Stichwort Wer sind die Rohingya?

Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit im buddhistischen Myanmar, die nicht als Staatsbürger anerkannt werden. Die rund eine Million Menschen haben keinen Anspruch auf die myanmarische Staatsbürgerschaft.

Rohingya-Flüchtlinge in einem Camp in Nayapara in Bangladesch
Angehörige der ethnischen Minderheit Rohingya in Bangladesch. Bildrechte: imago/Rene Traut

Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit im vorwiegend buddhistischen Myanmar, die nicht als Staatsbürger anerkannt werden. Sie leben vor allem im nördlichen Teil des an Bangladesch grenzenden Staates Rakhine, eine der 15 Verwaltungseinheiten von Myanmar.

Gelten nicht als Staatsbürger

Die rund eine Million Menschen gelten gemäß dem Staatsbürgergesetz von 1982 nicht als eine der 135 einheimischen Bevölkerungsgruppen und haben damit keinen Anspruch auf die myanmarische Staatsbürgerschaft - und damit nicht auf Bildung und Arbeit.

Die westliche Geschichtsschreibung geht davon aus, dass einzelne Vorfahren der Rohingyas muslimische Bengalis waren, die sich seit dem 16. Jahrhundert im Norden des heutigen Myanmars ansiedelten. Der größte Teil von Muslimen scheint demnach aber erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eingewandert zu sein, worauf Aufzeichnungen der damaligen britischen Kolonialmacht schließen lassen.

"Am stärksten verfolgte Minderheit der Welt"

Von den Vereinten Nationen werden sie als die "am stärksten verfolgte Minderheit der Welt" eingestuft. Seit der Unabhängigkeit Birmas am 4. Januar 1948 führte die Regierung gegen die Rohingya 20 groß angelegte Militäroperationen.

Rund 1,5 Millionen Rohingyas leben aufgrund der Repressionen und Verfolgungen als Flüchtlinge in Bangladesch, Indien, Pakistan, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Thailand und Malaysia.

Herkunft der Rohingya unklar

Die Herkunft der Rohingya ist umstritten. Die Menschen selbst sehen sich als lange in Rakhine ansässige Volksgruppe, die vor rund 1.000 Jahren zum Islam konvertierte.

Westliche Forscher gehen eher davon aus, dass die muslimische Bevölkerung ursprünglich auf deportierte und geflohene Bengalis zurückgeht, die von Königen im 16. und 18. Jahrhundert angesiedelt wurden. Der Anteil an Moslems an der Gruppe kann jedoch nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Britische Aufzeichnungen aus der Kolonialzeit belegen, dass es Migration ab 1891 bis 1971 gegeben hat.

Aufständische kämpfen für unabhängigen Staat

Die Rohingya, ein Sammelbegriff verschiedener Gruppen von Aufständischen, kämpfen für die Errichtung eines unabhängigen muslimischen Staates an der Grenze zu Bangladesch. Sie wollen nicht unter einer buddhistischen Regierung leben. Myanmar selbst will Teile ihres Landes nicht verlieren. Staatliche Stellen in Myanmar lehnen die Bezeichnung Rohingya ab und sprechen stattdessen von Bengalis, illegale Einwanderer aus Bangladesch.

Die Sprache der Rohingya steht dem Bengali nahe und gehört zu den indoarischen Sprachen innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie und ist damit eine andere Sprache als in Myanmar gesprochen wird.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.09.2017 | 07:00 Uhr