Faktencheck Verkauft Indien russisches Öl nach Europa?

Niels Bula
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Wie wirksam sind die Wirtschaftssanktionen, mit denen westliche Länder Russland für den Krieg in der Ukraine bestrafen wollen? Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht meint, die Sanktionen brächten überhaupt nichts. Sie argumentiert, Russland finde immer noch Abnehmer für sein Öl und die verkauften das Öl dann weiter, zum Beispiel Indien. Stimmt das? Ein Faktencheck.

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Ist das Öl-Embargo der westlichen Länder wirkungslos? Ja, meint Linken-POlitikerin Sarah Wagenknecht. Bildrechte: IMAGO/NurPhoto

Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht hält die Wirtschaftssanktionen der westlichen Länder gegen Russland für seinen Angriffskrieg in der Ukraine für wirkungslos. Wagenknecht argumentiert, dass Russland immer noch Abnehmer für sein Öl finde und die lieferten das Öl dann weiter.

Konkret sagt Wagenknecht: "Das Öl, das wir nicht mehr kaufen, das kaufen mit Freude die Inder zum Beispiel, verarbeiten das Öl dann auch, und verkaufen den Diesel unter anderem in die Europäische Union. Der ist dann natürlich sehr viel teurer als wenn wir direkt russisches Öl beziehen. Und das zeigt natürlich auch die ganze Absurdität dieser Maßnahmen."

Doch stimmt das? Importiert Indien russisches Öl und verkauft es dann als Diesel weiter nach Europa?

Fakt I: Indien kauft mehr russisches Öl

Besonders groß ist der türkisfarbene Balken, der für Indien steht, nicht. Auf ihrer Internetseite hat die finnische Denkfabrik Centre for Research on Energy and Clean Air ein paar Diagramme zusammengestellt, die zeigen wohin Russland sein Rohöl verkauft.

Im Mai importierte Indien demnach sieben Prozent der Gesamtmenge, im Juni schrumpfte der Balken wieder auf vier Prozent. Und trotzdem ist er größer als zu Jahresbeginn. Denn kurz vor dem Krieg in der Ukraine kaufte Indien kaum russisches Öl. Eine Entwicklung, die auch Thomas Puls vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln beobachtet: "Indien importiert definitiv mehr Öl aus Russland. Das liegt einfach daran, dass Russland seinen alternativen Rabatt einen gewaltigen Preisrabatt gewähren muss. Der liegt seit Kriegsbeginn so zwischen 30 und 35 Dollar pro Fass."

Fakt II: Indien verkaufte im April Kraftstoffe in Milliardenhöhe an die EU

Das Center für Research on Energy and Clean Air geht davon aus, dass Indien dieses Öl als Kraftstoff gleich weiterverkauft – und zwar auch an die EU. Denn nicht nur beim Import von russischem Öl wachsen die Diagrammbalken, auch die Exporte von indischen Mineralölprodukten gehen in die Höhe. Nach Angaben des indischen Handelsministeriums verkaufte Indien im April Kraftstoffe im Wert von etwa einer Milliarde US-Dollar an die EU. 2021 waren es im selben Zeitraum noch 287 Millionen Dollar.

Wirtschaftsexperte Thomas Puls glaubt aber, dass diese Entwicklung nicht von langer Dauer ist. "Im Mai gab es schon einen deutlichen Rückgang. Und die indische Regierung hat Anfang Juni Exportsteuern erhoben, weil sie versuchen möchte den Kraftstoffpreis in Indien geringer zu halten. Deshalb denke ich, dass sich dieser Faktor weitgehend erledigen wird", erklärt Puls.

Fazit: Experten halten Export von russischem Rohöl für wahrscheinlich

Vollständig belegen lässt es sich nicht, dass Indien russisches Öl weiter nach Europa verkauft hat. Denn es gibt keine Informationen darüber, ob die exportierten indischen Mineralölprodukte russisches Rohöl enthalten. Weil aber Indien mehr importiert und kurze Zeit später auch mehr exportiert hat, halten es Experten wie Thomas Puls zumindest für wahrscheinlich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Juli 2022 | 06:00 Uhr

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