Finanzmärkte Handelskriege, Zölle und Sanktionen: Wird der Dollar abgelöst?

Seit Jahrzehnten dominiert die Finanzmärkte eine Währung: der Dollar. Firmen treiben weltweit Handel und rechnen in US-Dollar ab. Der Dollar hält sich scheinbar unangefochten als Leitwährung. Scheinbar. Denn die Politik von US-Präsident Trump, seine Handelskriege, Zölle und Sanktionen - all das hat dem Dollar durchaus zugesetzt. Kratzt das am Vertrauen in den Dollar? Und wenn ja, wird er als Leitwährung bald abgelöst? Das hat sich MDR-AKTUELL-Hörer Thomas Richter gefragt.

US-Präsident Donald Trump sitzt im Oval Office und telefoniert.
Der Dollar hat durch Trumps Poltik Schaden genommen - als Leitwährung dient er trotzdem weiterhin. Bildrechte: dpa

Kaum jemand schrie auf, als Marc Carney, Chef der britischen Notenbank, kürzlich den Revoluzzer spielte. Carney hatte bei einem Notenbanker-Treffen ins Spiel gebracht, den Dollar als Leitwährung abzulösen.

In einer Welt mit vielen Akteuren – wie Europa, China, USA – benötigen wir eine Währung, die auf viele Akteure zugeschnitten ist. Die Frage ist, wie wir das erreichen.

Marc Carney, Chef der britischen Notenbank

Leitwährungswechsel unrealistisch

Die Antwort lieferte Carney gleich mit: Eine unabhängige digitale Währung sollte den Dollar ersetzen. Ein frontaler Angriff auf die US-Vormacht im internationalen Finanzsystem. Doch die Reaktionen blieben aus. Weder twitterte US-Präsident Trump eine Wutbotschaft, noch äußerte ein europäischer Zentralbanker Zustimmung. Und das könnte daran liegen, dass Carneys Forderung recht unrealistisch sei, sagen viele Experten wie Gunther Schnabl, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig.

Wenn eine Währung mal Leitwährung ist, dann ist es auch sehr wahrscheinlich, dass sie auch Leitwährung bleiben wird.

Gunther Schnabl Prof. für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig

Das sieht auch Finanzwissenschaftler Prof. Friedrich Thießen von der Universität Chemnitz so. Zum Dollar sei derzeit keine Alternative in Sicht:

Das liegt einfach daran, dass die USA eine starke Wirtschaftsnation sind mit einem großen Außenhandel und vor allem auch, weil sie funktionsfähige Bankensysteme haben. Das klappt einfach.

Prof. Friedrich Thießen Universität Chemnitz

Handel mit Dollar weiterhin preiswert

Doch was hat der Dollar, was digitale Währungen nicht haben? Gleich mehreres, sagen die beiden Experten. Der Dollar sei immer noch recht stabil und weit verbreitet, der Handel mit ihm preiswert. Er ist zudem die Währung, mit der die weltweit wichtigsten Banken Transaktionen durchführen. Und diese Banken sitzen größtenteils in New York.

Ein weiterer Grund: Der Dollar sei bei Anlegern die Nummer eins. "Eine wichtige internationale Währung ist mit großen Kapitalmärkten hinterlegt, weil die internationalen Halter von Dollar, die wollen diese Dollarvermögen irgendwie anlegen, in Aktien, in Immbobilienfonds, in irgendwelche anderen. Und all diese Finanzanlagen gibts in Libra nicht und auch nicht in Bitcoin", sagt Schnabel.

China wird dem Dollar (noch) nicht gefährlich

Und so dürften die meisten Anleger, wie Staaten und Konzerne, kaum Interesse daran haben, die Leitwährung zu wechseln. Nur zwei Entwicklungen könnten dem Dollar gefährlich werden.

Erstens, erklärt Prof. Thießen: "Wenn die USA aber jetzt stärker andere Länder wegen dieses Systems drangsalieren, wie den Iran - ja, wenn der Iran eine internationale Zahlung durchführen will, läuft das auch über Banken in New York. Und dort kann man die Zahlungen dann anhalten. Man kann die Länder drangsalieren. Wenn die USA das jetzt in mehr Fällen machen würde, das würde der Leitwährungsfunktion des US-Dollar schwer schaden."

Und zweitens könnte China mit seiner geballten Wirtschaftsmacht dem Dollar das Wasser abgraben. Die chinesische Führung versuche zwar seit Jahren, seine eigene Währung international zu etablieren, beobachtet Prof. Schnabl. Aber insgesamt tue China noch zu wenig, um dem Dollar gefährlich zu werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. November 2019 | 05:21 Uhr

4 Kommentare

Klarheit vor 32 Wochen

ich habe gestern auch einen Kommi zum Euro abgegeben , die MDR Kommentarbegutachter scheinen aber negative Aussichten für den Euro nicht zu akzeptieren und haben meinen Kommi wieder einmal nicht frei gegeben ....

u.a. eine Währung die Monat für Monat 40-80 Milliarden per Druckerpresse in den Markt pumpt , Milliarden ohne Deckung wird NIE Leitwährung ....

ralf meier vor 32 Wochen

Schaut man sich den Dollarkurs während der bisherigen Amtszeit des Herrn Trump an, wird man feststellen, das er nach einem massiven Anstieg in den ersten zwei Jahren nun wieder leicht über dem Kurs bei Amtsübernahme steht. Ob das die Behauptung rechtfertigt, 'Der Dollar hat durch Trumps Politik Schaden genommen' mag nach zwei im Sprachgebrauch der Moderation 'nicht freigeschalteten' Rückmeldungen von mir jeder für sich entscheiden.

Zur Behauptung, der Dollar sei trotz Herrn Trump weiterhin Leitwährung, möchte ich ergänzend hinzufügen, das die amerikanische Wirtschaft trotz Herrn Trump so sehr boomt, wie schon lange nicht mehr. Siehe dazu: Tagesschau 01.11.2019: 'Warum Trumps Wiederwahl wahrscheinlich ist'

pkeszler vor 32 Wochen

Es wird Zeit. dass der Dollar zumindest in der EU abgelöst wird. Den Menschen hier reicht der EURO vollkommen aus. Aber die Wirtschaft denkt sicher anders und weltweit.

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