Nachfolgerin von Mario Draghi Die Krisenmanagerin: Lagarde übernimmt EZB

Christine Lagarde ist nun offiziell Präsidentin der Europäischen Zentralbank. Schon davor zählte sie zu den mächtigsten Frauen der Welt. Beim IWF hat sie sich als Krisenmanagerin einen Namen gemacht.

Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, spricht auf dem jährlich stattfindenden Weltwirtschaftsforum.
Christine Lagarde leitet seit Freitag offiziell als erste Frau die Europäische Zentralbank in Frankfurt. Bildrechte: dpa

Die Französin Christine Lagarde ist seit Freitag die erste Präsidentin der Europäischen Zentralbank. Den Status der Nummer eins kennt sie: Sie war auch schon die erste französische Wirtschaftsministerin und die erste Frau an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Nun die Krönung mit dem wichtigsten internationalen Finanzposten.

Globale Finanzkrise und Griechenland: Lagarde beweist Krisenfestigkeit

Dabei ist Lagarde keine studierte Ökonomin, sondern Juristin. Aber es sind vor allem ihr Verhandlungsgeschick und ihr exzellenter Ruf als Krisenmanagerin, die sie in dieses Amt gehoben haben. Sowohl im Wirtschaftsministerium als auch beim IWF war sie mit schweren Wirtschaftskrisen konfrontiert. 2008 war es die globale Finanzkrise, die auch Frankreich schwer traf. Drei Jahre später, als sie IWF-Chefin war, stellte Griechenland die Weltwirtschaft auf die Probe. Dem hoch verschuldeten EU-Staat half sie mit Milliardenkrediten, knüpfte diese aber an strenge Auflagen. Nicht erst seitdem gilt sie als gewiefte Taktikerin.

Ihre Vita als Grande Dame der Finanzwelt hat aber auch Kratzer. Ein Pariser Gericht sprach Lagarde im Dezember 2016 schuldig, als Finanzministerin fahrlässig zur Veruntreuung französischer Staatsgelder in Höhe von 400 Millionen Euro beigetragen zu haben. Eine Strafe verhängte das Gericht aber nicht.

Nullzins: Lagarde muss frustrierte Banken beschwichtigen

Der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi (l) steht auf einem Festakt anlässlich des Wechsels an der Spitze der EZB neben seiner designierte Nachfolgerin Christine Lagarde.
Die lockere Geldpolitik von Vorgänger Mario Draghi möchte Lagarde vorerst fortführen. Bildrechte: dpa

Nun folgt sie für acht Jahre als EZB-Chefin auf den Italiener Mario Draghi. Lagarde hat bereits angekündigt, seine ultralockere Geldpolitik vorerst fortzusetzen. Draghi hatte zum Abschied den Leitzins auf dem Rekordtief von null Prozent noch einmal bestätigt. Dieser Kurs hat aber nicht nur Befürworter, vor allem von Sparern und Banken hagelt es Kritik für die expansive Geldpolitik. Es wird auch Lagardes Aufgabe sein, sie zu beschwichtigen.

Die 63-Jährige, neben Merkel wohl nun eine der mächtigsten Frau der Welt, hat zudem angekündigt, das Themenspektrum der EZB um gesellschaftliche Fragen wie Klimapolitik und Frauenförderung erweitern zu wollen. Immer wieder würden Frauen auf "unsichtbare Glasdecken" zu stoßen. Es sei "wichtig zu wissen, wie man diese Decken durchbricht", sagte sie. Sie selbst folge dem Motto "Zähne zusammenbeißen und lächeln" - das habe sie schon als 15-jährige Synchronschwimmerin in der französischen Nationalmannschaft gelernt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. August 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2019, 21:46 Uhr