Angehörige der ethnischen Minderheit Rohingya gehen am 01.09.2017 in Cox's Bazar (Bangladesch) an Reisfeldern vorbei. Die Gewalt in der Unruheprovinz Rakhine im süostasiatischen Myanmar fordert immer mehr Todesopfer. Mindestens 38 000 muslimische Rohingya sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) seit dem 25. August in das muslimische Nachbarland Bangladesch geflohen.
Angehörige der ethnischen Minderheit Rohingya in Bangladesch. Bildrechte: dpa

Stichwort Wer sind die Rohingya?

Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit im buddhistischen Myanmar, die nicht als Staatsbürger anerkannt werden. Die rund eine Million Menschen haben keinen Anspruch auf die myanmarische Staatsbürgerschaft.

Angehörige der ethnischen Minderheit Rohingya gehen am 01.09.2017 in Cox's Bazar (Bangladesch) an Reisfeldern vorbei. Die Gewalt in der Unruheprovinz Rakhine im süostasiatischen Myanmar fordert immer mehr Todesopfer. Mindestens 38 000 muslimische Rohingya sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) seit dem 25. August in das muslimische Nachbarland Bangladesch geflohen.
Angehörige der ethnischen Minderheit Rohingya in Bangladesch. Bildrechte: dpa

Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit im vorwiegend buddhistischen Myanmar, die nicht als Staatsbürger anerkannt werden. Sie leben vor allem im nördlichen Teil des an Bangladesch grenzenden Staates Rakhine, eine der 15 Verwaltungseinheiten von Myanmar.

Gelten nicht als Staatsbürger

Die rund eine Million Menschen gelten gemäß dem Staatsbürgergesetz von 1982 nicht als eine der 135 einheimischen Bevölkerungsgruppen und haben damit keinen Anspruch auf die myanmarische Staatsbürgerschaft - und damit nicht auf Bildung und Arbeit.

Die westliche Geschichtsschreibung geht davon aus, dass einzelne Vorfahren der Rohingyas muslimische Bengalis waren, die sich seit dem 16. Jahrhundert im Norden des heutigen Myanmars ansiedelten. Der größte Teil von Muslimen scheint demnach aber erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eingewandert zu sein, worauf Aufzeichnungen der damaligen britischen Kolonialmacht schließen lassen.

"Am stärksten verfolgte Minderheit der Welt"

Von den Vereinten Nationen werden sie als die "am stärksten verfolgte Minderheit der Welt" eingestuft. Seit der Unabhängigkeit Birmas am 4. Januar 1948 führte die Regierung gegen die Rohingya 20 groß angelegte Militäroperationen.

Rund 1,5 Millionen Rohingyas leben aufgrund der Repressionen und Verfolgungen als Flüchtlinge in Bangladesch, Indien, Pakistan, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Thailand und Malaysia.

Herkunft der Rohingya unklar

Die Herkunft der Rohingya ist umstritten. Die Menschen selbst sehen sich als lange in Rakhine ansässige Volksgruppe, die vor rund 1.000 Jahren zum Islam konvertierte.

Westliche Forscher gehen eher davon aus, dass die muslimische Bevölkerung ursprünglich auf deportierte und geflohene Bengalis zurückgeht, die von Königen im 16. und 18. Jahrhundert angesiedelt wurden. Der Anteil an Moslems an der Gruppe kann jedoch nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Britische Aufzeichnungen aus der Kolonialzeit belegen, dass es Migration ab 1891 bis 1971 gegeben hat.

Aufständische kämpfen für unabhängigen Staat

Die Rohingya, ein Sammelbegriff verschiedener Gruppen von Aufständischen, kämpfen für die Errichtung eines unabhängigen muslimischen Staates an der Grenze zu Bangladesch. Sie wollen nicht unter einer buddhistischen Regierung leben. Myanmar selbst will Teile ihres Landes nicht verlieren. Staatliche Stellen in Myanmar lehnen die Bezeichnung Rohingya ab und sprechen stattdessen von Bengalis, illegale Einwanderer aus Bangladesch.

Die Sprache der Rohingya steht dem Bengali nahe und gehört zu den indoarischen Sprachen innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie und ist damit eine andere Sprache als in Myanmar gesprochen wird.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.09.2017 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2017, 14:21 Uhr

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8 Kommentare

23.10.2017 14:39 Immer langsam - erst genau hinsehen: 8

@23.10.2017 10:28 RZille (Nein, es wird darauf aufmerksam gemacht, das über eine halbe Million Muslime in Myanmar politisch verfolgt und ihre Dörfer angezündet werden.)

Immer langsam mit der heiligen Empörung: Eventuell sollten Sie sich die Lage dort GENAU vor Augen führen. Es ist keineswegs so, dass diese Gruppe "einfach so" oder ohne jeden Anlass ausgegrenzt wird. Das Gegenteil ist der Fall. Zudem kann ich jedes Land verstehen, dass nicht noch weitere Scherereien mit der Religion des Friedens und der Liebe im eigenen politischen Umfeld haben möchte. Und genau diese "Scherereien" wären die unabwendbare Folge eines Rohingya-Zwergstaates.
Zudem finde ich den Gedanken einfach köstlich, schlicht vorauszusetzen, dass die Nachbarn dafür Territorium "zur Verfügung" stellen müssten.

BTW: Man könnte anhand dieses Beispiels mal zwanglos über das Modell der aktiven Integration als solcher diskutieren - wenn "man" mit den Ergebnissen leben kann.

23.10.2017 12:50 Wachtmeister Dimpfelmoser 7

Noch bleiben wir hier in Deutschland von solchen Forderungen bezüglich eines muslimischen Separatstaates verschont. Und sie wird auch nicht kommen. Denn da stehen höhere Ziele im Raum. Adenauer wollte lieber "... ein halbes Deutschland ganz als ein ganzes Deutschland halb". Wir müssen aufpassen, dass uns nicht ganz Deutschland ganz abgleitet.

23.10.2017 12:40 Alfred Rantzsch 6

wenn es um die Begleichung der 360 Millionen Euro geht, kann ich mir schon vorstellen, wer zu erst die Hand gehoben hat.

23.10.2017 12:27 Woran sie... 5

(Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit im vorwiegend buddhistischen Myanmar, die nicht als Staatsbürger anerkannt werden.)

...tatkräftig mitgewirkt haben - an der Ablehnung und fehlenden Anerkennung. Auch hier wird offensichtlich wieder nach Gut<>Böse-Schema verfahren. Die Angelegenheit ist allerdings weit komplizierter und sieht aus der Perspektive der Ablehnenden durchaus anders und nachvollziehbar aus. Ich frage mich, rein rhetorisch, warum das nicht ausreichend medial kommuniziert wird.

Und ich frage mich ganz nebenbei, warum die UN-Geberkonferenz sich so überaus schwer tut mit dem segensreichen Wirken des global agierenden Kapitals. Da könnte es durchaus Gründe geben.

23.10.2017 11:06 ralf meier 4

Da lese ich: 'Die Rohingya, ein Sammelbegriff verschiedener Gruppen von Aufständischen, kämpfen für die Errichtung eines unabhängigen muslimischen Staates'.

Gut, daß es noch Länder gibt, die sich dagegen wehren und nicht tatenlos zuschauen, wie ihr Land von Anhängern eines muslimischen Staates übernommen wird.

23.10.2017 10:28 RZille 3

"Jochen", Ihr Kommentar ist an Zynismus nicht zu überbieten: "...die Werbetrommeln werden gerührt...": Nein, es wird darauf aufmerksam gemacht, das über eine halbe Million Muslime in Myanmar politisch verfolgt und ihre Dörfer angezündet werden. "Jeder muss sehen, das er selber klarkommt". Genau, das hätte die BRD bei den DDR-Flüchtlingen (deren Häuser nicht angezündet wurden...) natürlich auch sagen können und sie wieder zurück schicken sollen!??

19.09.2017 12:20 jochen 2

Die Medien schlagen wieder alle Werbetrommeln !
Was haben wir Deutschen mit den Rohingya und ihren Problemen zu schaffen ?

Absolut nichts.
Merke - Jeder muss sehen, das er selber klarkommt.

19.09.2017 10:28 Markus 1

In EU gibt es so etwas auch: in Estland, Lettland und Litauen gibt es außer Bürger und Ausländer noch eine Gruppe, die heißen "Nichtbürger". Das sind in diesen Ländern geborene Einwohner, deren Eltern keine etnische Esten, Letten und Litauern sind. Sie haben in ihren Heimatländern auch beschränkte Rechte wie diese Rohingya. Wenn EU so etwas für sich selbst als richtig hält, hat sie kaum noch moralische Recht, Myanmar für das Gleiche zu verurteilen. Europäische "Nichtbürger" kämpfen zwar immer noch nicht mit Gewalt für ihre Rechte...