Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Volkswagen
Ist nach den USA nun auch in Deutschland angeklagt: Martin Winterkorn. Bildrechte: dpa

Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage gegen Ex-VW-Chef Winterkorn

Im Dieselskandal ist der ehemalige VW-Vorstandschef Martin Winterkorn bereits in den USA angeklagt worden. Nun zog auch die deutsche Justiz nach: Winterkorn und vier weiteren Managern wird unter anderem schwerer Betrug vorgeworfen.

Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Volkswagen
Ist nach den USA nun auch in Deutschland angeklagt: Martin Winterkorn. Bildrechte: dpa

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat im Skandal um die Manipulation der Abgaswerte von Dieselmotoren Anklage gegen den früheren Volkswagen-Chef Martin Winterkorn erhoben. Ihm sowie vier weiteren Beschuldigten werden unter anderem schwerer Betrug sowie unlauterer Wettbewerb vorgeworfen.

Einige Beschuldigte werden zudem der Untreue, Steuerhinterziehung und Falschbeurkundung beschuldigt. Der gesamte Tatzeitraum erstreckt sich demnach auf November 2006 bis September 2015. Zuvor war Winterkorn bereits in den USA angeklagt worden.

Kunden und Behörden betrogen

Ex-VW-Chef Winterkorn soll demnach ab 2014 Kenntnis von rechtswidrigen Manipulationen an Diesel-Motoren gehabt haben. Behörden und Kunden in Europa sowie den USA seien von den Angeklagten über den Einbau sogenannter Abschalteinrichtungen getäuscht und erhöhte Schadstoffwerte verschleiert worden.

Die Dieselmodelle seien wahrheitswidrig als besonders schadstoffarm und umweltfreundlich beworben worden. In Europa und den USA wurden demnach mehr als neun Millionen manipulierte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat und Skoda in den Verkehr gebracht. Dafür hätten die Beschuldigten hohe Bonuszahlungen kassiert.

Die irreguläre Abschalteinrichtung sei zudem stets weiterentwickelt und verfeinert worden. Hinzu kommt der Vorwurf einer irregulären Steuerbefreiung von Wagen mit Dieselmotoren der Norm Euro 6, Kategorie N in den Jahren 2011 bis 2013.

Es drohen lange Haftstrafen und Millionenrückzahlungen

Die Namen der vier anderen Angeschuldigten sowie konkretere Tatvorwürfe wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und der Unschuldsvermutung nicht genannt.

Auf Betrug im besonders schweren Fall stehen sechs Monate bis zehn Jahre Haft. Die Anklage fordert zudem die Erstattung unrechtmäßig erlangter Bonuszahlungen in Höhe von knapp 300.000 Euro bis zu knapp elf Millionen Euro.

Volkswagen hatte vor dreieinhalb Jahren auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, Dieselabgaswerte durch eine spezielle Software so manipuliert zu haben, dass die Fahrzeuge die gesetzlichen Grenzwerte nur auf dem Prüfstand einhielten, nicht aber im Straßenbetrieb. Die Wiedergutmachung kostete den Konzern bislang 29 Milliarden Euro, vor allem an Strafen und Entschädigungen in den USA.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. April 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 14:01 Uhr

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24 Kommentare

16.04.2019 14:00 Willy 24

@ 2 3 ,Wunschdenken aber doch nicht in Deutschl. wo die hälfte davon von Betrug wunderbar leben , einer deckt den anderen.

16.04.2019 09:18 Bingo 23

Also gab es einen Betrug. Fazit: Winterkorn ins Gefängniss und die Bertogenen entschädigen,fertig.

15.04.2019 22:35 Wo ist das Lobbyregister? 22

@15.04.2019 21:50 Anton

(Herrn Winterkorn müssen wir retten, er wurde umschuldig gepeitscht. Er war nicht unter denen, die realitätsfremden Normen zu Gesetz gemacht haben. Er wollte, daß wir alle auch weiter Diesel fahren könnten...)

"Realitätsfern"... ich fasse es nicht.
Das muss Satire sein, aber grottenschlechte.

15.04.2019 22:26 Leopold Breuer 21

Und wann werden die Zulassungsbehörden wie das Kraftfahrtbundesamt mal zur Verantwortung gezogen. Es wäre eigentlich deren Pflicht gewesen, ein Testmodell zu entwickeln, was sich nicht auf so plumpe Art und Weise abschalten lässt. Wenn ich etwas kontrolliere und für unbedenklich halte, dann muss ich auch die Verantwortung übernehmen, dass das auch wirklich unbedenklich ist. Kann ich nicht mit Sicherheit sagen, dass etwas unbedenklich ist, muss ich es selbst unabhängig prüfen (lassen)! Die Prüforganisationen haben versagt und dass ist der eigentliche Skandal! Wenn ein Betrug nicht aufgedeckt wird, habe ich Verständnis für Jeden, der dies ausnutzt.

15.04.2019 22:20 Bastel 20

Man sollte nicht 3 oder 5, sondern 50% mehr Lohn fordern, damit diese vor Geld stinkenden Bonzen nicht so viel Geld horten können. Milliardenstrafen (falls VW die überhaupt bezahlen muß), und dennoch steht die Firma immer noch dicke im Geschäft. Da seht Ihr mal, wieviel Milliarden die auf Kosten der Allgemeinheit beiseite geschafft haben. Schimpft nicht auf Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger, diese stinkreichen Bosse saugen viel mehr an Euch, als die sog. "Schmarotzer". Um eine MIlliarde mit ehrlicher Arbeit (äußerst komfortable 25,- Stundenlohn netto) zu verdienen, muß man 14000 Jahre arbeiten. Der olle Marx hatte recht, und Robin Hood fehlt heutztage.

15.04.2019 22:11 W-Roc 19

er hätte Dieselgate verhindern können. Er kannte
doch jede Schraube im Unternehmen, na ja fast jede. Obwohl Herrn Winterkorn versichert wurde, das Niemand die trickreiche Software entschlüsseln könne und ausgelassen auf höchster Ebene gefeiert wurde, die Umsatzzahlen stimmten trotz kleiner
Schummeleien. Auf Bewährung wäre aber nicht fair!

15.04.2019 21:50 Anton 18

Herrn Winterkorn müssen wir retten, er wurde umschuldig gepeitscht. Er war nicht unter denen, die realitätsfremden Normen zu Gesetz gemacht haben. Er wollte, daß wir alle auch weiter Diesel fahren könnten...
Vielleicht sollte er nächste Kanzler werden? Dann wird es zum Lachen mit US-Justiz!

15.04.2019 19:52 Wo ist das Lobbyregister? 17

@15.04.2019 15:28 Gerd Müller

(@15.04.2019 14:18 Wo ist das Lobbyregister?, können Sie das näher erklären mit dem Verlautbarungsorganen.... Oder Angst vorm Zensor?)

"Angst" vor'm Zensor.

Versuchen sie mal im NDR, den Betrugsfall VW und seinen politischen Kontext leserzudiskutieren...

15.04.2019 17:45 Rentner H. 16

..und dann 20.000.000 Abfindung,sinnlos,..der kauft sich doch frei aus seiner Portokasse...solche Typen lachen doch nur übers Fußvolk...

15.04.2019 17:01 Willy 15

der hat soviel Geld , das dem nichts passiert und sich freikaufen kann,