Powerbank-Verleih in der Schweiz Handystrom vom Kiosk

Ein Start-Up aus Zürich ist mit einem überraschend einfachen Geschäftsmodell erfolgreich. Es vermietet geladene Powerbanks, also externe Akkus, und hat so schon den ein oder anderen Handynutzer aus einer Notsituation gerettet. Die Schweizer expandieren nun mit ihrem Angebot in andere europäische Länder. In Deutschland gibt es die Powerbanks in Hamburg und Berlin.

von Dietrich Karl Mäurer, Schweiz-Korrespondent MDR AKTUELL

Akkus stehen in einem Regal
Powerbanks als Leihgabe - mit diesem Geschäftsmodell kommt ein Schweizer Start-Up nun nach Deutschland. Bildrechte: MDR/Dietrich Karl Mäurer

Fotografieren, Musik hören, chatten, navigieren, spielen und natürlich telefonieren: Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Smartphones sorgen schnell für leere Akkus. Ist dann keine Steckdose in der Nähe, ist manch einer ganz schön aufgeschmissen.

Immer mit genügend Akku unterwegs

Hier setzt die Geschäftsidee der Firma Chimpy aus Zürich an. Sie verleiht mobile Akkus, sogenannte Powerbanks. Geschäftsführer Andreas Braendle erklärt: "Die sind mit Solarstrom vollgeladen. Und die laden das Handy ganz normal auf, aber der Vorteil ist natürlich, man ist unterwegs, während man es lädt. Man kann das Handy nutzen, während man unterwegs ist, man hat es in der Hand." Das könne in vielen Situationen nützlich sein.

Leihen ist keine Pflicht

Akku in einem Süßigkeitenautomaten
Auch in Snack- und Getränkeautomaten kann man die leihbaren Powerbanks finden. Bildrechte: MDR/Dietrich Karl Mäurer

Angeboten werden die grünen Batterien in der Schweiz an Kiosken, aber auch in einigen Bars, auf Festivals und seit Kurzem sogar in Automaten. Wer mit dem mobilen Akku sein Smartphone wieder aufladen will, muss auch eine recht hohe Gebühr von vier Franken zahlen (entspricht 3,60 Euro).

Das Pfand in Höhe von 15 Franken (etwa 13 Euro) bekommen die Kunden zurück, wenn sie den Akku samt Kabel innerhalb einer Woche zu einer der Leihstellen zurückbringen. Das sei aber nicht Pflicht, erklärt Andreas Braendle. Man könne die Powerbank auch behalten und wieder neu aufladen. Dann habe man die Powerbank eben nicht geliehen, sondern gekauft.

Seit zweieinhalb Jahren erfolgreich in Schweiz

Andreas Brendle
Andreas Braendle gründete Chimpy gemeinsam mit vier Freunden. Bildrechte: MDR/Dietrich Karl Mäurer

Vor fünf Jahren hat Andreas Braendle die Firma gemeinsam mit vier Freunden als Start-Up gegründet. Inzwischen beschäftigt man 35 Mitarbeiter, davon 16 in Vollzeit. Seit zweieinhalb Jahren schreibt Chimpy schwarze Zahlen.

Zum Erfolg trägt der Partner Valora bei, denn der ist Betreiber von in der ganzen Schweiz verteilten Kiosken. Oliver Kneier von Valora sagt, die Leihakkus würden gut zu den anderen in den Mini-Shops angebotenen Waren passen.

Große Beleibtheit bei einer breiten Masse

Außerdem locke das neue Kunden in die Läden – und das sei auch ein Faktor für die Zusammenarbeit, denn so erschließe Valora eine neue Zielgruppe, ergänzt Kneier.

An guten Standorten werden pro Tag mehr als hundert Akkus verliehen. Manch Stammkunde komme mehrmals pro Woche, berichtet Kneier, "und dann gibt auch den klassischen 'on-the-go'-Kunden, der jetzt einfach mal kurz Strom braucht und keine Steckdose findet." Es sei also eine breite Zielgruppe, denn Männer wie Frauen und Alt wie Jung würden Akkus leihen.

Der geliehene Akku als letzte Rettung

Die meisten Kunden sehen den Service als Retter in der Not. In einer Straßenumfrage wird klar: Viele leihen die Akkus, um unterwegs ihr Smartphone über einen längeren Zeitraum am Leben zu halten. Sei es auf einer Zugfahrt, auf dem Weg zu einem Termin und beim Ausflug in die Stadt: In der Not sei das Angebot sehr praktisch.

Akkus auch in Deutschland leihbar

In diesem Jahr wagte Chimpy den Sprung von der Schweiz ins Ausland. Seit April kann man die geladenen Powerbanks in Hamburg ausleihen: für drei Euro und 15 Euro Pfand.

Als nächstes folgt Berlin – München, Köln und Paris sind in Planung. Denn leere Smartphones seien ein weltweites Problem, erklärt Andreas Braendle. "Und das ist halt auch ein Problem, das vor allem in großen Metropolgegenden häufig auftritt, dass es sich lohnt so eine Dienstleistung dort anzubieten."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Juni 2019 | 06:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2019, 07:07 Uhr

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