Viertgrößter Autokonzern der Welt Megafusion von Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler rückt näher

Zusammen verkauften sie vor der Corona-Krise 8,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr und machten einen Umsatz von 170 Milliarden Euro – die EU-Kommission hat die Fusion der Auobauer PSA und Fiat Chrysler nun genehmigt. Die Entscheidung hat auch Auswirkungen auf Deutschland.

Arbieter in Arbeitsanzug mit Aufdruck 'PSA Groupe' in einer Werkhalle
PSA und Fiat Chrysler wollen ihre Fusion bis Ende März abschließen. Bildrechte: dpa

Der Opel-Mutterkonzern PSA und Fiat Chrysler sind der geplanten Megafusion zum viertgrößten Autobauer der Welt einen Schritt näher gekommen. Die EU-Wettbewerbshüter in Brüssel gaben am Montag grünes Licht für das milliardenschwere Zusammengehen der beiden Konzerne. Um Bedenken der Kartellwächter auszuräumen, müssen die Unternehmen allerdings Verpflichtungszusagen vollständig umsetzen.

Die Hersteller zeigten sich zufrieden mit der Genehmigung, die die Fusion und Gründung des künftigen Konzerns "Stellantis" ermöglicht. PSA – zu dem die Marken Opel, Peugeot, DS und Citroën gehören – und Fiat Chrysler – mit den Marken Alfa Romeo, Lancia, Maserati, Dodge oder Jeep – hatten ihre Fusionspläne vor rund einem Jahr öffentlich gemacht. Die Autobauer bestätigten nun ihren bisherigen Fahrplan, wonach der Zusammenschluss bis Ende März kommenden Jahres umgesetzt werden soll.

Branche im Umbruch

Fiat Chrysler und PSA setzten vor der Corona-Krise zusammen rund 8,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr ab und hatten einen Umsatz von 170 Milliarden Euro. Nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund waren 2019 größer.

Lösche bei Demo Opel 24.11.2020
Demo für den Erhalt der Arbeitsplätze im November bei Opel in Eisenach. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die gesamte Branche ist mit einer Doppelbelastung aus Pandemie-Folgen und Technik-Umbruch konfrontiert. Hersteller müssen Milliarden in den schwierigen Wandel zur E-Mobilität und Digitalisierung stecken. Der Nachfrageeinbruch in der Corona-Krise erhöht den Druck: Weniger Verbraucher interessieren sich für die Anschaffung eines Autos.

EU stellt Forderungen

Die Wettbewerbshüter der EU entschieden nach einer monatelangen Prüfung, dass die Hersteller zwei Verpflichtungen einhalten müssen. Zum einen soll eine bereits bestehende Kooperation zwischen PSA und Toyota erweitert werden, wonach PSA für Toyota leichte Nutzfahrzeuge für den Verkauf in der EU fertigt. Zum anderen sollen die Reparatur- und Wartungsverträge von PSA und FCA mit ihren Werkstätten geändert werden.

Neuer Name - viele Marken

Der künftige Konzern soll vom lateinischen Wort für Stern ("Stella") abgeleitet "Stellantis" heißen. Die einzelnen Markennamen wie Opel, Peugeot, Citroën, Chrysler, Jeep, Alfa Romeo, Lancia, Abarth oder Dodge sollen aber weiter Bestand haben.

Opel-Chef Michael Lohscheller hatte im Oktober der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt, dass er den Stammsitz Rüsselsheim in dem neu entstehenden Konzern als gut aufgestellt sieht. Opel bleibe die einzige deutsche Marke im Konzern. Man habe viele Entwicklungsprojekte bekommen und fertige auch für andere Konzernmarken, so Lohscheller. PSA-Chef Tavares hatte dafür gesorgt, dass Opel nach langen Verlustjahren wieder Gewinne einfährt. Dabei blieben aber viele Arbeitsplätze auf der Strecke. Im November hatte es im Eisenacher Werk Proteste für den Erhalt der Arbeitsplätze gegeben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Dezember 2020 | 12:30 Uhr

6 Kommentare

Armin C. vor 44 Wochen

"Inzwischen tauscht man bei ganzen Fahrzeugklassen nur noch das Fiat- oder Peugot-Symbol gegen einen Opel-Blitz aus."
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Ja, die haben eben verstanden.
Aber fahren sie dann auch noch so sicher wie auf Schienen?

Harka2 vor 44 Wochen

Es ist sicher nicht die Schuld von Opel, dass man Opel heute nicht gerade für modern und zukunftsweisend hält. Die Zeiten, als man mit Kapitän, Admiral, Diplomat etc. Zeichen setzte, sind lange vorbei. Der gehobene Markt findet ohne Opel statt. Es gibt gute Gründe, warum US-Fahrzeuge außerhalb der USA nahezu unverkäuflich sind. Die lausige Verarbeitungsqualität ist einer der Gründe dafür. Sportwagen baut Opel auch keine mehr. Selbst bei den VANs hat man sich fast komplett vom Markt genommen.

Opel baut inivative Konzeptfahrzeuge, in die Serie schafft es davon aber keiner.

Inzwischen tauscht man bei ganzen Fahrzeugklassen nur noch das Fiat- oder Peugot-Symbol gegen einen Opel-Blitz aus.

Harka2 vor 44 Wochen

Nun ja, die Fusionen mit den US-Automarken war bisher eher selten von Vorteil. Gerade Chrysler ist da ja nun wirklich nicht so die Erfolgsgeschichte. Chrysler ist nur noch eine Marke, die man auch schon mal an südkoreanische Autos pappt und Jeeps stehen auch eher für Autos, die mehr saufen als ein preußischer Grenadier. Keine der Firmen steht für Inovation. Hat Opel nach dem Manta noch mal ein Fahrzeug mit Charakter gebaut? Ach ja, den Maxx, aber den hat der amerikanische Mutterkonzern damals verboten und den Markt später dem Smart überlassen ...

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