Callcenter-Betreiber Arvato gibt Standorte im Osten auf

Der Callcenter-Betreiber hält an seiner Strategie fest, Standorte in Ostdeutschland zu schließen. Den Betrieben fehle es an Wirtschaftlichkeit, ist die Begründung. Für Verdi kommt das nicht überraschend.

Arvato Bertelsmann
Der Callcenter-Betreiber Arvato zieht sich aus dem Osten teilweise zurück. Bildrechte: IMAGO

Der Callcenter-Betreiber Arvato hat die bevorstehende Schließung mehrerer mitteldeutscher Standorte verteidigt. Sprecher Wolf sagte MDR AKTUELL, den Betriebe fehle die Wirtschaftlichkeit. Das liege an strukturellen Rahmenbedingungen wie Personalkosten, Größe und Abhängigkeit von einzelnen Auftraggebern. Eine wirtschaftliche Fortführung sei deshalb nicht mehr möglich.

Verdi: Entwicklung absehbar

Arvato will am Montag auch seine Standorte Dresden und Suhl schließen. Die Gewerkschaft Verdi zeigte sich nicht überrascht. Fachbereichssekretärin Kerstin Chagoubi sagte, die Geschäfte in der Callcenter-Branche seien rückläufig. Immer mehr Service-Aufgaben würden von Smartphone-Apps übernommen.

Die Gewerkschafterin verwies darauf, dass der Fachkräftemangel betroffenen Beschäftigten neue Perspektiven bieten kann. Frühere Mitarbeiter der im Frühjahr geschlossenen Arvato-Standorte Leipzig und Gera hätten Jobs beim Leipziger DHL-Luftdrehkreuz bekommen. Dort bestehe gerade großer Bedarf im Bereich der Zollabfertigung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juni 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Juni 2019, 09:07 Uhr

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10 Kommentare

01.07.2019 12:02 Fakt 10

>>PISA jetzt auch beim Rundfunk, #6:
"Danke, MDR, für soviel
gutes Deutsch!"<<
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OT:
Wenn wir nun schon Erbsen zählen, dann bitte richtig: Zu gutem Deutsch gehört auch die richtige Zeichensetzung , hier ist eines Ihrer Kommata überflüssig. Und "soviel" wird nur bei der Konjunktion in einem Wort geschrieben. Hier wäre " so viel" richtiger gewesen.
Wie war das doch gleich mit "Pisa"?

30.06.2019 23:18 Mediator an colditzer (7) 9

Wo erkläre ich ihnen denn bitte das Leben? Ich stelle lediglich fest, dass fast völlig unabhängig von der Meldung in diesem Forum ständig gejammert wird. Da aber Jammern und Wehklagen nichts bewegen kann man durchaus ansprechen, dass einen dies stört.

In diesem Artikel jammert man darüber, dass die Politik die Jobs hergeholt hat, darüber, dass es angeblich nur mies bezahlte Jobs waren, darüber dass sie bald verschwunden sind und darüber dass die Entscheidung einer Firmengruppe einen Standort zu schließen selbstverständlich gleich die Inkompetenz der gesamten Wirtschaftspolitik zeigt. Einige beschweren sich sogar, dass die Jobs überhaupt erst entstanden sind und andere wiederum darüber, dass es woanders Jobs gibt, dass man da aber weiter fahren muss.

Nach 40 Jahren zwangsverordnetem Jubel über die Errungenschaften des Sozialismus geht man nun anscheinend ins andere Extrem über.

30.06.2019 22:04 Templitz 8

Die Begründung von Arvato ist ja völlig absurd, dass für die Schließungen unter anderem die Personalkosten verantwortlich sind. Als ob in Ostdeutschland besonders hohe Löhne gezahlt werden. Wo will Avarto denn billigeres Personal einsetzen? Etwa in den alten Bundesländern? Haha, da ist es eher teurer als im Osten. Da bleibt als Billiglohn-Land wohl eher nur noch Polen oder Indien übrig. Dann viel Spaß damit ...

30.06.2019 18:38 colditzer 7

30.06.2019 17:38 Mediator 5

"Ich kann dieses Gejammer in den Kommentaren ehrlich gesagt nicht mehr hören. Wenn ein Unternehmen dicht macht, dann ist das für die Betroffenen sicher nie schön."

Danke für Ihr Mitgefühl.
Freue mich immer, wenn Leute aus dem Westen uns das Leben erklären.
Aber eigenartig.
Was heben die Medien auf der anderen Seite der Elbe für ein Geschrei an, wenn wieder eine Frittenbude dicht macht.
Ist doch nicht schlimm.
Der Zoll in Leipzig sucht Arbeitskräfte.
Für die Leute aus den Callcenter von Gera allerdings ein täglich langer Anfahrtsweg.

30.06.2019 17:50 PISA jetzt auch beim Rundfunk 6

".......hält an seiner Strategie fest, Standort in Ostdeutschland zu schließen...."

Danke, MDR, für soviel
gutes Deutsch!

[Vielen Dank für den Hinweis. Die zuständigen Kollegen sind informiert. Herzliche Grüße aus der MDR.de Redaktion]

30.06.2019 17:38 Mediator 5

Ich kann dieses Gejammer in den Kommentaren ehrlich gesagt nicht mehr hören. Wenn ein Unternehmen dicht macht, dann ist das für die Betroffenen sicher nie schön. Wenn diese Betroffenen aber dort 10 Jahre gearbeitet haben, dann war dies sicher für diese etwas gutes, solange vor Ort keine anderen Alternativen verfügbar gewesen sind. Auch die Politik hat da sicher nichts grundsätzlich verkehrt gemacht, wenn sie diesen Menschen durch Strukturpolitik Arbeit gebracht hat.

Es kann schon sein, dass immer mehr einfache Jobs automatisiert werden und das Callcenter dazu gehören. Bis dahin brauchte es aber trotzdem Menschen die dort arbeiten und diese Menschen erhileten ein Gehalt zahlten in die sozialen Sicherhungssysteme ein.

Alles besser als zu sagen <des hat ja eh kene Zukunft> und von der Stütze zu leben.

30.06.2019 16:31 Fragender Rentner 4

Was wollen die schon wieder "so gut bezahlte Jobs" im Osten abbauen?

.

30.06.2019 12:07 Wo ist das Lobbyregister? 3

@30.06.2019 10:56 Müller

(Na dann viel Spaß und gute Fahrt von Suhl bzw. Dresden. Ohne alles aufzugeben wäre so etwas beim Zoll nicht möglich. Schichtsystem bestimmt auch noch.)

Das soll ja auch nur den Druck aus diesem weiteren Beispiel für das wirtschaftspolitische Totalversagen in Neufünfland nehmen - Wahlen stehen an.
Wir sprechen hier übrigens von der ZollABFERTIGUNG - also einer speziellen Form der "Lagerlogistik". Die Gehälter dürften entsprechend sein.

Der Rückzug eines einzigen Unternehmens löst also automatisch eine Abwanderung aus - 30 Jahre nach der Wende und den "blühenden Landschaften".

30.06.2019 12:03 Wo ist das Lobbyregister? 2

Noch vor knapp 10 (zehn) Jahren wurde politisch die Ansiedelung von Callcenter-"Unternehmen" - also einer ausgesprochenen Billiglohnbranche - als zukunftssichernd betrachtet und Kommunen taten fast alles, um solche "Unternehmen" zu keilen. Sämtliche "Arbeitsagenturen" pressten Leute in die i. d. R. miesen Jobs und in Halle etwa entblödete sich die Stadt tatsächlich nicht, am Markt ein Riesenplakat aufzuhängen mit der Aufschrift "Willkommen Dell"...

Es war schon "damals", also vorgestern, glasklar, dass diese Branche in einem historisch kurzen Augenblick technisch überholt sein wird (Stichwort: Expertensysteme und Apps). Soviel zu den "Experten", dem Sachverstand der politischen Entscheider und zum Zustand eines Gemeinwesens, in dem diese Sorte jederzeit korrumpierbaren Durchschnitt unaufhaltsam Karriere macht. Und soviel auch zur nur peinlichen "Ruck-"Rede des Parteifreundes Altmeyer von vor ein paar Wochen.

30.06.2019 10:56 Müller 1

Na dann viel Spaß und gute Fahrt von Suhl bzw. Dresden. Ohne alles aufzugeben wäre so etwas beim Zoll nicht möglich. Schichtsystem bestimmt auch noch.