Covid-19 Was gilt für Verträge mit Fitnessstudio, Theater & Co?

Abonnements und Beitragszahlungen in Zeiten der Corona-Krise: Theater, Tanzschulen oder auch Fitnessstudios haben geschlossen. Die monatlichen Kosten für ursprünglich gebuchte Vorstellungen und Kurse gehen trotzdem vom Konto ab. Muss man Beiträge trotzdem zahlen, obwohl die Leistung nicht erbracht wird? Oder sollte man sogar weiterzahlen, um die Anbieter vor dem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren?

leeres Fitnessstudio
Die Fitnessstudios bleiben in Zeiten von Corona vorerst geschlossen. Bildrechte: imago images/Pressefoto Baumann

"HeimatSportler" – der Fitnessanbieter gibt Outdoor-Kurse in Hoyerswerda, Cottbus, Bautzen und Görlitz. Normalerweise. Denn gerade dürfen auch diese Kurse nicht stattfinden. Gründer und Geschäftsführer Martin Hossmang erinnert sich.

"Am Montag kam dann die Meldung der Bundesbehörden. Ich hab dann am nächsten Tag gleich alle Kunden von uns informiert. Zudem hat man dann natürlich erstmal ordentlich geschluckt."

Finanziell schwierige Situation

Denn rechtlich gesehen könne das für Fitnessanbieter eine finanziell schwierige Situation sein, erklärt Claudia Neumerkel vom Verbraucherschutz Sachsen:

"Wenn ich als Kunde eines Fitness- oder Sportstudios die Leistung wegen einer Schließung nicht mehr in Anspruch nehmen kann, dann muss ich auch für diesen Zeitraum nicht mehr bezahlen. Wo keine Leistung erbracht wird, muss auch die Gegenleistung nicht erbracht werden."

Dieser Grundsatz betrifft alle Bereiche, in dem ein konkreter und längerfristiger Verbrauchervertrag geschlossen wurde. Vom Karate-  bis zum Töpferkurs. Bei "HeimatSportler" hat bislang kein Kunde von diesem Recht gebraucht gemacht.

Online-Angebote als Lösung

Vielleicht auch, weil der Fitnessanbieter sofort einen anderen Weg gesucht hat, um seine Kunden zu erreichen: nämlich Online-Kurse. "Wir von unserer Seite geben unsere Bestes, geben Vollgas an unseren Online-Kursen und versuchen so viele wie möglich unserer Kunden bei uns zu behalten."

Auch viele der großen Fitnessstudio-Ketten versuchen ihre Kunden mit Online-Angeboten zu vertrösten. Dies gilt zwar nicht als legitimer Ersatz für die vertraglich vereinbarte Leistung, bindet aber die Kunden weiter an den Anbieter.

Auch von den Kunst- und Kulturschaffenden kommen ähnliche Online-Angebote. Sei es eine Lesung auf Twitter von dem Schriftsteller Saša Stanišić oder das digitale Angebot der Berliner Philharmoniker.

Aufruf zur Spende

Das kann allerdings nur eine Bereicherung für das Publikum sein. Denn die Künstler verdienen dadurch wohl kein Geld. Zwar lassen sich Abonnements an Theatern oder Opern meistens nicht so leicht kündigen, da sie für eine ganze Spielzeit im Voraus bezahlt werden.

Der größere Schaden entsteht durch die einzelnen Tickets für Veranstaltungen, die nun ausfallen müssen. Denn die Tickets können sich Kunden rückerstatten lassen. Viele Musik- und Theaterhäuser haben deshalb dazu aufgerufen, die bereits gekauften Tickets zu spenden, indem auf eine Rückerstattung des Ticketpreises verzichtet wird.

Solidarität mit Theatern, Tanzschulen & Co.

Deutsches Nationaltheater Weimar
Das Nationaltheater in Weimar. Bildrechte: Thomas Müller

Auch am Nationaltheater in Weimar folgten einige Besucher diesem Aufruf, teilte eine Sprecherin mit: "Viele nutzen aber auch die Möglichkeit, ihre Karten gegen einen Gutschein im entsprechenden Geldwert einzutauschen, um damit dann eine spätere Vorstellung zu besuchen. Andere wiederum verzichten im Sinne der Solidarität von vornherein auf eine Rückerstattung ihrer Karten."

Um Solidarität geht es auch Anna, die Kurse an einer Tanzschule in Leipzig nimmt – und weiterbezahlt. "Zumal auch Selbstständige dort arbeiten im Tanzstudio und deren Existenz sonst auch gefährdet ist. Und deshalb finde ich es genau richtig dort zu weiterzahlen."

Zumindest für die, die sich das leisten könnten. Der Verbraucherschutz Sachsen rät in jedem Fall dazu, sich im Zweifelsfall mit dem Anbieter in Verbindung zu setzen und eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. März 2020 | 05:20 Uhr