Energiekrise Steigende Preise sorgen für Pleiten bei Stromversorgern

Unter steigenden Strom- und Gaspreisen leiden auch Energieversorger. In Tschechien hat bereits ein Anbieter seinen Betrieb eingestellt – auch in Deutschland gibt es erste Insolvenzen. Was heißt das für den Verbraucher?

Ein Stromstecker, sowie Geldscheine und Münzen
Hohe Einkaufspreise beunruhigen Anbieter von Strom und Gas Bildrechte: dpa

Seit Wochen blicken nicht nur die Verbraucher mit Sorge auf die steigenden Preise am Energiemarkt. Auch Anbieter von Strom und Gas sind beunruhigt. Höhere Einkaufspreise bei langfristig günstigen Konditionen für ihre Kunden bedeuten Verluste. Am 13. Oktober verkündete bereits der größte alternative Anbieter von Strom in Tschechien sein Aus. "Bohemia Energy" hatte rund 900.000 Kunden – fast jeder zehnte Tscheche ist von der Pleite betroffen.

Auch in Deutschland geraten Stromanbieter aufgrund der steigenden Preise immer stärker unter Druck. In den vergangenen Tagen haben mit dem Strom- und Gaslieferanten "Otima Energie" aus Brandenburg sowie dem Hamburger Unternehmen "Smiling Green Energy" bereits zwei Firmen Insolvenz anmelden müssen. Es handelt sich dabei zwar um eher kleinere Anbieter – aber ihre Pleiten könnten laut Experten erst der Anfang sein.

Eine Gasflamme
Erste Insolvenzen bei alternativen Strom- und Gaslieferanten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Billiganbieter unter Druck

Es sei mit weiteren Insolvenzen zu rechnen, sagt etwa der Strom-Experte Matthias Brinkhaus von der Berliner Energieberatung Energy Brainpool dem MDR. Insbesondere sogenannte Discount-Anbieter könnten unter Druck geraten. "Je länger die Lage der hohen Gas- und Strompreise anhält, umso mehr Versorger könnte es treffen", so Brinkhaus weiter.

Ob auch große Anbieter in Schwierigkeiten geraten können, ist unklar. "In der Regel hat ein gut geführter Versorger auch ein Risikomanagement, das bestimmte Preisschwankungen aushalten kann, doch die aktuellen Entwicklungen sind außergewöhnlich", sagt der Experte. Und ein Sprecher des Vergleichsportals Verivox weist im Gespräch mit dem MDR darauf hin, dass die derzeitige Preissituation im Großhandel vor allem für Versorger, die kurzfristig Strom einkaufen müssen, eine größere Herausforderung ist.

Eine Windenergieanlage steht neben einem Steinkohle-Kraftwerk und Hochspannungsleitungen.
Pleiten können auch große Anbieter betreffen Bildrechte: imago/Jochen Tack

Preise könnten trotz fallender EEG-Umlage steigen

Kunden von alternativen Anbietern sollten sich also auf den Fall einstellen, dass ihr Versorger zahlungsunfähig werden könnte. Strom bekommen sie dann allerdings weiterhin. Der wird dann aber unter Umständen teurer. Denn sollte der insolvente Anbieter die Lieferungen stoppen, muss der Grundversorger einspringen. Das sind oft die regionalen Stadtwerke. Das kann laut Verbraucherzentrale zu einem höheren Stromtarif führen – und die bisherigen Zahlungen an den insolventen Anbieter könnten verloren sein.

Seit der Öffnung des Strommarktes 1998 bietet eine große Anzahl von Anbietern in der Bundesrepublik Strom an. Laut aktuellstem Bericht der Bundesnetzagentur aus dem vergangenen Jahr waren 1.430 Unternehmen als Elekrizitätslieferanten bekannt. Nur rund 100 davon liefern allerdings deutschlandweit Strom, die restlichen bieten die Energie regional an. Der Strompreis für Verbraucher liegt derzeit bei durchschnittlich 32 Cent pro Kilowattstunde. Experten gehen davon aus, dass er weiter steigen könnte. Und das, obwohl die sogenannte EEG-Umlage ab dem nächsten Jahr um 2,7 Cent pro Kilowattstunde fallen soll.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell Radio | 15. Oktober 2021 | 13:30 Uhr

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