Sipri-Bericht Mehr weltweite Rüstungsverkäufe trotz der Corona-Pandemie

Die Weltwirtschaft leidet unter der Corona-Pandemie, zahlreiche Branchen kämpfen mit Liefer-Engpässen – doch die Waffenindustrie beeindruckt das kaum. Die 100 größten Waffenhersteller der Welt konnten ihre Umsätze im letzten Jahr steigern. Das Friedensforschungsinstitut SIPRI hat seinen jährlichen Bericht zu den weltweiten Rüstungsverkäufen vorgelegt.

Helikopter Sikorsky CH-53K King Stallion
Der größte deutsche Waffenhersteller Rheinmetall kooperiert mit dem US-Helikopter-Produzent Sikorsky. Rheinmetall verzeichnete einen Umsatzanstieg von 5,2 Prozent. Bildrechte: Rheinmetall/dpa

Die weltweit führenden Rüstungsfirmen haben trotz der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr ihre Umsätze gesteigert. Die 100 größten Hersteller setzten insgesamt 531 Milliarden US-Dollar (470 Milliarden Euro) um – ein Plus von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag bekanntgab.

US-Unternehmen führen Sipri-Rangliste an

Mit Abstand führend sind US-Unternehmen, dahinter folgen Rüstungsfirmen aus China. Die Umsätze der vier deutschen Hersteller in der Liste erhöhten sich laut Sipri auf 8,9 Milliarden Dollar, ihr Anteil am Gesamtumsatz der 100 größten Rüstungsunternehmen lag bei 1,7 Prozent. Trotz schrumpfender Weltwirtschaft und Lieferkettenengpässen seien die Branchenriesen "weitgehend durch die anhaltende staatliche Nachfrage nach militärischen Gütern und Dienstleistungen geschützt", sagt Alexandra Marksteiner, Sipri-Expertin für Rüstungsproduktion. Einige Regierungen hätten sogar ihre Zahlungen an die Rüstungsindustrie erhöht, um die Auswirkungen der Covid-19-Krise abzumildern.

US-Unternehmen dominieren auch 2020 die Sipri-Rangliste. Die Umsätze durch Waffenverkäufe der 41 in der Liste geführten US-Firmen beliefen sich zusammen auf 285 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um 1,9 Prozent im Vergleich zu 2019. Auf die US-Rüstungsproduzenten entfielen 54 Prozent der gesamten Waffenverkäufe der Top 100. 

Chinesische Firmen auf dem Vormarsch

Chinesische Firmen entwickeln sich derweil zu einigen der "fortschrittlichsten Militärtechnologieproduzenten der Welt", wie Nan Tian, leitender Wissenschaftler bei Sipri, sagte. Auf die fünf chinesischen Rüstungsfirmen in der Rangliste entfielen 13 Prozent des Gesamt-Umsatzes. Damit befindet sich China zwar weit hinter den USA, aber noch vor Großbritannien, das auf Platz drei liegt. Chinesische Firmen verkauften laut Sipri Rüstungsgüter im Wert von schätzungsweise 66,8 Milliarden Dollar – 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die chinesischen Hersteller hätten in den vergangenen Jahren von den militärischen Modernisierungsprogrammen des Landes sowie der Verschmelzung von militärischen und zivilen Projekten profitiert, sagte Nan Tian. 

Die europäischen Hersteller wiesen im ersten Corona-Jahr hingegen eine aus wirtschaftlicher Sicht durchwachsene Bilanz auf. Auf die 26 europäischen Rüstungsunternehmen entfielen zusammen 21 Prozent der gesamten Waffenverkäufe (109 Milliarden Dollar). Der Umsatz des britischen Konzerns BAE Systems – des einzigen europäischen Unternehmens unter den Top 10 – stieg laut dem Bericht um 6,6 Prozent auf 24 Milliarden Dollar. Hingegen brach der Umsatz der französischen Unternehmen um 7,7 Prozent ein. Die vier deutschen Unternehmen in der Sipri-Liste generierten ein Umsatzplus von 1,3 Prozent, wobei der größte deutsche Waffenhersteller Rheinmetall einen Anstieg von 5,2 Prozent verzeichnete. Der Schiffbauer ThyssenKrupp hingegen meldete einen Rückgang von 3,7 Prozent.

Abwärtstrend bei russischen Rüstungsfirmen

Russlands größte Rüstungshersteller sahen sich das dritte Jahr in Folge mit einem Umsatzrückgang konfrontiert. Die Verkaufsbilanzen der neun in der Rangliste geführten Firmen sanken laut Sipri um 6,5 Prozent auf 26,4 Milliarden US-Dollar. Der Rückgang fiel laut Sipri mit pandemiebedingten Lieferverzögerungen und dem Ende des staatlichen Rüstungsprogramms zusammen.

Insgesamt beliefen sich die Waffenverkäufe der Unternehmen in den Top 100 mit Sitz außerhalb der USA, Chinas, Russlands und Europas auf 43,1 Milliarden Dollar – dies entsprach 8,1 Prozent des Gesamtumsatzes der 100 größten Hersteller.

Katholisches Hilfswerk Misereor kritisiert falsche Prioritäten

Das katholische Hilfswerk Misereor kritisierte die Rüstungsgeschäfte. Der Bericht zeige "einmal mehr", dass "die Staaten dieser Welt in Krisenzeiten falsche Prioritäten setzen", sagte dessen Hauptgeschäftsführer, Pirmin Spiegel, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Corona-Pandemie bedeute für viele Menschen den Verlust ihrer Lebensgrundlagen. "Gleichzeitig boomt die Rüstungsindustrie, und auch deutsche Hersteller machen gute Geschäfte zulasten von Menschen in Konfliktregionen und auf Kosten zahlreicher Gewaltopfer." Die neue Bundesregierung müsse nun "ernst machen mit ihren Ankündigungen zur Exportkontrolle und Abrüstung", sagte Spiegel.

afp,epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 06. Dezember 2021 | 12:00 Uhr

3 Kommentare

copecle vor 7 Wochen

Widerlich, einfach nur widerlich. Scheint aber auch niemanden zu interessieren. Sich über spuckende Patienten die Mäuler zu zerreißen, ist wichtiger.

Nur noch Wahnsinnige auf dem großen Schachbrett.

Anni22 vor 7 Wochen

Na da sollten wir uns doch alle Mühe geben, dass all diese Technik nicht ausprobiert wird in der Ukraine.....

wer auch immer vor 7 Wochen

Wer kauft sich schon ein "TV - Gerät" und nutzt es nicht?

Wünschen wir uns Alle das diese Produkte als ungenutzte Neuware verschrottet werden.

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