauem Hintergrund
Die Beschäftigten sollten sich auch neuen Aufgaben im Leichtbau, in der Rohstoff-Kreislaufwirtschaft oder im Batteriesektor öffnen, so Nicolas Schmit, EU-Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte. Bildrechte: European Union

Europa soll CO2-neutral werden. Und die Automobilindustrie muss ihren Beitrag dazu leisten.

Nicolas Schmit, EU-Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte

Sachsen ist schon weit vorn

Ein Punkt im Fokus ist der europäischen Automobilregionen ist der Umstieg auf die Elektromobilität. In diesem Bereich ist Sachsen gut aufgestellt. Erst am 16. November verkündete das Wirtschaftsminsiterium des Freistaats: "Sachsen ist E-Autoland Nr. 1 in Europa". Nirgendwo in Europa würden mehr E-Autos gebaut als in Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau, denn Sachsen habe den Transformationsprozess früh begonnen.

Gemeinsame Anstrengung mit öffentlicher Hilfe nötig

Der Transformationsprozess zur Klimaneutralität sei längst nicht in allen Allianz-Regionen so weit fortgeschritten wie in Sachsen, erklärten die Teilnehmer des heutigen Treffens. Derzeit gehören der "Automotive Regions Alliance" 29 Regionen an, allein Italien ist mit neun Regionen vertreten, Deutschland mit fünf – Sachsen-Anhalt ist heute als sechste Region dazugekommen. María Chivite, die Präsidentin der spanischen Region Navarra, wo Volkswagen seine Modelle Polo und T-Cross produziert, unterstrich: "Alle Regionen arbeiten bereits an der Bewältigung des Wandels in der Automobilindustrie. Dies benötigt aber ein hohes Maß an öffentlichem Engagement."

Keine Jobgarantie in Aussicht

Ein Punkt der heute verabschiedeten "Leipziger Erklärung" ist auch, dass die Allianz eng mit einschlägigen politischen Akteuren zusammenarbeiten will. Ziel sei es, in den Bereichen Forschung, Innovation und Unternehmensentscheidungen weltweit konkurrenzfähig zu bleiben und vor allem die negativen Auswirkungen des Wandels auf die Beschäftigung zu minimieren. "Eine 1:1-Jobgarantie können wir aber nicht geben", gab Staatsminister Schmidt zu bedenken. Auch EU-Kommissar Schmit wies darauf hin, dass niemand seinen Job in einer Region behalten könne, in der nur Firmen angesiedelt seien, deren Technologie auslaufe. Vielmehr sollten sich alle Beschäftigten auf neue Aufgaben einstellen. Diese könnten im Leichtbau, in der Rohstoff-Kreislaufwirtschaft oder im Batteriesektor liegen, wo laut Schmit allein 800.000 neue Arbeitsplätze entstehen sollen.     

Im kommenden Jahr werden die Mitglieder der Allianz der Automobilregionen zum nächsten Treffen zusammenkommen. Das soll dann in einer anderen Region und unter einem neuen Vorsitz stattfinden.

MDR Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 17. November 2022 | 19:00 Uhr

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